Struktur
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7.
›lautliche, klangliche, akustisch wahrnehmbare Manifestation einer konkreten oder abstrakten Größe, von einem Lebewesen oder einer Sache hervorgebrachter Ton oder verursachtes Geräusch‹, hypersem
⦿ oder metaphorosem
⦿ zu
1, offen zu
8.
—
Bdv.
:
♦
kontrastiert:
Bild [
5]. ♦
ähnlich:
Rede [
10]. ♦
kategorial untergeordnet:
Brausen [
4]. —
Ktx.
:
♦
erscheinend/manifestiert:
Gottheit [
7],
Humanität [
11],
Liebe [
12],
Nacht [
5],
Wahrheit [
9],
Wehmut [
12]. ♦
Eigenschaft:
fein [
9],
klagend [
11],
leise [
9]. ♦
Widerfahrnis:
e.r S. gegeben werden [
13],
gehört werden [
4,
17],
rauschen [
14],
vom Himmel tönen [
9]. ♦
verursachend:
Metall [
6,
8],
Mücke [
1],
Quelle [
3]. ♦
Medium/Instrument einer Bezug nehmenden Größe:
Ohr3 [
10].
[1]
Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (
21796), 753
: Die Gölse, [...] im Oberdeutschen, eine Benennung derjenigen Mücken, welche sich durch ihre hell tönende Stimme verrathen, und welche man in Ober- und Niedersachsen Schnaken nennet [...].
[2]
B. v. Arnim, Frühlingskr. (*1800–04; 1844), 124
: Ich kann mich keiner Beschäftigung hingeben. Inwendig ruft es: dorthin, und dort rufts wieder hierher, und hier lockts, da flüsterts, und hinter mir und vor mir, und in den Lüften gehen Stimmen durcheinander die mich reizen. ➢ Volltext
[3]
Börne, Septenn. (1824), 170
: Am Abende des dritten Tages, da er müde und durstig war, hörte er eine Quelle murmeln, und er folgte ihrer Stimme.
[4]
Görres, Tt. Volksb. (1807), III f.
: Es rauschten die Wellen stärker, aber ich verstand ihr Rauschen nicht. Euere Stimme hör 〈IV〉 ich wohl, aber Zungen habt ihr keine, die Elementensprache kenn ich nicht! | Da ward der Bach gar zornig, er sog mehr Wasser an, und zog reissend nun einher, seine Stimme war ein gewaltig Brausen. Aber ich verstand die Elementensprache nicht!
[5]
Mereau, Amd. u. Ed. I (1803), 222
: Ich wußte es, eine solche Nacht ließ Dich nicht ruhen. Du eiltest hinaus, in die Natur[2], [...] himmlische Freiheit[1] und Liebe[6] empfing Dich, und die heiligen Stimmen der Nacht, riefen wunderbare Bilder vor Dein Gemüth.
[6]
Schiller, Glocke (1800), 245
: Daß vom reinlichen Metalle | Rein und voll die Stimme schalle.
[7]
Adelung, Gesch. Cultur (1782), 18
: Dem ungebildeten Naturmenschen ist jede Erscheinung, deren Ursache ihm nicht in die Sinne[6] fällt, und wie viele giebt es deren nicht! das Werk eines unbekannten höhern Wesens, überall wirket und handelt ein Gott[5], wenigstens ein Geist[1], ein unbekanntes Mittelwesen. Die ganze Körperwelt ist ihm beseelt; das Rauschen der Blätter an der bejahrten Eiche ist ihm eben so wohl die Stimme der Gottheit, als das Rollen des Donners..
[8]
Adelung, Gramm.-krit. Wb. IV (
21801), 94
: Die glänzende weiße Farbe dieses Metalles [sc. Silber] ist ohne Zweifel der Grund seiner Benennung [...]. Sowohl diese glänzende Farbe, als auch die angenehme helle Stimme dieses Metalles geben der Dichterischen Schreibart zu allerley Zusammensetzungen Anlaß, z.B. in Ansehung der Farbe, das Silbergewölk, der Silberbach, die Silberquelle, der Silberglanz u.s.f. 〈95〉 für silberfarbenes Gewölk u.s.f. und in Ansehung des Klanges, Silberklang, Silberstimme, Silberton u.s.f..
[9]
Herder, Urspr. d. Spr. (1772), 22
: Diese Töne[5], diese Gebehrden, jene einfachen Gänge der Melodie [...] – was weiß ich mehr? Bei Kindern, und dem Volk[2] der Sinne[10], bei Weibern[1], bei Leuten von zartem Gefühl, bei Kranken, Einsamen, Betrübten, würken sie tausendmal mehr, als die Wahrheit selbst würken würde, wenn ihre leise, feine Stimme vom Himmel tönte. ➢ Volltext.
[10]
Herder, Gesch. d. Menschh. II (1785), 150
: Wo irgend Bewegung in der Natur[4] ist, wo eine Sache zu leben scheint und sich verändert, ohne daß das Auge die Gesetze der Veränderung wahrnimmt: da höret das Ohr[3] Stimmen und Rede, die ihm das Räthsel des Gesehenen durchs Nichtge〈151〉sehene erklären: die Einbildungskraft[1] wird gespannt und auf ihre Weise d. i. durch Einbildungen befriedigt. Ueberhaupt ist das Ohr[3] der furchtsamste, der scheueste aller Sinne[6]; es empfindet lebhaft, aber nur dunkel: es kann nicht zusammenhalten, nicht bis zur Klarheit vergleichen: denn seine Gegenstände gehn im betäubenden Strom vorüber. Bestimmt, die Seele zu wecken, kann es, ohne Beihülfe der andern Sinne[6] insonderheit des Auges, sie selten bis zur deutlichen Gnugthuung belehren..
[11]
Herder, Gesch. d. Menschh. III (1787), 177
: Selbst in den Resten des neuen[3] griechischen[2] Lustspiels tönt noch diese klagende Stimme der sanften Humanität wider..
[12]
Hoffmann, Rez. Beethoven [Op. 67] (1810), 632
: In die Tiefen des Geisterreichs führt uns Mozart. Furcht umfängt uns: aber, ohne Marter, ist sie mehr Ahnung des Unendlichen. Liebe und Wehmuth tönen in holden Stimmen, die Macht der Geisterwelt geht auf in hellem Purpurschimmer, und in unaussprechlicher Sehnsucht ziehen wir den Gestalten nach, die freundlich uns in ihre Reihen winken, im ewigen Sphärentanze durch die Wolken fliegen. (Z. B. Mozarts Symphonie in Es dur, unter dem Namen des Schwanengesanges bekannt.) ➢ Volltext.
[13]
A. W. Schlegel, Brf. Poes. IV (1796), Hor. V.2, 59 f. (60)
: [B]etrachtet man die Bewegungen der Stimme[1] nicht als Mittel, Gegenstände zu bezeichnen, sondern nur als Ausdruck innrer Zustände, worauf sie doch beym Gesange zurückgeführt werden, so fehlt so viel, daß der Mensch[1] sich hierin eines angebohrnen Vorzugs rühmen könnte, daß er vielmehr nur durch eine Ausbildung, die er allein sich selbst zu geben vermag, und durch die fortgesetzte Uebung vieler Geschlechter[10], sich die Biegsamkeit, den Umfang der Singstimmen, und das feine Gehör für das Harmonische in den Uebergängen erwirbt, welche manchen Gattungen der Vögel ohne Unterricht eigen sind. Doch an künstlicher[4] Schönheit[1] des Gesanges mag der Mensch[1] sie noch so weit übertreffen; die zarte Regsamkeit der Organisazion[4], wo〈60〉durch bey ihnen allen Gefühlen der Lust und des Verlangens Stimme[7] gegeben wird, so daß ihr innigstes Leben in der Kehle zu wohnen scheint, muß er an diesen kleinen Musen der thierischen Schöpfung bewundernd lieben, und kann dieselbe höchstens nur mit ihnen theilen. ➢ Volltext.
[14]
F. Schlegel, Goethe's Meister (1798), 177 f. (178)
: Diese architektonischen Naturen[17] umfassen, tragen und erhalten das Ganze. Die andern, welche nach dem Maß von Ausführlichkeit der Darstellung die wichtigsten scheinen können, sind nur die kleinen Bilder und Verzierungen im Tempel. Sie interessiren den Geist[21] unendlich, und es läßt sich auch gut darüber sprechen, ob man sie achten oder lieben soll und kann, aber für das Gemüth selbst bleiben es Marionetten, allegorisches Spielwerk. Nicht so Mignon, Sperata und 〈178〉 Augustino, die heilige Familie der Naturpoesie, welche dem Ganzen romantischen[8/9] Zauber und Musik[7] geben, und im Übermaß ihrer eignen Seelengluth zu Grunde gehn. Es ist als wollte dieser Schmerz unser Gemüth aus allen seinen Fugen reißen: aber dieser Schmerz hat die Gestalt, den Ton[5] einer klagenden Gottheit und seine Stimme rauscht auf den Wogen der Melodie daher wie die Andacht würdiger Chöre. ➢ Volltext.
[15]
R. Schumann, Opus II (1831), 808
: Das ist nun aber alles nichts gegen den letzten Satz [sc. F. Chopin, Variationen über „La Ci Darem la Mano“, Op. 2] [...] – lauter springende Champagnerstöpsel, klirrende Flaschen – Leporello's Stimme dazwischen, dann die fassenden, haschenden Geister[1], der entrinnende Don Juan [...]..
[16]
Sulzer, Allg. Theor. II (1774), 610
: Ohne Zweifel wollte die Natur[2] durch die von allen Seiten auf uns zuströhmenden Annehmlichkeiten unsre Gemüther überhaupt zu der Sanftmuth und Empfindsamkeit bilden, wodurch das rauhe Wesen, das eine übertriebene Selbstliebe und stärkere Leidenschaften geben, mit Lieblichkeit gemäßiget wird. Diese Schönheiten[3] sind einer in uns liegenden feineren Empfindsamkeit angemessen; durch den Eindruk, den die Farben, Formen und Stimmen der Natur[2] auf uns machen, wird sie beständig gereizt, und dadurch wird ein zarteres Gefühl in uns rege, Geist[21] und Herz werden geschäftiger und nicht nur die gröbern Empfindungen, die wir mit den Thieren[1] gemein haben, sondern auch die sanften Eindrüke werden in uns würksam. Dadurch werden wir zu Menschen[1]; unsre Thätigkeit wird vermehret, weil wir mehrere Dinge interessant[1] finden, es entsteht eine allgemeine Bestrebung aller in uns liegenden Kräfte, wir heben uns aus dem Staub empor, und nähern uns dem Adel[5] höherer Wesen. Wir finden nun die Natur[2] nicht mehr zu der bloßen Befriedigung unsrer thierischen Bedürfnisse, sondern zu einem feinern Genuß und zu allmähliger Erhöhung unsers Wesens eingerichtet..
[17]
Uhland, Romant. (
H1807), 138
: Über das Romantische[9] [...] || Das Unendliche umgibt den Menschen, das Geheimniß der Gottheit und der Welt. Was er selbst war, ist und seyn wird, ist ihm verhüllt. Süß und furchtbar sind diese Geheimnisse. | Hier zieht sich um sein einsames Schiff das unermeßliche Weltmeer; er zittert von dem dumpfen Brausen, das ihm Sturm dräut. Und wenn er auch das Land erreicht, ist er sicher, daß nicht der Ozean, der die Veste rings umgürtet, mächtig hereinwoge und sie mit ihm verschlinge? | [...] Die reellen Seelenkräfte langen mit unendlicher Sehnsucht in die Ferne: Der Geist[18] des Menschen aber, wohl fühlend, daß er nie das Unendliche in voller Klarheit in sich auffassen wird, und müde des unbestimmt schweifenden Verlangens, knüpft bald seine Sehnsucht an irrdische Bilder, in denen ihm doch Ein Blik des Überirrdischen aufzudämmern scheint; [...] sie erscheinen ihm wie Engel, freundlich grüssend, aber zugleich mit dem Fittig, auf dem sie sich immer in das Unendliche aufschwingen können. | Aber auch jene furchtbare Welt sendet uns ihre Gestalten, die schaurigen Nachtgeister; bedeutende Stimmen hören wir aus der Finsterniß. Fast in jedem Bilde, das ein Geheimniß andeutet, glauben wir gerade eines jener großen Geheimnisse zu ahnen[3], nach denen unser Sinn[11], mit oder ohne Bewußtseyn, immer sich hinneigt..