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Adel
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Semantik 
Adel, der, -s/–. Das semantische Feld gliedert sich in Verwendungsweisen, in denen das Substantiv für bestimmte privilegierte und/oder sozial besonders anerkannte Gruppen von Menschen (2, 4), und solche, in denen es für die Tatsache der Gruppenzugehörigkeit (1, 3) steht. Ebenfalls thematisiert werden eine Reihe von Qualitäten, die idealiter die Gruppenzugehörigkeit ausmachen (5). Da Adel1 und Adel2 staatsrechtlich etablierte Größen sind, somit die soziale Realität prägen und im Alltagsbewusstsein verankert sind, ist der Wortgebrauch, insofern es um die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen bzw. die Gruppen selbst geht, weitgehend auf die Verwendungsweisen 1 bzw. 2 beschränkt; übertragene Verwendungen (3 metaphorisch zu 1, 4 metaphorisch zu 2) sind selten belegt. – Vor dem Hintergrund der politischen und sozialen Umbrüche des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts erscheint das Substantiv als ein Gegenstand und Medium semantischer Kämpfe: Der Adel2 wird durch die französische Revolution und durch die Mediatisierungen im Zusammenhang mit dem Reichsdeputationshauptschluss (1803) und dem Ende des Alten Reichs (1806) in seinen Rechten beschnitten und versucht seine in die Diskussion geratene soziale Stellung (u. a.) durch Reklamation von Adel5 zu rechtfertigen (was von anti-aristokratischen Diskursakteuren bestritten wird). Adelung (Gramm.-krit. Wb. I [21793], 165) referiert die bis heute anerkannte Etymologie: „Die Endsylbe ist bloß die Ableitungssylbe -el, ein Ding, Subject, zu bezeichnen; es kommt hier also auf die Sylbe ad, oder wie sie ehedem lautete od, an, und diese bedeutete ehedem Eigenthum, Besitz ein Gut“. Selbst diese vermeintlich neutrale Bemerkung ist ideologisch gefärbt bzw. lässt sich perspektivisch-wertend auslegen: „Diese Ableitung ist nicht allein sehr ungezwungen, sondern auch der ältesten Verfassung der Deutschen gemäß, wo sich der Adel ganz auf den Kriegesstand gründete, dieser aber der freye Besitzer der Ländereyen war.“ (Ebd.) – Finanzstarke Bürgerliche und auch Beamte streben teilweise danach, den Adel1 zu erlangen; teilweise wird demgegenüber jedoch, nicht zuletzt im Zusammenhang der Literatur- und Kunstreflexion, Adel5 als moralische und/oder ästhetische Qualität von Bürgerlichen in Anspruch genommen. — Literatur: Peter 1979, Wehler 1990; Marburg/Matzerath 2001; Conze/Wienfort 2004; Demel 2005; Wienfort 2006; Strobel 2010; Stobbe 2015a; Stobbe 2015b.
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