Wortliste
Adel
Brief
Buchstabe
Dialekt
Freiheit
Ironie
ironisch
klassisch
Kritik
Ohr
progressiv
romantisch
Stimme
Tier
Witz
Brief
Buchstabe
Dialekt
Freiheit
Ironie
ironisch
klassisch
Kritik
Ohr
progressiv
romantisch
Stimme
Tier
Witz
Struktur
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Semantik
1.
›von einem Wirbeltier, insbesondere einem Menschen, durch Gebrauch eines diesem Zweck dienenden Organs oder Organensembles intentional erzeugte lautliche Äußerung‹, metaphorisch auch bei personal konzipierten metaphysischen Größen, denen keine Leiblichkeit und somit auch kein Organ mit Lauterzeugungsfunktion zugeschrieben werden kann. Der Bedeutungsumfang reicht vom unartikulierten [1, 39] oder melodischen [7, 8] Tierlaut bis hin zum konkreten menschensprachlichen Einzelwort [10]. In der frei5 tönenden St. des Tiers erkennt Hegel [11] einen höheren Ausdruck der beseelten Subjektivität gegenüber den unorganischen Körpern, die nur durch fremden Anstoß rauschen und klingen. Für Schiller ist die menschliche St., ebenso wie das Auge, die Gesichtszüge, die Körperhaltung und die Atmung, unmittelbarer Ausdruck der Seele, kann aber eben deshalb auch erkennen lassen, wenn der Mensch sich ausschließlich der Herrschaft des Triebes überlässt [53]. Die von einer schönen2 Seele zeugende St. hingegen erscheint als Musik11 [54]. Stärker als das Auge und die Gesichtszüge ist die St. allerdings vom Affekt abhängig [55], so dass sie – analog dem als mittlerer Sinn6 erscheinenden Ohr – eine Mittelposition zwischen den Anzeichen für Freiheit10 und solchen für das Wirken der Sinnlichkeit, der Natur12 oder des Triebs einnimmt. Die St. eines Menschen kommt aus seinem Innersten, daher versetzt sie uns in ihn hinein und affiziert uns auf das Gewaltigste [62].
Belege
[1]
Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 726: Der Bär, des -en, [...] ein großes fünfzehiges fleischfressendes Thier[1] der mitternächtigen Länder, welches sich durch seine zotigen Haare, seinen breiten und großen Leib, und durch seine brummende Stimme leicht von andern Thieren[1] unterscheidet.
[2] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 1933: Seine Stimme erschallete durch das ganze Haus.
[3] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 2082: Loben [...] bedeutete [...] schreyen, eine laute Stimme von sich geben; in welcher Bedeutung es [...] längst veraltet ist [...].
[4] Adelung, Gramm.-krit. Wb. IV (21801), 229: Das Sprāchrohr, [...] ein kegelformiges Rohr, die Sprache[6], d. i. Stimme eines Sprechenden damit zu verstärken [...].
[5] Ahlefeld, Marie Müller (21814 [11799]), 250: Der Graf kam an. Josephine empfing ihn mit ernster Würde. Ich habe Sie beleidigt, theure Josephine! sagte er, aber die unglückliche Ursach, die uns trennte, ist nicht mehr. Sie starb, indem sie mir vergab! Wollen Sie dem Beyspiel ihrer Versöhnung folgen? – – Er reichte ihr hier Mariens Brief[1] und schwieg[1]. – Josephine nahm ihn kalt und gleichgültig, aber sein Inhalt machte ihr Herz weich, und sanft wurde ihr stolzes Auge von Thränen überzogen, die sie der Unglücklichen nicht verweigern konnte. Rasch wandte sie sich zu ihrem Gemahl, mit festem Entschluß und festem Blicke, obgleich einer gerührten Stimme. Dieser Brief[1], sagte sie, indem sie ihn zurück gab, sey unser Scheidebrief. 〈251〉 Ich verlange nichts von Ihnen zur Entschädigung meines Kummers, als den Besitz meines Kindes, und die Sorge für seine Erziehung, damit sein Herz rein bleibt von der Falschheit seines Vaters.
[6] Arndt, Lpzg. Schlacht (1814), 10: Gesang und Klang, Kanonen und Raketen, und frohlockende Stimmen der Menschen[1] mögen, wie es jedem gemüthlich und paßlich ist, den festlichen Vorabend verherrlichen, und der Ferne verkündigen; aber das Größte bleibe bei dem Feuer und Lichte.
[7] G. Forster, Reise u. d. Welt I (1778), 112: Zur Linken dieser herrlichen Scene stiegen schroffe braune Felsen empor, deren Gipfel mit überhängendem Buschwerk und Bäumen gekrönt waren. Zur Rechten lag ein Haufen großer Steine, den, allem Anschein nach, die Gewalt des vom Berge herabströmenden Wassers zusammengethürmt hatte; über diesem hinaus erhob sich eine abhängige Felsen-Schicht zu einer Höhe von etwa 150 Fus, und auf diese war eine 75 Fuß hohe, senkrechte Felsenwand mit Grün- und Buschwerk überwachsen, aufgesetzt. Weiter zur Rechten sahe man Gruppen von gebrochenen Felsen, durch Moos, Farnkraut, Gras und allerhand Blumen verschiedentlich schattirt, den dort herkommenden Strohm aber zu beyden Seiten mit Bäumen eingefaßt, die, vermöge ihrer Höhe von ohngefähr 40 Fus, das Wasser gegen die Strahlen der Sonne decken. Das Getöse des Wasserfalls war so heftig, und schallte von den benachbarten, wiedertönenden Felsen so stark zurück, daß man keinen andern Laut dafür unterscheiden konnte. Die Vögel schienen sich deshalb auch etwas davon entfernt zu halten, weiter hin aber ließ sich die durchdringend helle Kehle der Drosseln [...], die tiefere Stimme des Barth-Vogels [...] und der bezaubernde Gesang verschiedner Baumläufer oder Baumklettrer [...] an allen Seiten hören, und machte die Schönheit[1] dieser wilden[2], romantischen[3] Gegend vollkommen.
[8] Goethe, W. Meister I (1795), 205 f. (206): So haben die Dichter[1] in Zeiten[3] gelebt, wo das Ehrwürdige mehr erkannt ward, rief Wilhelm aus, und so sollten sie immer leben. Genugsam in ihrem Innersten ausgestattet bedurften sie wenig von aussen; die Gabe, schöne[1] Empfindungen, herrliche Bilder den Menschen[1] in süßen, sich an jeden Gegenstand anschmiegenden Worten[2] und Melodien mit〈206〉zutheilen, bezauberte von jeher die Welt, und war für den Begabten ein reichliches Erbtheil. An der Könige Höfen, an den Tischen der Reichen, vor den Thüren der Verliebten horchte man auf sie, indem sich das Ohr[3] und die Seele für alles andere verschloß, wie man sich selig preist und entzückt stille[9] steht, wenn aus den Gebüschen, durch die man wandelt, die Stimme der Nachtigall gewaltig rührend hervordringt!
[9] Hamann, Krzzg. d. Phlg. (1762), 11: Die Stimme der Thiere[1] komt uns für ihren gemeinschaftlichen Wechsel [›ihre Kommunikation‹] eingeschränkter vor, als sie seyn mag, weil unsere Sinnen[6] unendlich stumpfer sind.
[10] Hamann, Krzzg. d. Phlg. (1762), 59 f. (60): Es scheint hier unter andern auf eine alte[1] Legende gezielt zu seyn, nach welcher erzählt 〈60〉 wird, daß ein Monarch die erste, älteste[1] und daher auch natürlichste[2] Sprache[3] herausgebracht haben soll. Die Stimme Beccos, welche jene menschliche Geschöpfe von sich gaben, bedeutete in der phrygischen Sprache[3] Brodt; man ertheilte ihr daher den Adel[3] der Erstgeburt. [⦿]
[11] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 159: Die Bewegung [...] ist nicht die einzige Aeußerung der Lebendigkeit. Das freie[5] Tönen der thierischen Stimme, welches den unorganischen Körpern fehlt, indem sie nur durch fremden[3] Anstoß rauschen und klingen, ist schon ein höherer Ausdruck der beseelten Subjektivität. ➢ Volltext
[12] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. III (1835), 240: Dünen heißen die Sandhügel am Meeresufer, die durch den Schlag der Wellen angehäuft werden. Sie ermangeln jeder Vegetation und gewähren einen düstern einförmigen Anblick. Nur die Möve flattert über sie einher und läßt ihre monotone Stimme ertönen.
[13] Hoffmann, Elix. d. Teuf. I (1815), PW 2, 37: Ich [...] hörte meine Stimme durch das Gewölbe donnern [...].
[14] Kellner, Töne (1787), 1185 f.: Ein Ton[1] ist die zitternde Bewegung der Luft, die, von Körpern gewürkt, in den Organen[4] des Gehörs eine Veränderung hervorbringt. Die Töne[1] sind entweder articulirte, die von Menschen[1] hervorgebracht werden, um Andern ihre Gedanken mitzutheilen, (Gedankenzeichen) oder unarticulirte, die durch eine Würkung auf jede Art von Körper hervorgebracht werden, und keine bestimmte Gedankenzeichen sind. Die Tonkunst hat nur unarticulirte Töne[1] zum Hauptgegenstand und wesentlichem Bestandtheil. Da nun diese unarticulirten Töne[1] sowohl durch die menschliche Stimme als durch Würkungen auf Körper erweckt werden, letztere aber bey weitem nicht alle Gegenstände der Tonkunst sind: so müssen wir einen allgemeinen Maaßstab annehmen, nachdem wir alle Töne[1] prüfen, ob sie musikalische[1] sind oder nicht. Dieser Maaßstab ist nach vielen Erfahrungen und Beobachtun〈1186〉gen die menschliche Stimme, die uns auch sogar lehrt, welchen Grad der Anmuth jeder Ton[1] hat, wenn nicht lebhafte berichtigte Einbildungskraft[1] und das feine tiefblickende Gefühl des Meisters in dieser Sache unsre Führer wären. Doch hat sie uns auf jenen unbezweifelt wahren Satz geleitet: daß die Töne[1], welche die menschliche Stimme ungezwungen nachahmt, die schönsten[1]; die aber, welche in aller Beziehung weit außer ihrem Gebiete liegen, viel weniger schön[1] und angenehm sind, und jenen immer den Vorzug einräumen müssen.
[15] Laube, Jg. Eur. II.2 (1837), 17: Das Oeffnen der Jaulousie war diesen entgangen, aber die Stimme konnten sie nicht leicht überhören.
[16] Mereau, Amd. u. Ed. II (1803), 181: Ich selbst habe die Stimme[1] Gottes[1], öfters laut in meiner Seele vernommen, ein unwiderstehlicher, seeliger Drang, hat mich hinaufgezogen in den blauen, endlosen Aether, wo eine Stimme[18] mir zurief: „Hier bin ich! 〈182〉 hier ist Wahrheit!“
[17] Reichardt, Napoleon (1804), 25: Viele Mitglieder drangen mit heftigen Reden in das Militär, und forderten es im Namen der Freiheit[6] auf; ihren Anführern, die die Republik vernichten wollten, nicht zu gehorchen. Der General Murat ließ aber, bei jeder angehobenen Rede, die Trommel so mächtig schlagen, daß es keiner menschlichen Stimme möglich ward, durchzudringen. Endlich ließ er, des Widerstandes müde, die Versammlung durch ein künstliches[1] Manöuver rechts und links umzingeln, und mit aufgepflanzten Bajonetten aus allen Oeffnungen des Saals, allen Fenstern und Thüren hinaustreiben.
[18] Reichardt, Vertr. Brf. I (1804), 63: Sein Gesicht ist das Ideal vom Satyr der Alten[10] und seine Stimme, die in mächtigen Satyrkämpfen gewaltig gelitten haben mag, kaum menschlich, kaum verständlich.
[19] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 70: Reden ist eine Äußerung der Freiheit[10] des Menschen[1]; das Schreien ist tierisch, unwillkürlich; das Singen (ein Verweilen, Schweben[5] der Stimme) schwebt[5] in der Mitte, drückt freiwillige Abhängigkeit von den Empfindungen aus.
[20] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 90: Die Aufführung bei den Griechen war idealisch. Die Schauspieler mußten ihre Individualität soviel als möglich verschwinden lassen; die Personen waren gleichsam Statuen, die sich aber bewegen konnten; sie spielten daher in Masken, auch um den Schall der Stimme zu verstärken (daher Persona, von personare).
[21] Sulzer, Allg. Theor. I (1771), 9: Accent. [...] Die Modification der Stimme, wodurch in der Rede oder in dem Gesang einige Töne[1] sich vor andern ausnehmen, und wodurch also überhaupt Abwechslung und Mannigfaltigkeit in die Rede kommen. Wenn alle Sylben mit gleicher Stärke und Höhe der Stimme ausgesprochen würden, so wäre weder Annehmlichkeit noch Deutlichkeit in derselben; sogar die Bemerkung des Unterschieds der Wörter[1] würde wegfallen. Denn daß das Ohr[3] die Rede in Wörter[1] abtheilet, kommt blos von dem Accent her.
[22] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 142.
[23] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 389.
[24] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 628.
[25] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 997.
[26] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 1231.
[27] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 499.
[28] Adelung, Gramm.-krit. Wb. III (21798), 1731.
[29] Adelung, Gramm.-krit. Wb. IV (21801), 381.
[30] A. v. Arnim, Kronenwächt. II (*1812–17), RuE 1, 686.
[31] B. v. Arnim, Briefw. Kind I (1835), 13.
[32] B. v. Arnim, Günder. I (1840), 311.
[33] B. v. Arnim, Frühlingskr. (*1800–04; 1844), 80.
[34] B. v. Arnim, Frühlingskr. (*1800–04; 1844), 109 f. (110).
[35] A. F. Bernhardi, Sprachlehre I (1801), 16.
[36] S. Bernhardi, Höle (1800), 208.
[37] Brockhaus, Conv.-Lex. III (1809), 213.
[38] Brockhaus, Conv.-Lex. VIII (1811), 49.
[39] Hamann, Krzzg. d. Phlg. (1762), 55 f. (56).
[40] Hegel, Phän. d. Geist. (1807), 250.
[41] Heinse, H. v. Hohenth. I (1795), SW 5, 113.
[42] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. IX (1837), 317.
[43] Hirt, Baukunst (1809), 237.
[44] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (21793), 416.
[45] Kleist, Verl. St. Dom. (21811), 67.
[46] Krünitz [Korth], Oecon. Encycl. CLXXIV (1840), 220.
[47] A. Müller, Beredsamk. (!1812; 1816), 59.
[48] A. Müller, Beredsamk. (!1812; 1816), 71.
[49] Reichardt, Vertr. Brf. I (1804), 107.
[50] Reichardt, Vertr. Brf. I (1804), 436.
[51] Reichardt, Vertr. Brf. II (1804), 394.
[52] Schelling, Würzb. Syst. (!1804), SW I, 6, 449.
[53] Schiller, Anm. u. Würd. (1793), 174 f..
[54] Schiller, Anm. u. Würd. (1793), 188.
[55] Schiller, Anm. u. Würd. (1793), 204.
[56] A. W. Schlegel, Brf. Poes. I–II (1795), Hor. IV.11, 92.
[57] A. W. Schlegel, Brf. Poes. IV (1796), Hor. V.2, 59.
[58] A. W. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 116, Nr. 380.
[59] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 7.
[60] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 18.
[61] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 24.
[62] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. I (!1801–02), KAV 1, 269.
[63] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. I (1809), 97.
[64] Schoppe, Erinn. Leb. I (1838), 111.
[65] Uhland, Romant. (H1807), 142.
[66] Wackenroder, Herz. (1797 [1796]), 82.
[67] Wieland, Gold. Spiegel (1772 [hier: 1795]), 61.
[2] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 1933: Seine Stimme erschallete durch das ganze Haus.
[3] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 2082: Loben [...] bedeutete [...] schreyen, eine laute Stimme von sich geben; in welcher Bedeutung es [...] längst veraltet ist [...].
[4] Adelung, Gramm.-krit. Wb. IV (21801), 229: Das Sprāchrohr, [...] ein kegelformiges Rohr, die Sprache[6], d. i. Stimme eines Sprechenden damit zu verstärken [...].
[5] Ahlefeld, Marie Müller (21814 [11799]), 250: Der Graf kam an. Josephine empfing ihn mit ernster Würde. Ich habe Sie beleidigt, theure Josephine! sagte er, aber die unglückliche Ursach, die uns trennte, ist nicht mehr. Sie starb, indem sie mir vergab! Wollen Sie dem Beyspiel ihrer Versöhnung folgen? – – Er reichte ihr hier Mariens Brief[1] und schwieg[1]. – Josephine nahm ihn kalt und gleichgültig, aber sein Inhalt machte ihr Herz weich, und sanft wurde ihr stolzes Auge von Thränen überzogen, die sie der Unglücklichen nicht verweigern konnte. Rasch wandte sie sich zu ihrem Gemahl, mit festem Entschluß und festem Blicke, obgleich einer gerührten Stimme. Dieser Brief[1], sagte sie, indem sie ihn zurück gab, sey unser Scheidebrief. 〈251〉 Ich verlange nichts von Ihnen zur Entschädigung meines Kummers, als den Besitz meines Kindes, und die Sorge für seine Erziehung, damit sein Herz rein bleibt von der Falschheit seines Vaters.
[6] Arndt, Lpzg. Schlacht (1814), 10: Gesang und Klang, Kanonen und Raketen, und frohlockende Stimmen der Menschen[1] mögen, wie es jedem gemüthlich und paßlich ist, den festlichen Vorabend verherrlichen, und der Ferne verkündigen; aber das Größte bleibe bei dem Feuer und Lichte.
[7] G. Forster, Reise u. d. Welt I (1778), 112: Zur Linken dieser herrlichen Scene stiegen schroffe braune Felsen empor, deren Gipfel mit überhängendem Buschwerk und Bäumen gekrönt waren. Zur Rechten lag ein Haufen großer Steine, den, allem Anschein nach, die Gewalt des vom Berge herabströmenden Wassers zusammengethürmt hatte; über diesem hinaus erhob sich eine abhängige Felsen-Schicht zu einer Höhe von etwa 150 Fus, und auf diese war eine 75 Fuß hohe, senkrechte Felsenwand mit Grün- und Buschwerk überwachsen, aufgesetzt. Weiter zur Rechten sahe man Gruppen von gebrochenen Felsen, durch Moos, Farnkraut, Gras und allerhand Blumen verschiedentlich schattirt, den dort herkommenden Strohm aber zu beyden Seiten mit Bäumen eingefaßt, die, vermöge ihrer Höhe von ohngefähr 40 Fus, das Wasser gegen die Strahlen der Sonne decken. Das Getöse des Wasserfalls war so heftig, und schallte von den benachbarten, wiedertönenden Felsen so stark zurück, daß man keinen andern Laut dafür unterscheiden konnte. Die Vögel schienen sich deshalb auch etwas davon entfernt zu halten, weiter hin aber ließ sich die durchdringend helle Kehle der Drosseln [...], die tiefere Stimme des Barth-Vogels [...] und der bezaubernde Gesang verschiedner Baumläufer oder Baumklettrer [...] an allen Seiten hören, und machte die Schönheit[1] dieser wilden[2], romantischen[3] Gegend vollkommen.
[8] Goethe, W. Meister I (1795), 205 f. (206): So haben die Dichter[1] in Zeiten[3] gelebt, wo das Ehrwürdige mehr erkannt ward, rief Wilhelm aus, und so sollten sie immer leben. Genugsam in ihrem Innersten ausgestattet bedurften sie wenig von aussen; die Gabe, schöne[1] Empfindungen, herrliche Bilder den Menschen[1] in süßen, sich an jeden Gegenstand anschmiegenden Worten[2] und Melodien mit〈206〉zutheilen, bezauberte von jeher die Welt, und war für den Begabten ein reichliches Erbtheil. An der Könige Höfen, an den Tischen der Reichen, vor den Thüren der Verliebten horchte man auf sie, indem sich das Ohr[3] und die Seele für alles andere verschloß, wie man sich selig preist und entzückt stille[9] steht, wenn aus den Gebüschen, durch die man wandelt, die Stimme der Nachtigall gewaltig rührend hervordringt!
[9] Hamann, Krzzg. d. Phlg. (1762), 11: Die Stimme der Thiere[1] komt uns für ihren gemeinschaftlichen Wechsel [›ihre Kommunikation‹] eingeschränkter vor, als sie seyn mag, weil unsere Sinnen[6] unendlich stumpfer sind.
[10] Hamann, Krzzg. d. Phlg. (1762), 59 f. (60): Es scheint hier unter andern auf eine alte[1] Legende gezielt zu seyn, nach welcher erzählt 〈60〉 wird, daß ein Monarch die erste, älteste[1] und daher auch natürlichste[2] Sprache[3] herausgebracht haben soll. Die Stimme Beccos, welche jene menschliche Geschöpfe von sich gaben, bedeutete in der phrygischen Sprache[3] Brodt; man ertheilte ihr daher den Adel[3] der Erstgeburt. [⦿]
[11] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 159: Die Bewegung [...] ist nicht die einzige Aeußerung der Lebendigkeit. Das freie[5] Tönen der thierischen Stimme, welches den unorganischen Körpern fehlt, indem sie nur durch fremden[3] Anstoß rauschen und klingen, ist schon ein höherer Ausdruck der beseelten Subjektivität. ➢ Volltext
[12] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. III (1835), 240: Dünen heißen die Sandhügel am Meeresufer, die durch den Schlag der Wellen angehäuft werden. Sie ermangeln jeder Vegetation und gewähren einen düstern einförmigen Anblick. Nur die Möve flattert über sie einher und läßt ihre monotone Stimme ertönen.
[13] Hoffmann, Elix. d. Teuf. I (1815), PW 2, 37: Ich [...] hörte meine Stimme durch das Gewölbe donnern [...].
[14] Kellner, Töne (1787), 1185 f.: Ein Ton[1] ist die zitternde Bewegung der Luft, die, von Körpern gewürkt, in den Organen[4] des Gehörs eine Veränderung hervorbringt. Die Töne[1] sind entweder articulirte, die von Menschen[1] hervorgebracht werden, um Andern ihre Gedanken mitzutheilen, (Gedankenzeichen) oder unarticulirte, die durch eine Würkung auf jede Art von Körper hervorgebracht werden, und keine bestimmte Gedankenzeichen sind. Die Tonkunst hat nur unarticulirte Töne[1] zum Hauptgegenstand und wesentlichem Bestandtheil. Da nun diese unarticulirten Töne[1] sowohl durch die menschliche Stimme als durch Würkungen auf Körper erweckt werden, letztere aber bey weitem nicht alle Gegenstände der Tonkunst sind: so müssen wir einen allgemeinen Maaßstab annehmen, nachdem wir alle Töne[1] prüfen, ob sie musikalische[1] sind oder nicht. Dieser Maaßstab ist nach vielen Erfahrungen und Beobachtun〈1186〉gen die menschliche Stimme, die uns auch sogar lehrt, welchen Grad der Anmuth jeder Ton[1] hat, wenn nicht lebhafte berichtigte Einbildungskraft[1] und das feine tiefblickende Gefühl des Meisters in dieser Sache unsre Führer wären. Doch hat sie uns auf jenen unbezweifelt wahren Satz geleitet: daß die Töne[1], welche die menschliche Stimme ungezwungen nachahmt, die schönsten[1]; die aber, welche in aller Beziehung weit außer ihrem Gebiete liegen, viel weniger schön[1] und angenehm sind, und jenen immer den Vorzug einräumen müssen.
[15] Laube, Jg. Eur. II.2 (1837), 17: Das Oeffnen der Jaulousie war diesen entgangen, aber die Stimme konnten sie nicht leicht überhören.
[16] Mereau, Amd. u. Ed. II (1803), 181: Ich selbst habe die Stimme[1] Gottes[1], öfters laut in meiner Seele vernommen, ein unwiderstehlicher, seeliger Drang, hat mich hinaufgezogen in den blauen, endlosen Aether, wo eine Stimme[18] mir zurief: „Hier bin ich! 〈182〉 hier ist Wahrheit!“
[17] Reichardt, Napoleon (1804), 25: Viele Mitglieder drangen mit heftigen Reden in das Militär, und forderten es im Namen der Freiheit[6] auf; ihren Anführern, die die Republik vernichten wollten, nicht zu gehorchen. Der General Murat ließ aber, bei jeder angehobenen Rede, die Trommel so mächtig schlagen, daß es keiner menschlichen Stimme möglich ward, durchzudringen. Endlich ließ er, des Widerstandes müde, die Versammlung durch ein künstliches[1] Manöuver rechts und links umzingeln, und mit aufgepflanzten Bajonetten aus allen Oeffnungen des Saals, allen Fenstern und Thüren hinaustreiben.
[18] Reichardt, Vertr. Brf. I (1804), 63: Sein Gesicht ist das Ideal vom Satyr der Alten[10] und seine Stimme, die in mächtigen Satyrkämpfen gewaltig gelitten haben mag, kaum menschlich, kaum verständlich.
[19] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 70: Reden ist eine Äußerung der Freiheit[10] des Menschen[1]; das Schreien ist tierisch, unwillkürlich; das Singen (ein Verweilen, Schweben[5] der Stimme) schwebt[5] in der Mitte, drückt freiwillige Abhängigkeit von den Empfindungen aus.
[20] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 90: Die Aufführung bei den Griechen war idealisch. Die Schauspieler mußten ihre Individualität soviel als möglich verschwinden lassen; die Personen waren gleichsam Statuen, die sich aber bewegen konnten; sie spielten daher in Masken, auch um den Schall der Stimme zu verstärken (daher Persona, von personare).
[21] Sulzer, Allg. Theor. I (1771), 9: Accent. [...] Die Modification der Stimme, wodurch in der Rede oder in dem Gesang einige Töne[1] sich vor andern ausnehmen, und wodurch also überhaupt Abwechslung und Mannigfaltigkeit in die Rede kommen. Wenn alle Sylben mit gleicher Stärke und Höhe der Stimme ausgesprochen würden, so wäre weder Annehmlichkeit noch Deutlichkeit in derselben; sogar die Bemerkung des Unterschieds der Wörter[1] würde wegfallen. Denn daß das Ohr[3] die Rede in Wörter[1] abtheilet, kommt blos von dem Accent her.
[22] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 142.
[23] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 389.
[24] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 628.
[25] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 997.
[26] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 1231.
[27] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 499.
[28] Adelung, Gramm.-krit. Wb. III (21798), 1731.
[29] Adelung, Gramm.-krit. Wb. IV (21801), 381.
[30] A. v. Arnim, Kronenwächt. II (*1812–17), RuE 1, 686.
[31] B. v. Arnim, Briefw. Kind I (1835), 13.
[32] B. v. Arnim, Günder. I (1840), 311.
[33] B. v. Arnim, Frühlingskr. (*1800–04; 1844), 80.
[34] B. v. Arnim, Frühlingskr. (*1800–04; 1844), 109 f. (110).
[35] A. F. Bernhardi, Sprachlehre I (1801), 16.
[36] S. Bernhardi, Höle (1800), 208.
[37] Brockhaus, Conv.-Lex. III (1809), 213.
[38] Brockhaus, Conv.-Lex. VIII (1811), 49.
[39] Hamann, Krzzg. d. Phlg. (1762), 55 f. (56).
[40] Hegel, Phän. d. Geist. (1807), 250.
[41] Heinse, H. v. Hohenth. I (1795), SW 5, 113.
[42] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. IX (1837), 317.
[43] Hirt, Baukunst (1809), 237.
[44] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (21793), 416.
[45] Kleist, Verl. St. Dom. (21811), 67.
[46] Krünitz [Korth], Oecon. Encycl. CLXXIV (1840), 220.
[47] A. Müller, Beredsamk. (!1812; 1816), 59.
[48] A. Müller, Beredsamk. (!1812; 1816), 71.
[49] Reichardt, Vertr. Brf. I (1804), 107.
[50] Reichardt, Vertr. Brf. I (1804), 436.
[51] Reichardt, Vertr. Brf. II (1804), 394.
[52] Schelling, Würzb. Syst. (!1804), SW I, 6, 449.
[53] Schiller, Anm. u. Würd. (1793), 174 f..
[54] Schiller, Anm. u. Würd. (1793), 188.
[55] Schiller, Anm. u. Würd. (1793), 204.
[56] A. W. Schlegel, Brf. Poes. I–II (1795), Hor. IV.11, 92.
[57] A. W. Schlegel, Brf. Poes. IV (1796), Hor. V.2, 59.
[58] A. W. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 116, Nr. 380.
[59] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 7.
[60] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 18.
[61] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 24.
[62] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. I (!1801–02), KAV 1, 269.
[63] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. I (1809), 97.
[64] Schoppe, Erinn. Leb. I (1838), 111.
[65] Uhland, Romant. (H1807), 142.
[66] Wackenroder, Herz. (1797 [1796]), 82.
[67] Wieland, Gold. Spiegel (1772 [hier: 1795]), 61.
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