Wortliste
Adel
Brief
Buchstabe
Dialekt
Ironie
ironisch
klassisch
Kritik
Ohr
progressiv
romantisch
Tier
Witz
Struktur
(Wenn Sie im oberen Fenster »Wortliste« ein Stichwort auswählen, erscheint hier ein Überblick über die Gliederung des betreffenden Wortartikels.)
Semantik 
3. ›Witz, Esprit, ironisches Vermögen, Fähigkeit, treffend zu spotten, ironisch zu sein; auf (Selbst)reflexion beruhende Überlegenheit, (schalkhafte) Distanz zum Gegenstand, zum Kom­mu­ni­ka­tionspartner wie zu sich selbst; intellektuell-emotionale Libertinität; Neigung, sich der Ironie1 zu bedie­nen‹; Metonymie zu 1: Voraussetzung ebenso wie Folge und Begleitumstand von Ironie1 als Eigenschaft von Personen [3, 39], insbesondere Autoren [12, 45], sowie von literarischen Texten (hier auch: ›Lebendigkeit, Reichtum der Darstellung‹) [15, 17, 40, 43, 45, 46] oder Textkonstituenten (Figuren, Motiven o. Ä.) [13]; insbesondere ›Überlegenheit eines Autors über seinen Stoff, Unparteilichkeit‹ [21]. Bei F. Schlegel hat Ironie3 eine her­meneutische Kom­po­nen­te (im Sinne der romantischen „Antihermeneutik“: vgl. Hörisch 1987; ders. 1988, 50 ff.; Bär 2012, 509 ff.); indem sie – aus Sicht Hegels: zu Unrecht [27] – der Sokrates-Figur zugeschrieben und dadurch in Zusammenhang mit der Textsorte ,Gespräch‘ gebracht wird [45], erscheint sie als Reali­sie­rung des frühromantischen Prinzips der Dialogizität (vgl. Bär 1999, 304: was sie mit dem Witz1 verbindet); insbesondere erscheint sie als Bewusstsein der „Unmöglichkeit und Nothwendigkeit einer vollständigen Mittheilung“ [12]. Bei Solger [21, 35, 49] wird Ironie3 als die einzige Möglichkeit gefasst, Ideen künstlerisch angemessen – ex nega­tivo – auszudrücken. Vgl. Heiterkeit4. Unter moralischen Gesichtspunkten wird Ironie3 in der Regel als Gehalt- und Ge­sinnungs- oder Prinzipienlosiglosigkeit abqualifiziert [21, 28, 35, 36, 38], da sich das ironisch distanzierte, selbstreflexive Individuum selbst genug sei und sich für nichts anderes als sich selbst interessiere. Der Subjektivismusvorwurf findet sich insbesondere bei Hegel [5, 27, 29, 31, 33, 36]; Herwegh unterscheidet die als subjektivistisch, über das Ich definierte und prototypisch L. Tieck zugeschriebene Ironie3 vom Humor3, der als orientiert am Objektiven konzipiert und prototypisch Jean Paul zugeschrieben wird [6]; Jean Paul seinerseits sieht in der Ironie3 eine objektivisierende Komponente [8]. Goethe zufolge schützt sie vor Frömmelei und Pedantismus [23].
Belege 
[1] Börne, Ew. Jud. (*1821; 1829), SS 2, 514: Als ich in der geräuschvollen Mitte dieses Buches im Hauptquartier des Judenhasses angekommen war, gedachte ich zu spotten und dem Verfasser zu sagen: er möchte [...] einen Juden lebendig aufschlitzen und sich überzeugen, daß Lunge und Leber, Herz und Nieren, Gehirn und Magen ganz so gebildet und geordnet seien wie bei Christen, und dann solle er mir erklären, wo die Anweisung der Natur[1] wäre, die Juden nicht wie Menschen zu behandeln. Aber meine Ironie fand nichts zu spitzen, die Wahrheit ist schon spitz genug. Der Verfasser hat dafür gesorgt, daß seine Grundsätze nicht karikiert werden können. [...] Er erschrickt gewaltig vor dem Anwachse jüdischer Bevölkerung und schreibt sie dem häufigen Zwiebelessen der Juden zu.

[2] Goethe, an K. v. Sternberg (26. 9. 1826), WA IV, 41, 169: Der Mensch gesteht überall Probleme zu und kann doch keines ruhen und liegen lassen; und dieß ist auch ganz recht, denn sonst würde die Forschung aufhören; aber mit dem Positiven muß man es nicht so ernsthaft nehmen, sondern sich durch Ironie darüber erheben und ihm dadurch die Eigenschaft des Problems erhalten; denn sonst wird man bey jedem geschichtlichen Rückblick confus und ärgerlich über sich selbst.

[3] Goethe, Tag- u. Jahres-Hefte II (*1817..26; 1830), WA I, 36, 177 f. (178): Näher berührte mich die zwischen Voß und Stolberg ausbrechende Mißhelligkeit, nicht sowohl der Ausbruch selbst, als die Einsicht in ein vieljähriges Mißverhältniß, das klügere Menschen früher ausgesprochen und aufgehoben hätten. Aber wer entschließt sich leicht zu einer solchen Operation? Sind doch Ortsverhältnisse, Familienbezüge, Herkömmlichkeiten und Gewohnheiten schon abstumpfend genug; sie machen in Geschäften, im Eh- und Hausstande, in geselligen Verbindungen das Unerträgliche ertragbar. Auch hätte das Unvereinbare von Vossens und Stolbergs ⟨178⟩ Natur[1] sich früher ausgesprochen und entschieden, hätte nicht Agnes als Engel das irdische Unwesen besänftigt, und als Grazioso eine furchtbar drohende Tragödie mit anmuthiger Ironie durch die ersten Acte zu mildern gesucht. Kaum war sie abgetreten, so that sich das Unversöhnliche hervor [...]. ⦿

[4] Görres, Tt. Volksb. (1807), GS 3, 246: Der Schwank mit dem Salzsäen, der ganze Imbiß des Kaisers bey den Witzenbürgern und seine frühere Bewillkommnung, die Hochzeit, die der Sauhirt seinem Sohne ausrichtet, das Verstecken der Glocken im See, das Abentheuer mit dem Krebse und dem Maushund in dem ersten Buche, dann das Lochausgraben, die Reise der drei Abgesandten nach Witzenburg, so wie die ganze Verhandlung über das fehlende Rad und den Deichsel, und des Schlottfegers Expedition, um sie in der Stadt zu holen, im Zweiten, gehören zum Trefflichsten, was Witz[1] und Ironie irgend producirten.

[5] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 85 f. (86): Auf dem Standpunkte, auf welchem das Alles aus sich setzende und auflösende Ich der ⟨86⟩ Künstler ist, dem kein Inhalt das Bewußtseyn als absolut und an und für sich, sondern als selbst gemachter zernichtbarer Schein erscheint, kann solcher Ernst keine Stätte finden, da nur dem Formalismus des Ich Gültigkeit zugeschrieben ist. – Für Andre zwar kann meine Erscheinung, in welcher ich mich ihnen gebe, ein Ernst seyn, indem sie mich so nehmen, als sey es mir in der That um die Sache zu thun, – aber sie sind damit nur getäuscht, pauvre bornirte Subjekte, ohne Organ[3] und Fähigkeit, die Höhe meines Standpunktes zu erfassen und zu erreichen. Dadurch zeigt es sich mir, daß nicht jeder so frei (d. i. formell frei) ist, in allem, was dem Menschen sonst noch Werth, Würde und Heiligkeit hat, nur ein Produkt der eigenen Macht des Beliebens zu sehen, dergleichen gelten, mich bestimmen und erfüllen zu lassen oder auch nicht. Und nun erfaßt sich diese Virtuosität eines ironisch[3] künstlerischen Lebens als eine göttliche Genialität, für welche alles und jedes nur ein wesenloses Geschöpf ist, an das der freie Schöpfer, der von allem sich los und ledig weiß, sich nicht bindet, indem er dasselbe vernichten wie schaffen kann. Wer auf solchem Standpunkte göttlicher Genialität steht, blickt dann vornehm auf alle übrige Menschen nieder, die für beschränkt und platt erklärt sind, insofern ihnen Recht, Sittlichkeit u. s. f. noch als fest, verpflichtend und wesentlich gelten. So giebt sich denn das Individuum, das so als Künstler lebt, wohl Verhältnisse zu Anderen, es lebt mit Freunden, Geliebten u. s. f., aber als Genie[4] ist ihm dieß Verhältniß zu seiner bestimmten Wirklichkeit, seinen besonderen Handlungen wie zum an und für sich Allgemeinen zugleich ein Nichtiges, und es verhält sich ironisch[3] dagegen. | Dieß ist die allgemeine Bedeutung der genialen göttlichen Ironie, als dieser Koncentration des Ich in sich, für welches alle Bande gebrochen sind, und das nur in der Seligkeit des Selbstgenusses leben mag. Diese Ironie hat Herr Fr. v. Schle⟨87⟩gel erfunden, und viele Andere haben sie nachgeschwatzt, oder schwatzen sie von Neuem wieder nach. Volltext

[6] Herwegh, Jean Paul (1839), W 2, 97: Wie kommt es doch nur, daß man Humor[3] und Ironie immerdar verwechselt, daß man diese zwei so auseinander fallenden Begriffe[3] unaufhörlich wieder durcheinander wirft! Tieck und Jean Paul in eine und dieselbe Kategorie! So weit der Himmel über der Erde, so hoch, so unendlich hoch steht auch Jean Paul über dem Herrn Ludwig Tieck! Der letztere mit seiner Ironie ist der eingefleischte Egoismus; Jean Paul [...] sicherlich das größte Herz, das je in deutschen Landen geschlagen. Die Ironie bezieht alles auf das Ich, alles Reale und Objektive erhält erst Geltung, wenn es dem lieben Ich gefällt, ihm eine solche zu erteilen; [...] man verschanzt sich gegen die großen Interessen, welche die ganze Menschheit angehen; man zieht sich zurück von der schlechten Wirklichkeit und baut sich eine Welt aus Träumen.

[7] Hoffmann, Elix. d. Teuf. II (1816), PW 2, 240: Sie werden im Zirkel des Hofes manchen bürgerlichen Gelehrten und Künstler bemerkt haben, aber die Feinfühlenden unter diesen, denen Leichtigkeit des innern Seins abgeht, die sich nicht in heitrer[3] Ironie auf den hohen Standpunkt stellen können, der sie über das Ganze erhebt, sieht man nur selten, sie bleiben auch wohl ganz aus. Bei dem besten Willen, sich recht vorurteilsfrei zu zeigen, mischt sich in das Betragen des Adligen gegen den Bürger ein gewisses Etwas, das wie Herablassung, Duldung des eigentlich Unziemlichen aussieht; das leidet kein Mann, der im gerechten Stolz wohl fühlt, wie in adliger Gesellschaft oft nur er es ist, der sich herablassen und dulden muß das geistig Gemeine und Abgeschmackte.

[8] Jean Paul, Vorsch. Ästh. I (1804), 231: Da die Ironie ein fortgehendes Ansichhalten oder Objektivisieren auflegt: so sieht man leicht, daß dieses gerade desto schwieriger wird, je komischer der Gegenstand ist, – ⟨232⟩ anstatt daß die subjektivierende und mehr lyrische Laune gerade durch den Ueberschwung des Stoffs gewinnt [...].

[9] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 43 f. (44): Ohne Unterricht in den Wissenschaften, ohne Kenntniß fremder[1] Sprachen[3], war Hans Sachs dennoch nach seiner Weise ein Gelehrter: aber sein Wissen ging durchaus aufs Praktische, auf Belehrung des Menschen in seinen reellen Verhältnissen. In diesem Sinne las er die heilige Schrift, die Geschichtbücher und Chroniken, die erdichteten Erzählungen (z. B. eines Boccaz, der eben als Thatsachen enthaltend ein ⟨44⟩ solches Hauptbuch für ihn war) ja auch die Fantasiereichen Dichtungen der alten Mythologie oder der ritterlichen Zeit[3]. Dazu hatte er seine jugendlichen Wanderungen benutzt, dazu mußte ihm seine klare und sinnige Beobachtung an einem Orte, der jetzt durchaus zur Antiquität geworden, damals aber für Deutsche Sitte und Denkart ein rechter Mittelpunkt war, dazu endlich der Umgang mit verständigen Männern, immerfort den Stoff liefern. Erfahrung war die Mutter seiner Poesie[11], und Verständigkeit seine Muse, selbst sein Scherz hat durchaus diese Richtung. Sein Witz[1] besteht nicht in dem Blitz rascher Einfälle, noch weniger in einer schalkhaften Feinheit und sich selbst überbietenden Ironie, sondern in wahrer Lustigkeit, und in der geistreichen Keckheit womit die Materialität und Gemeinheit der Motive charakteristisch[2] hingestellt ist.

[10] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.2 (1811), 71: Die Ironie bezieht sich [...] beym Shakspeare nicht bloß auf die einzelnen Charakter[6], sondern häufig auf das Ganze der Handlung[3]. Die meisten Dichter, welche menschliche Begebenheiten erzählend oder dramatisch schildern, nehmen Partey, und verlangen von den Lesern blinden Glauben für ihre Bemühungen zu erheben oder herabzusetzen. Je eifriger diese Rhetorik ist, desto leichter verfehlt sie ihren Zweck. Auf jeden Fall werden wir gewahr, daß wir die Sache nicht unmittelbar, sondern durch das Medium einer fremden Denkart erblicken. Wenn hingegen der Dichter zuweilen durch eine geschickte Wendung die weniger glänzende Kehrseite der Münze ⟨72⟩ nach vorne dreht, so setzt er sich mit dem auserlesenen Kreis der Einsichtsvollen unter seinen Lesern oder Zuschauern in ein verstohlnes Einverständniß; er zeigt ihnen, daß er ihre Einwendungen vorhergesehen und im voraus zugegeben habe; daß er nicht selbst in dem dargestellten Gegenstande befangen sey, sondern frey über ihm schwebe, und daß er den schönen, unwiderstehlich anziehenden Schein, den er selbst hervorgezaubert, wenn er anders wollte, unerbittlich vernichten könnte. Volltext

[11] F. Schlegel, Lyc.-Fragm. (1797), 143 f., Nr. 42: Die Philosophie ist die eigentliche Heimath der Ironie[3], welche man logische Schönheit definiren möchte: denn überall wo in mündlichen oder geschriebenen Gesprächen, und nur nicht ganz systematisch philosophirt wird, soll man Ironie[3] leisten und fordern; und sogar die Stoiker hielten die Urbanität für eine Tugend. Freylich giebts auch eine rhetorische Ironie[1], welche sparsam gebraucht vortreffliche Wirkung thut, besonders im Polemischen; doch ist sie gegen die erhabne Urbanität der sokratischen Muse, was die Pracht der glänzendsten Kunstrede gegen eine alte Tragödie in hohem Styl. Die Poesie[11] allein kann sich auch von dieser Seite bis zur Höhe der Philosophie erheben, und ist nicht auf ironische[1] Stellen be⟨144⟩gründet, wie die Rhetorik. Es giebt alte[2] und moderne[1] Gedichte, die durchgängig im Ganzen und überall den göttlichen Hauch der Ironie[3] athmen. Es lebt in ihnen eine wirklich transcendentale Buffonerie. Im Innern, die Stimmung, welche alles übersieht, und sich über alles Bedingte unendlich erhebt, auch über eigne Kunst[8], Tugend, oder Genialität: im Äußern, in der Ausführung die mimische Manier eines gewöhnlichen guten italiänischen Buffo. Volltext

[12] F. Schlegel, Lyc.-Fragm. (1797), 161 f., Nr. 108: Die Sokratische Ironie ist die einzige durchaus unwillkührliche, und doch durchaus besonnene Verstellung. Es ist gleich unmöglich sie zu erkünsteln, und sie zu verrathen. Wer sie nicht hat, dem bleibt sie auch nach dem offensten Geständniß ein Räthsel. Sie soll Niemanden täuschen, als die, welche sie für Täuschung halten, und entweder ihre Freude haben an der herrlichen Schalkheit, alle Welt zum Besten zu haben, oder böse werden, wenn sie ahnden, sie wären wohl auch mit gemeynt. In ihr soll alles Scherz und alles Ernst seyn, alles treuherzig offen, und alles tief verstellt. Sie entspringt aus der Vereinigung von Lebenskunst⟨162⟩sinn und wissenschaftlichem Geist[15], aus dem Zusammentreffen vollendeter Naturphilosophie und vollendeter Kunstphilosophie. Sie enthält und erregt ein Gefühl von dem unauflöslichen Widerstreit des Unbedingten und des Bedingten, der Unmöglichkeit und Nothwendigkeit einer vollständigen Mittheilung. Sie ist die freyeste aller Licenzen, denn durch sie setzt man sich über sich selbst weg; und doch auch die gesetzlichste, denn sie ist unbedingt nothwendig. Es ist ein sehr gutes Zeichen, wenn die harmonisch Platten gar nicht wissen, wie sie diese stete Selbstparodie zu nehmen haben, immer wieder von Neuem glauben und misglauben, bis sie schwindlicht werden, den Scherz grade für Ernst, und den Ernst für Scherz halten. Lessings Ironie ist Instinkt; bey Hemsterhuys ists klassisches[6] Studium; Hülsens Ironie entspringt aus Philosophie der Philosophie, und kann die jener noch weit übertreffen. Volltext

[13] F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 14, Nr. 51: Naiv[2] ist, was bis zur Ironie, oder bis zum steten Wechsel von Selbstschöpfung und Selbstvernichtung natürlich[1], individuell oder klassisch[4] ist, oder scheint. [...] Das schöne[1], poetische[1], idealische[1] Naive[2] muß zugleich Absicht, und Instinkt seyn. Volltext

[14] F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 31, Nr. 121: Eine Idee ist ein bis zur Ironie vollendeter Begriff[1], eine absolute Synthesis absoluter Antithesen, der stete sich selbst erzeugende Wechsel zwey streitender Gedanken. Volltext

[15] F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 129, Nr. 418: [D]er Sternbald vereinigt den Ernst und den Schwung des Lovell mit der künstlerischen Religiosität des Klosterbruders und mit allem was in den poetischen[4] Arabesken, die er aus alten[1] Mährchen gebildet, im Ganzen genommen das Schönste ist: die fantastische[2] Fülle und Leichtigkeit, der Sinn[5] für Ironie, und besonders die absichtliche Verschiedenheit und Einheit des Kolorits. Auch hier ist alles klar und transparent, und der romantische[5/2/4?] Geist[12/13?] scheint angenehm über sich selbst zu fantasiren. Volltext

[16] F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 140, Nr. 431: Opfre den Grazien, heißt, wenn es einem Philosophen gesagt wird, so viel als: Schaffe dir Ironie und bilde dich zur Urbanität. Volltext

[17] F. Schlegel, Goethe's Meister (1798), 164 f. (165): Dieses Frische der Farben, dieses kindlich Bunte, diese Liebe zum Putz und Schmuck, dieser geistreiche Leichtsinn und flüchtige Muthwillen ha⟨165⟩ben etwas was man Aether der Fröhlichkeit nennen möchte, und was zu zart und zu fein ist, als daß der Buchstabe[8] seinen Eindruck nachbilden und wiedergeben könnte. Nur dem, der vorlesen kann, und sie vollkommen versteht, muß es überlassen bleiben, die Ironie[3/1], die über dem ganzen Werke [sc. Goethe: Wilh. Meister (1795–96)] schwebt, hier aber vorzüglich laut wird, denen die den Sinn[5] dafür haben, ganz fühlbar zu machen. Dieser sich selbst belächelnde Schein von Würde und Bedeutsamkeit in dem periodischen Styl, diese scheinbaren Nachläßigkeiten, und Tautologien, welche die Bedingungen so vollenden, daß sie mit dem Bedingten wieder eins werden [...], dieses höchst Prosaische[3] mitten in der poetischen[1] Stimmung des dargestellten oder komödirten Subjekts, der absichtliche Anhauch von poetischer[1] Pedanterie bey sehr prosaischen[3] Veranlassungen; sie beruhen oft auf einem einzigen Wort, ja auf einem Akzent. Volltext

[18] F. Schlegel, Ideen (1800), 16, Nr. 69: Ironie ist klares Bewußtseyn der ewigen Agilität, des unendlich vollen Chaos. Volltext

[19] F. Schlegel, Unverst. (1800), 344: Ein großer Teil von der Unverständlichkeit des Athenaeums liegt unstreitig in der Ironie, die sich mehr oder minder überall darin äußert. Volltext

[20] Schleiermacher, Ath.-Fragm. (1798), 108 f., Nr. 362: Bey dem Streben nach einem Zweck zugleich auf alle wirklichen und möglichen Zwecke hinsehn, und die natürlichen Wirkungen, die eine jede Handlung[1] nebenher haben kann, berechnen, das ist in der That etwas großes, und was man nur von wenigen wird rühmen können. Daß man im gemeinen Sprachgebrauch wirklich so etwas unter Klugheit versteht, geht auch aus dem Gefühl hervor, welches erregt wird, wenn man Jemand mit einem gewissen Akzent als klug preist. Das erste ist, daß er uns imponirt, und das zweyte, daß wir uns nach Wohlwollen und Ironie bey dem gerühmten Manne umsehn, und daß er uns verhaßt wird, wenn wir nicht beydes antreffen. [...] Wir hoffen nämlich von jedem Menschen, daß wir ihn mehr oder weniger zu unsern Absichten werden gebrauchen können, und zugleich wünschen wir, daß er uns durch das freye Naturspiel seines Gemüths und durch absichtslose und unverwahrte Aeußerungen ein Gegenstand des Wohlwollens und nach Gelegenheit auch ein Gegenstand für den Scherz oder den arglosen Spott werden möge. Bey andern Menschen sind wir ziemlich sicher beydes allenfalls auch wider ihren ⟨109⟩ Willen zu erlangen. Der ausgezeichnet Kluge aber, der seine Handlungen[1] so abmißt, daß nichts dabey herauskommen kann, als was er selbst beabsichtigt, macht uns für beydes bloß von seinem guten Willen abhängig; und wenn er nicht Wohlwollen besitzt, um mit Bewußtseyn und Freyheit[12] in die Absichten andrer hinein zu gehen, oder wenn es ihm an der Ironie fehlt, die ihn dahin bringen könnte, absichtlich sich aus seiner Klugheit herauszusetzen und sich mit Entsagung auf dieselbe als ein Naturwesen der Gesellschaft zum beliebigen Gebrauch hinzugeben: so ist es natürlich, daß wir die Stelle, die er in unserm Kreise einnimmt, von einem andern besetzt wünschen. Volltext

[21] Solger, Erwin II (1815), 277: Geht [...] die Idee durch den künstlerischen Verstand in die Besonderheit über, so drückt sie sich nicht allein darin ab, erscheint auch nicht bloß als zeitlich und vergänglich, sondern sie wird das gegenwärtige Wirkliche, und, da außer ihr nichts ist, die Nichtigkeit und das Vergehen selbst, und unermeßliche Trauer muß uns ergreifen, wenn wir das Herrlichste, durch sein nothwendiges irdisches Dasein in das Nichts zerstieben sehn. Und doch können wir die Schuld davon auf nichts anderes wälzen, als auf das Vollkommene selbst in seiner Offenbarung für das zeitliche Erkennen; denn das bloß Irdische, wenn wir es allein wahrnehmen, hält sich zusammen durch Eingreifen in einander, und nie abreißendes Werden und Vergehen. Dieser Augenblick des Uebergangs nun, in welchem die Idee selbst nothwendig zunichte wird, muß der wahre Sitz der Kunst, und darin Witz[1] und Betrachtung, wovon jedes zugleich mit entgegengesetztem Bestreben schafft und vernichtet, Eins und dasselbe sein. Hier also muß der Geist[20] des Künstlers alle Richtungen in Einen alles überschauenden Blick zusammenfassen, und diesen über allem schwebenden, alles vernichtenden Blick nennen wir Ironie. | Ich erstaune, sprach Anselm hier, über deine Kühnheit, das ganze Wesen der Kunst in die Ironie aufzulösen, welches viele für Ruchlosigkeit halten möchten. | ⟨278⟩ Greif mich nur nicht mehr an, versetzt' ich, mit jener matten und falschen Religiosität, welche die Dichter des Tages durch ihre selbstersonnenen Ideale unterstützen, und womit sie rüstig helfen, die schon so verbreitete empfindelnde und heuchelnde Selbsttäuschung über Religion, Vaterland, Kunst bis zum leersten Unsinn zu bringen. Ich sage dir, wer nicht den Muth hat, die Ideen selbst in ihrer ganzen Vergänglichkeit und Nichtigkeit aufzufassen, der ist wenigstens für die Kunst verloren.

[22] A. F. Bernhardi, Sprachlehre II (1803), 219 f. (220).

[23] Goethe, Dicht. u. Wahrh. II (1812), WA I, 27, 343.

[24] Goethe, Camp. Frankr. (1822), WA I, 33, 208.

[25] Goethe, an C. F. Zelter (25. 12. 1829), WA IV, 46, 193 f. (194).

[26] Goethe, Not. u. Abhdlg. (1829), WA I, 7, 76.

[27] Hegel, Phil. d. Rechts (1821 [1820]), 149 f..

[28] Hegel, Solger (1828), W 11, 213 f. (214).

[29] Hegel, Solger (1828), W 11, 233.

[30] Hegel, Solger (1828), W 11, 259.

[31] Hegel, Enzykl. III (31830), W 10, 377.

[32] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 84.

[33] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 87.

[34] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 87 ff..

[35] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 89 f. (90).

[36] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 204 f. (205).

[37] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 285 f. (286).

[38] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 311 f. (312).

[39] Jean Paul, Hesp. II (1795), 23.

[40] Novalis, Allg. Brouill. (*1798), NS 3, 326, Nr. 445.

[41] Novalis, Blüthenstaub (1798), 79, Nr. 29.

[42] Schelling, Philos. d. Kunst (!1803–04), SW I, 5, 675.

[43] Schelling, Philos. d. Kunst (!1803–04), SW I, 5, 677 f..

[44] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.2 (1811), 72.

[45] F. Schlegel, G. Forster (1797), 59.

[46] F. Schlegel, G. Forster (1797), 67.

[47] F. Schlegel, Goethe's Meister (1798), 158.

[48] F. Schlegel, Lucinde (1799), 32.

[49] Solger, Erwin II (1815), 279 f. (280).

[50] K. A. Varnhagen von Ense, Denkw. I (1837–42), 214.

[51] Zelter/Goethe, Haydn. Schöpf. (1826), WA I, 41.2, 384.














96993 Besucher bislang. :: Admin Login