Wortliste
Struktur
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Semantik 
Witz, der; -es/-e. — Das Wort geht zurück auf eine indoeuropäische Wurzel u̯eid- ›erblicken, sehen‹ und ist damit nicht nur mit lat. videre ›sehen‹ verwandt, sondern u. a. auch mit den deutschen Wörtern wissen, weise und Weisheit sowie mit engl. wit (vgl. EWbD III, 1986a) – eine Tatsache, die den Zeitgenossen bekannt ist: Das Wort „ist, wie das Engl. Wit, welches auch noch Verstand, Scharfsinn u. s. f. bedeutet, mit weise und wissen Eines Geschlechtes, obgleich nicht unmittelbar von denselben abgeleitet.“ (Adelung, Gramm.-krit. Wb. IV [21801], 1587). „Unter dem Einfluß von frz. esprit und engl. wit erhält Witz im 17. Jh. die Bedeutung ,Begabung für geistreiche, überraschend formulierte Einfälle, dichterisches Erfindungsvermögen‘ im Hinblick auf die schönen Wissenschaften und freien Künste.“ (EWbD III, 1986a.) – Die Semantik des Wortes ist, vor dem Hintergrund goethezeitlicher Konzepte der Gemütskräfte betrachtet, schillernd: Einerseits finden sich semantische Ähnlichkeiten mit Wörtern wie Phantasie, die u. a. für konnotativ-synthetisches, kombinatorisches Vermögen stehen (vgl. 2), andererseits hat Witz eine intellektuelle Komponente und berührt sich als ›Scharfsinn‹, d. h. analytisches Vermögen, mit dem Verstandesbegriff (vgl. 3). Die Wortsemantik weist somit auf mehreren Ebenen den Aspekt ›Synthesis‹ auf: einerseits in einer einzelnen Bedeutung (2), andererseits dadurch, dass dasselbe Lexem in einer anderen Bedeutung (3) mit diesem Aspekt die entgegengesetzte Bedeutungskomponente verbindet. Zudem erscheint in einigen Belegen eine klare Unterscheidung zwischen beiden Aspekten nicht möglich (d. h., zwischen den Bedeutungen 2 und 3 ist semantische Offenheit zu konstatieren), bzw. der Unterschied wird sogar explizit in Frage gestellt: prominent bei F. Schlegel, Ath.-Fragm. [1798], 58, Nr. 220, der den Witz als „Prinzip und Organ der Universalphilosophie“, der „Wissenschaft aller sich ewig mischenden und wieder trennenden Wissenschaften“ bezeichnet. – Witz weist in verschiedenen Diskurszusammenhängen (in der Aufklärung ebenso wie in der Romantik) Tendenzen zur Terminologisierung auf, insbesondere im Zusammenhang der unterschiedlichen Geniekonzepte. Für die Frühromantik ist ein besonderes Interesse an der Einbindung des Lexems in ihre Theoriebildung zu erkennen: F. Schlegel, der Witz als Universalphänomen begreift – „Alles ist Witz und überall ist Witz“ (F. Schlegel, Fragm. Litt. u. Poes. [*1797], 153, Nr. 787) – hat „viele Jahre“ eine Schrift über Witz geplant (Eichner 1981, 530), die allerdings nicht realisiert wurde. In seinen handschriftlichen Notizen ebenso wie in den publizierten Fragmentsammlungen (und auch in den Blüthenstaub-Fragmenten Friedrich von Hardenbergs findet sich eine ganze Reihe von Wortbelegen in theoretisch aufschlussreichen Zusammenhängen. So wird Witz (in verschiedenen Bedeutungen des Wortes: sowohl als ›Scharfsinn‹ wie als ›Phantasie‹) u. a. im Zusammenhang der romantischen Philologie-, Kritik- und Polemik-Konzepte funktional. Auch und gerade die schillernde Semantik ist für die frühromantischen Autoren reizvoll und wird durch ihre Verwendungen des Lexems noch verstärkt. Ebenso wie Heiterkeit nicht nur ›Fröhlichkeit‹ bedeutet, sondern „auf dunklem Grund“ zu sehen ist (Höfer 1997), kann einem auch beim Witz das Lachen im Halse stecken bleiben. Die signifikante Häufigkeit der Blitz- und Funken-Metaphorik (vgl. insbes. Witz1) zeigt, dass Witz prinzipiell in dunklen Zusammenhängen gedacht wird: als eine lediglich momentane Erhellung einer ansonsten – sei es intellektuell oder emotional – dunklen oder trüben Umgebung. Eben hier liegt die Erklärung für eine Aussage wie „Nichts ist verächtlicher als trauriger Witz“ (F. Schlegel, Lyc.-Fragm. (1797), 136, Nr. 17), da trauriger Witz die von ihm erwartete Aufhellungsfunktion nicht erfüllen kann.
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