Wortliste
Struktur
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Semantik 
8. ›Privileg, (Vor-)Recht im juristischen Sinne (als Befugnis und/oder als Nichtbetroffensein von einer gesetzlichen oder obrigkeitlichen Verpflichtung, einer Steuer, Zensur o. Ä.), Gnade, Vergünstigung‹, auch ›Gesamtheit von einer Person oder Personengruppe verliehenen Privilegien‹. Ironische Verwendungen sind möglich [5; vllt. unfreiwillig: 10].
Belege 
[1] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 296: Im politischen Verstande[7] sind Freyheiten, welche man auch mit einem Lateinischen Nahmen Privilegia zu nennen pfleget, Rechte, wodurch der Oberherr die Gleichheit der bürgerlichen Rechte zum Besten eines oder mehrerer aufhebet. Eine Stadt, eine Messe, ein Haus, eine Fabrik mit Freyheiten begnadigen. Mit allergnädigster oder gnädigster Freyheit, lieset man mehrmahls auf privilegirten Büchern.

[2] Börne, Immermann [Tirol] (1829), SS 1, 345 f. (346): Als Hofer vor der Schlacht am Berge Isel mit etwas gesalbter feierlicher Lustigkeit, nach Art des Königs ⟨346⟩ David, Wein trinkt aus einem silbernen Pokale, auf dessen Deckel das alte[1] Schloß Tirol eingegraben war, bewegt ihn dieser Anblick, denn – sagt er – das erinnere an | Die Freiheiten[8], die Recht' und Privilegien | Der sel'gen, gnäd'gen Frauen Margarete. | Wir sind froh, die Quelle der Anhänglichkeit der Tiroler für ihren alten[1] Landesherrn endlich gefunden zu haben, ob sie zwar publizistisch ist und trübe. Ein schlichter Landmann braucht es freilich nicht zu wissen, daß Freiheit[6/7] besser sei als Freiheiten[8], Gerechtigkeit besser als Rechte, und besser Gleichheit als Privilegien.

[3] G. Forster, Erinn. (1793 [1792]), 199: Dagegen scheiterte der Versuch, die Schweden vom Branntweintrinken zu entwöhnen und dadurch das ungeheure Mißverhältniß der Getreideeinfuhr zu vermindern; und nach einigen unzulänglichen Versuchen verwandelte sich die Freiheit, die vordem jeder Bauer genoß, den Branntwein selbst zu brennen, in ein lästiges und gehässiges Monopolium der Krone.

[4] Goethe, Egmont (1788), WA I, 8, 207: Unsere Väter waren Leute! [...] Die wußten etwas zu fassen und fest zu setzen! Rechte Männer! Dafür sind aber auch unsere Privilegien so deutlich, unsere Freiheiten so versichert.

[5] Goethe, Egmont (1788), WA I, 8, 266: Freiheit? Ein schönes[1] Wort[1], wer's recht verstände. Was wollen sie für Freiheit? Was ist des Freiesten Freiheit? – Recht zu thun!

[6] Hederich/Schwabe, Myth. Lex. (1770), 1056: Pallantium, ein Ort, der endlich zu einem Dorfe geworden, von dem Kaiser Antonin aber wieder zu einer Stadt gemacht, und mit vielen Freyheiten begabet wurde.

[7] W. v. Humboldt, Cantabrica (*1800), 119: Das Spanische Biscayen [...] ist, auch in seiner Abhängigkeit von Spanien, noch gewissermassen ein selbstständiges Land geblieben [...] und geniesst Freiheiten, über deren Beibehaltung es mit Eifersucht wacht.

[8] Kant, Crit. rein. Vern. (21787), XXXIV f. (XXXV): Wenn Regierungen ⟨XXXV⟩ sich ja mit Angelegenheiten der Gelehrten zu befassen gut finden, so würde es ihrer weisen Vorsorge für Wissenschaften sowol als Menschen weit gemäßer sein, die Freyheit einer solchen Critik[1] zu begünstigen, wodurch die Vernunftbearbeitungen allein auf einen festen Fuß gebracht werden können, als den lächerlichen Despotism der Schulen zu unterstützen, welche über öffentliche Gefahr ein lautes Geschrey erheben, wenn man ihre Spinneweben zerreißt, von denen doch das Publicum[1] niemals Notiz genommen hat, und deren Verlust es also auch nie fühlen kann.

[9] J. G. Lang, Reise II (1790), 344: Nebst den vielen Privilegien, die diese Stadt schon hatte, erhob der Kaiser Friedrich III. eilf Bürger, welche sich [...] vorzüglich ausgezeichnet hatten, in den Adelstand, und ertheilte ihr das Münzrecht; das Jagdrecht; [...] die Freiheit, sich keinem auswärtigen Richter zu stellen; [...] die Zollfreiheit im Erzstifte; [...] welche Privilegien viele Kaiser und Kurfürsten bestättigten.

[10] H. Sander, Beschr. Reis. II (1784), 655: Die Schiffer haben auf der Elbe grosse Freiheiten. Eine Ohrfeige kostet dem Passagier 10. Thaler.

[11] Schiller, Abfall Niederl. (1788), NA 17, 31: Die Landesfürsten [...] munterten den Kaufmann mit den wichtigsten Freiheiten auf, und wußten ihren Handel durch vortheilhafte Verträge mit auswärtigen Mächten zu schützen.

[12] A. W. Schlegel, Brchtg. Mißdt. (1828), 46: [D]er Unterschied der Stände war im Mittelalter stark bezeichnet; dieß ging mit Nothwendigkeit aus der damaligen Stufe der Cultur[4] hervor: sobald der Gewerbfleiß der Städte emporkam, fühlten auch die Bürger sich stolz neben dem Adel[2], und erwarben sich Rechte und Freiheiten. Der Adel[2] war, was er längst zu seyn aufgehört hat, ein erblicher Kriegerstand.

[13] Winckelmann, Gesch. d. Kunst II (1764), 418: Die Athenienser ließ Severus sogleich seinen Zorn empfinden [...]: er nahm der Stadt alle ihre Vorrechte und Freyheiten, die ihr von den vorigen Kaisern ertheilet waren [...].

[14] Adelung, Gesch. Cultur (1782), 370.

[15] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 143.

[16] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 257.

[17] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 618.

[18] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 795.

[19] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 1192 f. (1193).

[20] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (21793), 1755.

[21] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 292.

[22] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 294.

[23] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 759.

[24] Adelung, Gramm.-krit. Wb. III (21798), 185.

[25] Arndt, Erinn. (1840), 64.

[26] Börne, Brf. Paris II (1832), 28 f. (29).

[27] Brockhaus, Conv.-Lex. I (1809), 120.

[28] Brockhaus, Conv.-Lex. VII (1809), 336.

[29] Brockhaus, Bild.-Conv.-Lex. I (1837), 23.

[30] Goethe, Götz (1773), WA I, 8, 144.

[31] Goethe, Dicht. u. Wahrh. I (1811), 37.

[32] Hederich/Schwabe, Myth. Lex. (1770), 2451 f. (2452).

[33] Herder, Gesch. d. Menschh. IV (1791), 201.

[34] Herder, Gesch. d. Menschh. IV (1791), 277 f. (278).

[35] Herder, Gesch. d. Menschh. IV (1791), 279.

[36] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. IV (1835), 128.

[37] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. IV (1835), 182.

[38] A. v. Humboldt, Königr. Neuspanien (1809), 34.

[39] Krünitz, Oecon. Encycl. VII (1776; 21784), 207.

[40] J. G. Lang, Reise II (1790), 168.

[41] J. G. Lang, Reise II (1790), 294.

[42] Schiller, Abfall Niederl. (1788), NA 17, 151.

[43] Schiller, Abfall Niederl. (1788), NA 17, 251.

[44] Schiller, Lykurg. u. Sol. (1790), NA 17, 414.

[45] Schiller, Dreyssigj. Krieg. I–II (1791), NA 18, 30.

[46] Chr. F. D. Schubart, Jud. (1789), 652.

[47] Chr. F. D. Schubart, Leb. u. Gesinng. I (1791), IX f. (X).

[48] Waagen, van Eyck (1822), 33.

[49] Winckelmann, Gesch. d. Kunst II (1764), 408.














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