Struktur
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3.
›Redebeitrag, Äußerung in einem Gespräch, Briefwechsel oder öffentlichen Diskurs; Meinungsäußerung, Stellungnahme, Urteil, Interessensbekundung; Aufforderung‹ einer Person oder Personengruppe, hyposem
⦿ zu
1.
—
Bdv.
:
♦
sinngleich/-entsprechend:
Meinung ›Meinungsäußerung‹ [
14,
24]. ♦
in anderer Sprache entsprechend:
frz. voix [
37,
38]. ♦
kontrastiert:
Handlung1 [
26]. ♦
kategorial untergeordnet:
Widerspruch [
44],
öffentlicher Tadel [
28]. —
Ktx.
:
♦
Eigenschaft:
Gewicht haben [
36],
Leidenschaft [
45],
allgemein [
6],
drohend [
42],
lobend [
11],
schwach [
41],
tadelnd [
11]. ♦
handelnd/vollziehend:
unnützes Volk9 [
39]. ♦
(sonstiges) Handeln/Tun einer handelnden/vollziehenden Größe:
mitsprechen [
39],
widersprechen [
39]. ♦
durch Vollzug vollzogen:
sich gegen jn. erklären [
35]. ♦
Widerfahrnis:
an jn. ergehen ›an jn. gerichtet werden‹ [
42],
erstickt werden [
28],
gehorcht werden auf [
46],
j. sich anmaßen [
1],
sich erheben ›geäußert werden‹ [
20,
25,
30],
vernommen werden [
17],
zu etw. gegeben werden [
2],
über etw. gegeben werden [
19]. ♦
hervorbringend:
Kritik7 [
24],
Volk1 [
21]. —
Synt.
:
♦
okkas.:
seinen Gedanken die laute St. geben ›seine Gedanken äußern‹ [
9]. ♦
Phras.:
die / seine St. erheben ›sich zu Wort melden, einen Gesprächs- oder Diskursbeitrag liefern‹ [
8,
10,
23,
33,
37],
js. St. führen ›js. Interessen vertreten‹ [
12].
[1]
Fichte, Handelsstaat (1800), SW 3, 392
: Ob die gegenwärtige Schrift die [...] Erfordernisse einer gründlichen Behandlung der Politik an sich habe, darüber maasst der Verfasser derselben sich keine Stimme an.
[2]
Goethe, an S. Boisserée (23. 4. 1821), WA IV, 34, 205
: Verzeihen Sie! aber die Sache ist von großer einziger Wichtigkeit, und [...] so seh ich mich an als einen Theilnehmer, der seine Stimme gar wohl zu einer solchen Angelegenheit geben darf.
[3]
Kant, Crit. d. Urtheilskr. (
21793), 140
: Wenn jemand ein Gebäude, eine Aussicht, ein Gedicht nicht schön[1] findet, so läßt er sich [...] den Beyfall nicht durch hundert Stimmen, die es alle hoch preisen, innerlich aufdringen. ➢ Volltext
[4]
J. G. Lang, Reise II (1790), 236
: Adelheit war die erste Aebtissin dieses Klosters. Sie soll [...] die Gabe gehabt haben, durch Maulschellen ihren Nonnen helle Stimmen[14] zu verschaffen. Eine Kur, die in unseren jezzigen hellen Zeiten[3] sich gewiss wenig Stimmen[3] zuziehen würde; denn – wer ist gern gemaulschellet?
[5]
Maimon, Lebensgesch. II (1793), 185
: Bei ewigen Wahrheiten kommt es auf Mehrheit der Stimmen nicht an.
[6]
C. Michaelis, an L. Gotter (12. 1. 1781), C 1, 38
: Friedericke Böhmer ist zu sehr meine Freundinn, überdem ist der Contrast was Schönheit[1] betrift zu groß, als daß sie ihr gut seyn könte, denn das Therese häßlich[1] ist, das ist die allgemeine Stimme.
[7]
A. Müller, Beredsamk. (
!1812; 1816), 27
: Wenn ich unter allen Genüssen und Ergötzlichkeiten des Lebens dem Gespräch die unbedingt erste Stelle einräume, so habe ich gewiß alle Stimmen in dieser hochgeachteten Versammlung für mich.
[8]
A. Müller, Beredsamk. (
!1812; 1816), 47
: Wie könnte ich gezeigt haben, daß das Gespräch die Quelle der Beredsamkeit überhaupt sei, ohne jenes großen Deutschen zu gedenken, mit dem die deutsche Beredsamkeit erwacht, der mit der Flamme des Gesprächs alles ergriff, was dem deutschen Herzen nahe geht und was, da er seine Stimme erhob, in unnatürlicher Verzauberung oder Versteinerung dalag, G. E. Lessing. Er ward gehört, er drang tiefer in das Ohr[3] und in die Seele seiner Nation[1] als irgendein Zeitgenosse; er zwang durch ein echtes Talent der Rede die Nation[1] zur Antwort [...].
[9]
Reichardt, Vertr. Brf. I (1804), 63
: Canova, der vortrefliche römische Bildhauer, [...] von edlem[3] lieblichen Gesicht, [...] arbeitet hier an der Statue des ersten Consuls. Ich konnte mich nicht enthalten, ihm zu sagen: der Consul sollte von dem Künstler[3] billig dessen eigne Statue verlangen; seine liebe kindliche Bescheidenheit ward dadurch aber so in Verlegenheit gesezt, daß es mir fast leid ward, meinen Gedanken die laute Stimme gegeben zu haben.
[10]
A. W. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 87, Nr. 310
: Daß im Körper des Laokoon der gewaltsamste Zustand des Leidens und der Anstrengung ausgedrückt sey, hat Winkelmann sehr bestimmt anerkannt; nur im Gesichte, behauptet er, erscheine die nicht erliegende Heldenseele. Jetzt erfahren wir, daß Laokoon nicht schreyt, weil er nicht mehr schreyen kann. Nämlich von wegen des Schlagflusses. [⦿] Freylich kann er nicht schreyen, sonst würde er gegen eine so entstellende Beschreibung und Verkennung seiner heroischen Größe die Stimme erheben. ➢ Volltext
[11]
R. Schumann, Dichtbüchl. (*1833/34), 34
: Eine tadelnde Stimme hat die Stärke des Klanges von mehr als zehn lobenden.
[12]
K. A. Varnhagen von Ense, Denkw. IV (1840), 24 f. (25)
: Einsamer [...] lebte Doktor Troxler aus Luzern hier am Kongreßort [...], für die Angelegenheiten der Schweiz thätig bemüht, und keine Arbeit scheuend, über diese verworrenen Verhältnisse die Diplomaten aufzuklären, in deren Händen die Entscheidung dieser Sachen lag. [...] Lange hatte er für seine Beschwerden und Vorschläge gar kein Gehör zu finden gewußt; ich eröffnete ihm den Zutritt bei Hum〈25〉boldt, und sowohl dieser, als der Graf Kapodistrias, jener Preußens und dieser Rußlands Stimme in dem für die Schweizersachen niedergesetzten Ausschuß führend, haben mir eingestanden, jene Sachen würden eine ganz andere Wendung genommen haben, wenn die Angaben Troxler's früher bekannt gewesen wären.
[13]
Adelung, Gesch. Cultur (1782), 12
: Man hat mehr als ein Mahl sehr ernsthaft gestritten, ob die Sprache[1] von dem Menschen[1] erfunden worden, oder ob sie ihren Ursprung von Gott[1] habe, und die meisten Stimmen sind bisher immer noch für das letzte gewesen; die meisten, aber darum freylich nicht die wichtigsten..
[14]
Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (
21793), 1287
: In Ansehung des Gebrauches, hat dieser Buchstab[1] [sc. c] allerley widrige Schicksale gehabt, und noch jetzt sind die Stimmen über denselben sehr getheilet. Ich bin bey dieser Verschiedenheit der Meinungen in dem gegenwärtigen Wörterbuche folgenden Regeln gefolget, wobey ich die Mittelstraße zwischen einer sclavischen Anhänglichkeit an die vorigen Jahrhunderte und der uneingeschränkten Neuerungsliebe der heutigen zu treffen gesucht habe. | Die Wörter[1], in welchen das c vorkommt, sind entweder einheimische oder fremde[1] Wörter[1]..
[15]
C. Böhmer, an F. L. W. Meyer (27. 10. 1792), C 1, 275
: Der Mittelstand wünscht freilich das Joch abzuschütteln – dem Bürger ist nicht wohl, wenn ers nicht auf dem Nacken fühlt. Wie weit hat er noch bis zu dem Grad von Kentniß und Selbstgefühl des geringsten sansculotte draußen im Lager. Der Erwerb 〈276〉 stockt eine Weile, und das ist ihm alles – er regrettirt die sogenannten Herrschaften, so viel darunter sind, die in Concurs stehn und die Handwerker unbezahlt ließen. Aber nur eine Stimme ist über den Priester [sc. Friedrich Karl Joseph von Erthal, Erzbischof von Mainz] – er sieht gewiß sein schönes[1] Mainz nicht wieder, wenn es auch, wies wahrlich sehr zweifelhaft ist, seine Thore dem Nachfolger öffnete..
[16]
S. Boisserée, an Goethe (24. 9. 1817), MB 2, 191
: [N]un können wir schon in nächster Zeit[7] die Gesinnungen der königlichen Herrschaften vernehmen. Sind diese für uns, so geht alles rasch, denn bei dem Ministerium und den Männern, die das Geschäft zu besorgen haben, ist nur eine Stimme..
[17]
S. Boisserée, an M. Boisserée (13. 10. 1820), MB 1, 380 f. (381)
: Der Anblick meines Werks erregt nun die Hoffnung, daß französische Kupferstecher einen glücklichen Wetteifer mit den englischen bestehen, ja sie vielleicht übertreffen würden. Diese Gedanken beleben auch die Kupferstecher, die ich gewählt habe. Ueber die Wahl der Künstler[3] vernehme ich 〈381〉 von allen Seiten nur eine Stimme; Sellier wird hier überall für den ersten angesehen und diejenigen, welche er mir noch vorgeschlagen, sind nach ihm die besten..
[18]
S. Boisserée, an Goethe (26. 4. 1825), MB 2, 383
: Daß [...] die hiesigen Stimmen sich [...] nicht so vortheilhaft ausgenommen, als wir gewünscht hätten, beruht [...] auf einem [...] Mißverständniß, welches aber gewiß weiter keinen Einfluß haben wird..
[19]
Börne, Jahrb. wiss. Krit. (1827), SS 1, 627
: In Deutschland schreibt jeder, der die Hand zu nichts anderem gebraucht, und wer nicht schreiben kann, rezensiert. Nichts ist verzeihlicher als das, es ist jeder berechtigt, über alles, was alle angeht, seine Stimme[3] zu geben. Nur fehlt es an einer öffentlichen Meinung, an einer Urne, worin alle Stimmen[3/4] zu sammeln wären, daß man sie zählen könne. Diese herbeizuschaffen, die Stimmen[3/4] für das Rechte zu gewinnen und die Abstimmung zu leiten, dazu sollte sich eine Gesellschaft bilden, nicht aber zu dem bloßen Zwecke, die Stimmen[3] zu vermehren..
[20]
Brockhaus, Conv.-Lex. II (1809), 250 f. (251)
: Das Herzogthum Savoyen und die Grafschaft Nizza in Piemont sind Frankreich einverleibt und demselben von Sardinien völlig abgetreten worden [...]; fast ganz Italien hat mit Frankreich gestritten und Friede geschlossen [...]; fast ganz Italien hat den Einfluß des Kriegs empfunden und – wird ihn zum Theil noch fühlen. [...] Nicht minder merkwürdig ist die Abführung der herrlichsten Gemählde und Statuen nach Frankreich, welche nun wirklich, trotz der Stimmen, welche sich selbst in Frankreich dagegen erhoben, von Statten geht..
[21]
Brockhaus, Conv.-Lex. II (1809), 281
: Der Mangel an baarem Gelde, und die Bedürfnisse großer Summen zu Heereszügen, glänzenden Festen und andern Ausgaben nöthigten die Fürsten und Herren[1] im Mittelalter, zu den Juden[1] ihre Zuflucht zu nehmen, und sich von diesen beträchtliche Vorschüsse gegen Versprechung von sehr hohen und oft ganz übermäßigen Zinsen machen zu lassen. Waren sie nachher, wie das sehr oft geschah, nicht im Stande, das Vorgeschossene wieder zu erstatten, oder erklärte sich die Stimme der Völker[1] laut gegen die Räubereien und den Wucher der Juden[1]; so wußte man sich nicht besser zu helfen, als daß man eine allgemeine Verfolgung gegen sie erhob, sie aus dem Lande vertrieb, und erst dann wieder zurück rief, wenn neue Geldbedürfnisse ihre Gegenwart nothwendig machten..
[22]
Brockhaus, Conv.-Lex. II (1809), 383
: Ninon von Lenclos. Dieses berühmte und in der That originelle Frauenzimmer, über welches die Stimmen der größten Männer ihrer Nation[1] getheilt sind, indem Voltaire sie vertheidigt, während Rousseau sie lästert, wurde im J. 1615 zu Paris geboren, und starb 1705..
[23]
Brockhaus, Conv.-Lex. IV (1809), 45
: Das System dieses Tonkünstlers [sc. J. Ph. Rameau] blieb indessen nicht ohne Widerspruch; und oft erhob die Kritik[8], die auch zuweilen seine Compositionen minder günstig beurtheilte, ihre Stimme gegen seine Theorien..
[24]
Brockhaus, Conv.-Lex. VIII (1811), 58
: Friedrich [der Große] widmete ihm [sc. La Mettrie] eine Lobschrift, in der er ihn einen aufgeklärten Philosophen, einen gelehrten Arzt und einen rechtschaffenen Mann nannte. Allein ganz entgegen gesetzt fiel über ihn die öffentliche Meinung und die Stimme der Kritik[7] über seine Schriften aus [...]..
[25]
Brockhaus, Bild.-Conv.-Lex. I (1837), 22
: Adel[1/2] ist diejenige Standeseigenschaft einer Person, vermöge deren ihr besondere, durch Gesetz, Herkommen oder Landesverfassung bestimmte Vorrechte vor andern Staatsbürgern blos persönlich oder als erbliche Geschlechtsvorzüge zugestanden werden; auch bezeichnet man mit diesem Worte[1] alle Die, welche sich im Besitze jener Standeseigenschaft befinden. Wird Jemandem der Adel[1] als Belohnung seiner Verdienste ertheilt, so heißt er persönlicher oder Verdienstadel; gründet sich die Erwerbung auf die Geburt in einer durch adelige Ältern gesetzmäßig eingegangenen Ehe[1] (denn durch Annahme an Kindesstatt oder Anerkennung durch nachfolgende Ehe[1] wird er nicht schlechterdings und durch Ehelichmachung mittels Rescripts des Fürsten gar nicht erlangt), so nennt man ihn Geburts- oder Erbadel. Gegen diesen letztern und seine in Anspruch genommenen Vorrechte haben sich namentlich zur Zeit[3] der franz. Revolution in Frankreich und später auch in Deutschland viele Stimmen erhoben; dort ward der Erbadel 1789 ganz abgeschafft und hier seine Vorrechte sehr beschränkt, wodurch die Gleichheit mit den übrigen Ständen, und namentlich die Zuziehung des Adels[2] zu den öffentlichen Lasten sehr gefödert wurde..
[26]
Fichte, Best. d. Gelehrt. (1794), 84
: Von dem Fortgange der Wissenschaften[3] hängt unmittelbar der ganze Fortgang des Menschengeschlechtes ab. Wer jenen aufhält, hält diesen auf. – Und wer diesen aufhält, – welchen Charakter[3] stellt derselbe öffentlich vor sein Zeitalter und vor die Nachwelt hin? Lauter, als durch tausend Stimmen, durch Handlungen[1], ruft er der Welt und der Nachwelt in die betäubten Ohren[2; 3]: die Menschen[1] um mich herum sollen, wenigstens so lange ich lebe, nicht weiser und besser werden; denn in ihrem gewaltsamen Fortgange würde auch ich, troz alles Widerstrebens, wenigstens in etwas mit fortgerissen werden; und dies verabscheue ich; ich will nicht erleuchteter, 〈85〉 ich will nicht edler[2] werden: Finsterniß und Verkehrtheit ist mein Element, und ich werde meine lezten Kräfte aufbieten, um mich nicht aus demselben verrücken zu lassen..
[27]
Fichte, F. Nicolai (1801), 1
: Ich habe zu Friedrich Nicolai’s zahllosen Schmähungen und Verdrehungen meiner Schriften stillgeschwiegen, [...] indem ich in demjenigen Theile des Publikum[3], wenn es einen solchen noch giebt, in welchem Nicolai über litterarische Angelegenheiten eine Stimme[5/[3]] hat, keine zu haben begehre..
[28]
G. Forster, Gesch. d. Litt. (1791), 225
: Hell und unwiderlegbar leuchtet [...] die große Wahrheit hervor, daß nur da, wo die Greuel der willkürlichen Gewalt allen Menschen- und Bürgerrechten Trotz bieten und die Stimme des öffentlichen Tadels ersticken wollen, der Bürger ipso facto sich von allen Verbindlichkeiten gegen Usurpation und Tyranney für entbunden, und zu jeder Maßregel, 〈226〉 die ihn zur Wiedererlangung seiner unveräußerlichen Rechte führen kann, für aufgefordert und berechtigt halten muß. Daher ist es auch noch keinem Engländer eingefallen, die unzähligen Schriften, welche neulich über die sogenannte Test Act [...] für aufrührerisch und constitutionswidrig zu halten; denn eben diese Freyheit[6], die jedes Mitglied des Staats authorisirt, alles was geschieht, seiner Beurtheilung zu unterwerfen, und diese wieder dem Urtheil aller seiner Landsleute öffentlich darzulegen, bürgt [...] für die Sicherheit, und heiligt die Authorität der gesetzgebenden Macht. Nicht alles Schreyen, nicht alle Argumente der Dissenters, und daß ichs kurz fasse, nicht ihre gerechte Sache selbst, hat das Parlament bewegen können, die Test-Act, dieses Gesetz, vermöge dessen jedes Parlamentsglied und jeder Kronbeamte schwören muß, sich zur Anglicanischen Kirche zu bekennen, der Vernunft[8] und Menschheit[6] zu Ehren aufzuheben..
[29]
G. Forster, Erinn. (1793 [1792]), 183
: [Über Graf Mirabeau († 2. 4. 1791):] Ganz Frankreich betrauerte seinen unersetzlichen Verlust; sechs und zwanzig Millionen Menschen[1] hatten über seine transscendentale[3] Größe nur Eine Stimme; vom Könige bis zum Bettler fühlte jeder den erschütternden Schlag, der ihm Frankreichs Palinurus [⦿] in die〈184〉sem Sturm entriß..
[30]
Heigelin, Baukunst II (1830), 43
: Der allereinfachste Fall ist [...], dass Länge, Breite und Höhe gleich sind. Allgemein anerkannt ist die grosartige Wirkung dieses Verhältnisses [...] bei dem Inneren des römischen Pantheons. [...] Man sollte es kaum glauben, dass die von dem Mittelalter ererbte Sucht nach Übertreibung der Höhe nicht durch ein solches, jeden unbefangenen Laien entzükendes Beispiel gänzlich niedergeschlagen wird, und dass sich in neuester Zeit im filosofischen Deutschland sogar eine Stimme erhoben hat, die das Pantheon nicht hoch genug, nicht „der Regel gemäs“ findet!.
[31]
Herder, Bef. d. Hum. I (1793), 70 ff. (72)
: Unter Waffen und im höchsten Alter hielt er [sc. Friedrich der Große] die Wissenschaften [...] für [...] dem Staat und der menschlichen Gesellschaft unentbehrlich; ohne sie, meinte er, würden und blieben Fürsten, Stände und Völker Barbaren; Wissenschaften allein haben die Welt erleuchtet, und einige auserwählte Seelen des Menschengeschlechts veredelt. [...] 〈72〉 Fast immer tönet diese Stimme um mein Ohr[3], wenn ich Friedrichs Schriften lese. Man wandelt in ihnen wie auf klaßischem[3] Boden; ein Gefühl für die Würde, den Werth, die Schönheit[1] der Wissenschaften ist in seine kleinsten und größesten Aufsätze verbreitet..
[32]
A. v. Humboldt, Versuch. Muskel. II (1797), 18
: Ich fordere einen Baldinger auf, einen Görcke und andere edele[7] Männer, [...] deren Stimme mit Recht so viel bei dem Publikum[5] gilt, diese Ideen ihrer Aufmerksamkeit zu würdigen!.
[33]
K. W. Kolbe, Wortmeng. (1809), 56 f. (57)
: Ich seze noch ein andres her aus dem Werke eines bedeutenden Schriftstellers [sc. F. Schlegel, Stud. Grch. Poes. (*1795; 1797), 66 f.]: Die Herschaft des Interessanten ist durchaus nur eine vorübergehende Crise des Geschmaks; denn sie mus sich endlich selbst vernichten. Doch sind die zwei Catastrofen, unter denen sie zu wählen hat, von sehr verschiedener Art. Geht die Richtung mehr auf ästhetische Energie, so wird der Geschmak, der alten Reize je mehr und mehr gewohnt, nur immer heftigere und schärfere begehren. Er wird schnel genug zum Piquanten und Frappanten übergehn. Das Piquante ist, was eine stumpf gewordene Empfindung 〈57〉 krampfhaft reizt; das Frappante ist ein ähnlicher Stachel für die Einbildungskraft. Dies sind die Vorboten des nahen Todes. Das Fade ist die dünne Nahrung des Ohnmächtigen, und das Choquante, sei es abenteuerlich oder gräslich, die lezte Convulsion des sterbenden Geschmaks. Das Choquante hat drei Unterarten: was die Einbildungskraft revoltirt, das Abenteuerliche; etc. – Hier möchte man wol fragen: in welcher Sprache[3] schreibt eigentlich der Verfasser? Denn deutsch kan das nicht heißen; auch nicht französisch. Es ist ein aus beiden Reden roh zusammengestoppeltes Drittes, ohne Charakter[3] und Würde, ein misförmiges Kauderwelsch, das seinen Inhalt hinschüttet, wie er eben fallen wil. Wie? und es wäre nicht Zeit[8] gegen einen solchen immer mehr um sich greifenden Unfug die Stimme mit Nachdruk zu erheben?.
[34]
Novalis, an Chr. F. Brachmann (21. 2. 1796), NS 4, 167
: Die Entschuldigungen wollen wir ein für allemal weglassen: Unsre Freundschaft ist zu männlich, um noch einer solchen Galanterie zu bedürfen. Wir schreiben, wenn wir können und mögen. Briefe[1] sind in unsern Lagen nur ein Nothbehelf. An und für sich selbst interressant[1] können sie nur als Bindungspartikeln in einem zweckvollen Ganzen seyn – und ein solches auszuarbeiten und zu realisiren, dazu gehört – wircksame Sfäre. Bis dahin sind Briefe[1] – todte Buchstaben[1] – Aufschriften. Was ist selbst Freundschaft, ohne verbundene Thätigkeit zu einem Ganzen? Baumaterialien, ohne Bestimmung und Mörtel. Harmonische Wircksamkeit ist Karacter[1] des Lebens. Jezt ist das Leben unsrer Freundschaft nur – Stimme – Echo. Aber ich hoffe, es soll mehr werden..
[35]
Reichardt, Angeb. (1795), 30
: Je lauter sich [...] die Stimme des Volkes[5] gegen die Diener des Fürsten und gegen ihre Helfershelfer erklärt, und je absichtlicher und unverkennbarer das Volk[5] diese vom Fürsten unterscheidet, nur diesen ihren Haß, dem Fürsten noch immer seine Liebe[2] bezeigen möchte, je dringender wird das Bedürfniß dieser Leute, den Fürsten vom Volke[5] nach Möglichkeit zu entfernen und ihn mit immer undurchdringlichern Barrieren zu umgeben..
[36]
Reichardt, Napoleon (1804), 78
: Wenn es dem Oberhaupte eines Staats einmal gelungen ist, alle diejenigen in sein Interesse[3] zu ziehen, deren Stimme am mei〈79〉sten Gewicht bei allen Classen[2] von Bürgern hat, so kann es mit Sicherheit auf den Beistand der öffentlichen Meinung rechnen [...]..
[37]
Reichardt, Vertr. Brf. II (1804), 152 ff. (155)
: [Zitat Jean-François de La Harpe:] Je crois bien que dans une partie de l'assemblée nationale, ceux qui dètestent dans Voltaire le prémier moteur d'une révolution, qu'ils détestent encore plus, élèveront leur voix contre lui; mais ce n'est qu'une raison de plus pour que les bons patriotes, attachés à la révolution et à la constitution, se réunissent en force pour honorer celui à qui nous en sommes redevables. Ce devoir est d'autant plus sacré, que nous avons à réparer envers lui et envers nous. La nation et lui furent cruellement outragés, lorsqu'à la mort de Voltaire, les prêtres lui refusèrent la sépulture.
[...] 〈155〉 [...] [Übersetzung Reichardt:] Ich glaube wohl, daß ein Theil der Nationalversammlung, diejenigen die in Voltaire den ersten Urheber der Revolution hassen, die sie selbst noch mehr hassen als ihn, ihre Stimme gegen ihn erheben werden; aber dies ist nur eine Ursache mehr, auf daß die guten Pa〈156〉trioten, der Revolution und Constitution zugethan, sich in Masse vereinigen, um den zu ehren, dem wir sie verdanken. Diese Pflicht[1] ist um so heiliger, da wir ihm und uns Genugthuung schuldig sind. Die Nation[1] und er wurden grausam beleidigt, als beim Tode Voltaire's die Priester ihm das Begräbniß versagten..
[38]
Reichardt, Vertr. Brf. II (1804), 397
: Einer [...] bestieg den erhabnen[1] Platz dem Präsidenten gegenüber und las das lange lobpreisende Exposé ab. In der Reihe der vom ersten Consul empfangenen Wohlthaten stand das Concordat oben an. Die Grundsätze einer aufgeklärten Religion[2], und die Stimme des Papstes (Les principes d'une réligion eclairée et la voix du souverain pontife, welche Zusammenstellung!) haben alle Hindernisse überwunden [...]..
[39]
Schelling, Darst. Syst. (1801), IX
: Bis jetzt hat Fichte [...] durchaus nur das Allgemeinste gethan; und einigen zur Freude, andern zum Verdruß mag es hier stehen, daß meines Erachtens, was bis daher geschehen ist, eben nur der Anfang ist von dem, was noch geschehen wird [...]. Wodurch aber ist jene Entwicklung, von der ich spreche, mehr aufgehalten worden, als durch die Zudringlichkeit des unnützen Volks[9], welches, von aller Ahndung[2] der Spekulation weitentfernt durch seine Natur[1] schon, gleichwohl über diese Dinge, in dem blindesten Selbstvertrauen, seine Stimme vernehmen läßt, und eh' es nur begriffen hat, wovon die Rede ist, entweder mitspricht oder widerspricht. ➢ Volltext.
[40]
C. Schelling, an B. Groß (4. 8. 1805), C 2, 409
: Was den Hoven betrifft, so werden wir nächstens erleben, daß er ganz närrisch vor Übermuth wird, und seine Künste[7] öffentlich auf dem Residenzplatze macht. Es fehlt hieran wahrhaftig nicht viel, er erzählt wirklich auf der Straße den Studenten seine Anekdoten und macht ihnen die bekannten Späße vor. Als Lehrer ist er nach der Stimme aller so schlecht, daß die Mediciner sich gleich von hier wegsehnen [...]..
[41]
Schiller, Abfall Niederl. (1788), NA 17, 253
: Egmonts Abfall, und die Flucht des Prinzen von Oranien zerstörte die letzte Hofnung der Protestanten, und lößte den ganzen Geusenbund auf. Einer drängte sich dem andern an Bereitwilligkeit, an Ungeduld vor, den Compromiß abzuschwören und den neuen Eid zu leisten, den man ihm vorlegte. Vergebens schrieen die protestantischen Kaufleute über diese Wortbrüchigkeit des Adels[2]; ihre schwache Stimme wurde nicht mehr gehört, und verloren waren alle Summen, die sie an das Unternehmen des Bundes gewendet hatten [...]..
[42]
A. W. Schlegel, Brf. Poes. I–II (1795), Hor. IV.11, 78
: Man hat bemerkt, daß es das Ohr[3] angenehm kitzelt, wenn nach bestimmten Zwischenräumen gleichlautende Endungen der Wörter[1] wiederkehren. Diese muß der Dichter[2] also aufsuchen, und oft einer einzigen wegen das ganze Gebiet der Sprache[3] von Westen bis Osten durchstreifen. Bey großer Anstrengung körperlicher Kraft findet noch ein gewisses erhebendes Gefühl Statt: aber was kann für den langweiligen Fleiß, für die kleinliche Sorgfalt entschädigen, womit ein vollendetes Gedicht allmählig zusammenbuchstabirt wird? Wie muß dieß alles den erhabnen[4] Geist[33] demüthigen, der des Umganges mit Göttern[7] gewohnt ist! Gewiß, der Fluch der Mühseligkeit, der sich über alles menschliche Thun verbreitet, drückt ihn vorzüglich hart. Auch an ihn ergeht eine drohende Stimme: Im Schweiße deines Angesichtes sollst du Verse machen! Mit Schmerzen sollst du Gedichte zur Welt bringen. ➢ Volltext.
[43]
A. W. Schlegel, Dramat. Lit. I (1809), 68
: Ueber die unerreichbare Vortrefflichkeit der Antike[4] in ihren wenigen Ueberbleibseln vom ersten Range, giebt es nur Eine Stimme im ganzen gebildeten Europa [...]. Alle einsichtsvollen Künstler[3] nicht nur, alle Menschen[1] von Gefühl neigen sich mit entzückter Verehrung vor den Meisterwerken der alten[10] Sculptur. ➢ Volltext.
[44]
A. W. Schlegel, Vorr. krit. Schr. (1828), VIII
: Das gewagteste Unternehmen der Kritik[2] scheint der Widerspruch gegen eine durch lange Verjährung befestigte Meinung über Kunst-[2] und Geisteswerke zu seyn: denn hier hat der einzelne, dem Anschein nach, unzählbare Tausende von Stimmen gegen sich..
[45]
F. Schlegel, Schönh. i. d. Dichtk. III (*1795), KFSA 16, 7, Nr. 9
: Mannichfaltigkeit und leichte Anmuth durch Stellung und Wechsel in den Werkzeugen der Kunst[3], in der Sprache[10], dem Metro, dem Styl, falls diese nicht durch den Ausdruck nothwendig erfordert werden, sind schon ein Beweis von verdorbner Kunst[3]. Ein Beyspiel ist Euripides, der an Wechsel und Anmuth dieser Art sehr leicht; die Uebergänge des Wechsels sind, schön[1] (was man gewöhnlich so nennt, leicht in der Verknüpfung des Mannichfaltigen). Der Wechsel des Rhetorischen, Sophistischen und Poetischen[4]; des Dramatischen, Lyrischen und Epischen; langer Reden, kurz wechselnder Gespräche, und Stimmen der Leidenschaft, Gesang; Jamben, Trochäen, Anapäste, selbst Hexameter, Tetrameter, alle möglichen lyrischen Metra (in diesem Stücke kann auch Aristophanes zum Beyspiel dienen) / Denn sobald, das Reizende, das Mittel des Schönen[1], Zweck der Kunst[3] wird, so entsteht Heteronomie..
[46]
Sulzer, Allg. Theor. II (1774), 633
: Man muß es deswegen nicht der Critik[2] selbst, nicht den Kunstrichtern von Genie[2], sondern den Sophisten, die aus dieser Wissenschaft[2] ein Handwerk gemacht haben, zuschreiben, wenn die schönen[2] Künste[1] durch Theorien verdorben werden. Den ächten Kunstrichter wollen wir als den Lehrer des Künstlers[2] ansehen, und diesem rathen auf seine Stimme zu horchen. Zwar scheinet es, daß der Künstler[2] auch der beste Richter über die Kunst[2] seyn sollte. Wenn man aber bedenkt, wie viel Zeit[6], Nachdenken und Fleiß die Ausübung erfodert; so läßt sich begreifen, daß ein zur Kunst[2] gebohrnes Genie[4], (und ein solches muß der Kunstrichter seyn) das sich selbst mit der Ausübung nicht beschäftiget, in gar vielen zur Kunst[2] gehörigen Dingen, noch weiter sehen muß, als der Künstler[2] selbst..
[47]
H. Voß, an A. W. Schlegel (13. 3. 1808), KJ 1, 516
: O daß Sie uns nun bald den 9ten Band Ihres so lange, lange ersehnten Shakspeare geben möchten! Sein Sie nicht taub gegen die vielen herzlichen Bitten, die schon um Shakspeare an Sie gelangt sind. Ich weiß gar wohl, daß viele da sind, die dieses Geschenkes von Ihnen sich wenig würdig beweisen (namentlich Freund Falk [...], den ich dafür mit einer derben Lauge gesalbt, und öffentlich seine tiefe Unkunde mit Shakspeare vorgeworfen) aber solche und ähnliche Stimmen, die ja nicht von den beßeren herkommen, dürfen Sie, theurer Mann, nicht mißmüthig machen, und durchaus nicht die behagliche Muße, die zur Vollendung Ihres Shakspeare gehört, Ihnen rauben..