Wortliste
Struktur
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Semantik 
14. ›Liberalität, Urbanität, Weltoffenheit, Toleranz‹, auch ›Freigebigkeit, Großzügigkeit in finanziellen Dingen‹ [8].
Belege 
[1] Goethe, Wilh. Meister II (1795), WA I, 21, 193: Gesetzt, das Schicksal hätte einen zu einem großen Mahler bestimmt, und dem Zufall beliebte es, seine Jugend in schmutzige Hütten, Ställe und Scheunen zu verstoßen, glauben Sie, daß ein solcher Mann sich jemals zur Reinlichkeit, zum Adel[5], zur Freiheit der Seele erheben werde? Mit je lebhafterm Sinn[4] er das Unreine in seiner Jugend angefaßt und nach seiner Art veredelt hat, desto gewaltsamer wird es sich in der Folge seines Lebens an ihm rächen, indem es sich, inzwischen daß er es zu überwinden suchte, mit ihm auf's innigste verbunden hat. Wer früh in schlechter unbedeutender Gesellschaft gelebt hat, wird sich, wenn er auch später eine bessere haben kann, immer nach jener zurücksehnen, deren Eindruck ihm, zugleich mit der Erinnerung jugendlicher, nur selten zu wiederholender Freuden, geblieben ist.

[2] Goethe, an Schiller (17. 8. 1796), WA IV, 11, 163: Wenn es möglich ist daß die Deutschen begreifen, daß man ein guter tüchtiger Kerl seyn kann, ohne gerade ein Philister und ein Matz zu seyn, so müssen Ihre schönen[1] Sprüche das gute Werk vollbringen, indem die große Verhältnisse der menschlichen Natur[1] mit so viel Adel[5], Freyheit und Kühnheit dargestellt sind.

[3] Herder, Philos. Gesch. Bild. (1774), SW 5, 524: [J]eder klaßische[7] Schöndenker, der die Policirung unsres Jahrhunderts fürs non plus ultra der Menschheit hält, hat Gelegenheit, ganze Jahrhunderte auf Barbarei, elendes Staatsrecht, Aberglauben und Dummheit, Mangel der Sitten und Abgeschmacktheit [...] zu schmälen und über das Licht unsres Jahrhunderts, das ist, über seinen Leichtsinn und Ausgelassenheit, über seine Wärme in Ideen und Kälte in Handlungen, über seine scheinbare Stärke und Freiheit[14/10] und über seine würkliche Todesschwäche und Ermattung unter Unglauben, Despotismus und Üppigkeit zu lobjauchzen.

[4] A. Müller, Beredsamk. (!1812; 1816), 121: Wir haben die rhetorische Poesie[1], die wesentlich auf unser Gebiet gehört, mit herübergenommen; dafür geben wir der Poesie[1], was ihr gehört, die poetische[4] Beredsamkeit, nämlich jene Meisterwerke zurück, welche durch eine äußere prosaische[1] Form unsre rhetorische Betrachtung herauszufordern scheinen wie Don Quixote und Wilhelm Meister, aber durch alle ihre inneren Eigenschaften, ihre Absichtlosigkeit, ihre Freiheit[11/14], ihre Ironie[3], ihren poetischen[4] Bau, in jene Sphäre gehören [...].

[5] F. Schlegel, Lessing (1797), 126: Es wird im Nathan eine, wenn auch nicht förmliche, doch ganz bestimmte Religionsart, die freylich voll Adel[5], Einfalt und Freyheit ist, als Ideal ganz entschieden und positiv aufgestellt [...]. Volltext

[6] Arndt, Erinn. (1840), 77.

[7] Goethe, Wilh. Meister II (1795), WA I, 21, 191.

[8] Goethe, Wilh. Meister V (1795), WA I, 22, 246.

[9] Hegel [Hotho], Aesth. III (1838), 52.

[10] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. III (1835), 226.

[11] Schleiermacher, Ath.-Fragm. (1798), 108 f. (109), Nr. 362.

[12] L. Tieck, Aufr. Cevenn. (1826), W 4, 56.














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