Wortliste
Struktur
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Semantik 
1. ›Unabhängigkeit, Unbedingtheit, Ungebundenheit; Nichtbeeinträchtigtsein von etw. (u. a. von Nöten, Bedrängnissen); Unbeschränktheit, Möglichkeit des ungehinderten Wirkens, der unbeeinträchtigten Ent­faltung‹ von Personen ebenso wie von Phänomenen aller Art, z. B. von Prinzipien, Kräften, Gedanken [14, 38, 55, 56, 57] (insoweit sie unbeeinträchtigt sind von Vorurteilen: zum Fehlen von Denkverboten vgl. 6), konkreten Gegenständen; auch ›uneingeschränkte Verfügbarkeit‹ [22]; bei Kunstwerken, Gegenständen künstlerischer Arbeit oder dieser Arbeit selbst ›Nichtbetroffensein durch eine Kunstregel‹ [2, 6, 11, 21, 46, 48, 52], bei Sprachen3 ›Nichtbetroffensein von starren Strukturregeln‹ [18, 47, 59]. F. in der Kunst ist nicht unbeschränkt, sondern die künstlerische Arbeit orientiert sich, auch wenn sie bestimmte Regeln ignoriert, gleichwohl immer an Regeln [11]. Hinsichtlich der Entwicklungsmöglichkeiten der menschlichen Persön­lich­keit hält Goethe unbedingte F. für schädlich, da der Mensch seiner Natur1 folgen müsse [24]. Sub specie aeternitatis ist F. mit Notwendigkeit untrennbar verbunden [40].
Belege 
[1] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 295: Freyheit [...]. In der weitesten Bedeutung, der Zustand der Abwesenheit gewisser Arten des Zwanges und der Einschränkung, welche alsdann das Vorwort von bekommen. Die Freyheit von Sorgen, von Geschäften, von Schulden, von dem Gesetze u. s. f.

[2] Daube, Mus. Dilett. (1773), 216: Was sind alle unsre heutige gute Sachen: Sinphonien, Opernarien, Koncerten etc. anders, als ungebundene oder uneigentliche Fugen? was insonderheit die Nachahmung eines oder zweener Hauptglieder heißt. Freylich erfodert eine ordentliche Fuge eine weit größere Einschränkung; indessen soll sie doch auch heutiges Tages mit größerer Freyheit ausgeführet werden [...].

[3] Goethe, Werther (1774), WA I, 19, 106: Ach ich habe hundertmal ein Messer ergriffen, um diesem gedrängten Herzen Luft zu machen. Man erzählt von einer edlen Art Pferde, die, wenn sie schrecklich erhitzt und aufgejagt sind, sich selbst aus Instinct eine Ader aufbeißen, um sich zum Athem zu helfen. So ist mir's oft, ich möchte mir eine Ader öffnen, die mir die ewige Freiheit schaffte.

[4] Kant, Crit. rein. Vern. (21787), 766: Die Vernunft muß sich in allen ihren Unternehmungen der Critik[1] unterwerfen, und kann der Freyheit derselben durch kein Verbot Abbruch thun, ohne sich selbst zu schaden und einen ihr nachtheiligen Verdacht auf sich zu ziehen.

[5] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (21793), 216: Die Beredsamkeit, sofern darunter die Kunst[6] zu überreden, d. i. durch den schönen[1] Schein zu hintergehen (als ars oratoria), und nicht bloße Wohlredenheit (Eloquenz und Stil) verstanden wird, ist eine Dialectik, die von der Dichtkunst nur so viel entlehnt, als nöthig ist, die Gemüther, vor der Beurtheilung, für den Redner zu dessen Vortheil zu gewinnen, und dieser die Freyheit zu benehmen; kann also weder für die Gerichtsschranken, noch für die Kanzeln angeraten werden.

[6] A. Müller, Beredsamk. (!1812; 1816), 36: [B]eide Stimmen können sich mit Freiheit von einander entfernen, jede kann ihre eigenthümlichen Modulationen verfolgen; der Grundton hält sie fest [...].

[7] Schelling, Syst. transsc. Id. (1800), 404 f.: Es muß durch den Zwang eines unverbrüchlichen Gesetzes unmöglich gemacht seyn, daß in der Wechselwirkung aller die Freyheit des Individuums aufgehoben werde. Dieser Zwang kann sich nun freylich nicht unmittelbar ⟨405⟩ gegen die Freyheit richten, da kein Vernunftwesen gezwungen, sondern nur bestimmt werden kann, sich selbst zu zwingen [...].

[8] Schiller, Demetr. (*1804–05; 1815), NA 11, 21: Bezogen hat er mit drei tausend Pferden | Den Reichstag, und ganz Krakau überschwemmt | Mit seinen Lehensleuten. Eben jezt | Erfüllen sie die Hallen dieses Hauses, | Man will die Freiheit unsrer Stimmen zwingen.

[9] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. I (1809), 52: In Athen blühte das Theater unter dem Schutze des Götterdienstes in fast unbegränzter Freyheit auf, und die öffentliche Sittlichkeit bewahrte es eine Zeit lang vor Ausartung. Volltext

[10] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. I (1809), 276: Das scherzhafte Ideal besteht [...] in der vollkommnen Harmonie und Eintracht der höhern Natur[1] mit der thierischen, als des herrschenden Prinzips. Vernunft[1] und Verstand[1] werden als freywillige Sklavinnen der Sinne[3] vorgestellt. | Hieraus fließt nothwendig dasjenige, was im Aristophanes so viel Anstoß gegeben hat: die häufige Erinnerung an die niedrigen Bedürfnisse des Körpers, die muthwillige Schilderung des thierischen Naturtriebes, der sich trotz allen Fesseln, welche ihm Sittlichkeit und Anständigkeit anlegen wollen, immer, ehe man sichs versieht, in Freyheit setzt. Volltext

[11] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.2 (1811), 7: Der dichterische Geist[20] bedarf allerdings einer Umgränzung, um sich innerhalb derselben mit schöner[1] Freyheit zu bewegen, wie es alle Völker[1] schon bey der ersten Erfindung des Sylbenmaßes gefühlt haben; er muß nach Gesetzen, die aus seinem eig⟨8⟩nen Wesen herfließen, wirken, wenn seine Kraft nicht ins Leere hinaus verdunsten soll. Volltext

[12] F. Schlegel, G. Forster (1797), 51: Für ein Lehrgebäude mag die gänzliche Freiheit auch von den geringsten Widersprüchen die wesentlichste Haupttugend sein. An dem einzelnen ganzen Menschen aber im handelnden und gesellschaftlichen Leben entspringt diese Gleichförmigkeit und Unveränderlichkeit der Ansichten in den meisten Fällen nur aus blinder Einseitigkeit und Starrsinn, oder wohl gar aus gänzlichem Mangel an eigner freier Meinung und Wahrnehmung. Volltext

[13] F. Schlegel, Less. Ged. u. Mein. II (1804), 16: Mit der Fülle und Gediegenheit des Gedachten muß [...] die Freyheit und Lebendigkeit des Denkens im Verhältniß stehen; [...] der Ideenreichthum eines umfassenden Schriftstellers wird dann erst sich wirksam zeigen, wenn darin zugleich eine große Kraft des eignen Denkens, ein eigenthümliches Gepräge, ein kühn combinirender Geist[20] sichtbar ist. Dieses Combinatorische ist es, was ich [...] als wissenschaftlichen Witz[2] bezeichnete.

[14] F. Schlegel, Less. Ged. u. Mein. III (1804), 7: Ob es Ernst sey mit der Polemik und ihr Ursprung lauter, aus tiefer Sehnsucht nach Wahrheit und muthvoller Freiheit des Selbstdenkens entsprungen, oder ob sie nur anscheinend nachgebildet und unächt sey; das wird am besten daraus klar, ob sie irgendwo stille steht. Die wahre Polemik ist unendlich, nach allen Seiten hin unaufhaltsam progressiv[3]; wo unlautre Nebenabsicht mit einfließt, oder nur ein anempfundner Muth die Täuschung der Freiheit verursacht hatte, da tritt früher oder später ein Stillstand ein, und es geschieht was schon so oft geschehen ist; der letzte Zweifel wird als der erste Glaubenssatz geheiligt, gegen den noch weiter zu zweifeln nun wieder [...] und meist noch weit strenger verboten wird.

[15] Wolzogen, A. v. Lilien I (1798), 327: Der junge Rasen unter unsern Füßen war von klaren Bächen durchschnitten, die sich aus den Felsen ergossen, und mit frischem Grün umkränzt, in sanften Linien durch das Thal rieselten. Die Pappeln und anderes Gesträuche trugen schon zarte ⟨215⟩ Blätter, und der Hagedorn stand in voller Blüthe. Nur an den reinlich gehaltenen Wegen bemerkte man die Hand der Kultur[1] in diesem Thal, in dem sonst die liebliche Freiheit der Natur[2] herrschte.

[16] Aurbacher, Büchl. f. d. Jgd. (1834), 114.

[17] Börne, Nachtr. (*1821; 1829), SS 1, 475.

[18] Börne, Spr. u. Stil (1829), SS 1, 592.

[19] Brockhaus, Conv.-Lex. I (1809), 97.

[20] Brockhaus, Conv.-Lex. IV (1809), 92.

[21] Forkel, Bach (1802), 26.

[22] G. Forster, Cook (*1787; 1789), W 2, 109 f. (110).

[23] Goethe, Wilh. Meister IV (1795), WA I, 22, 36.

[24] Goethe, Wilh. Meister VIII (1796), WA I, 23, 167.

[25] Goethe, Wanderjahre I (1829), WA I, 24, 120 f. (121).

[26] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. II (1834), 310.

[27] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. VI (1836), 120.

[28] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. VI (1836), 487.

[29] Hoven, Lebenserinn. (1840), 192.

[30] Chr. W. Hufeland, Selbstbiogr. (*bis1831), 28.

[31] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (1790), 258.

[32] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (21793), 260.

[33] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (21793), 282.

[34] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (21793), 356 f. (357).

[35] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (21793), 411.

[36] Koch, Compos. I (1782), 167 f. (168).

[37] Krünitz, Oecon. Encycl. XIV (1778; 21786), 6.

[38] A. Müller, Beredsamk. (!1812; 1816), 47 f. (48).

[39] A. Müller, Beredsamk. (!1812; 1816), 207 f. (208).

[40] Schelling, Syst. transsc. Id. (1800), 93.

[41] Schelling, Syst. transsc. Id. (1800), 350 f..

[42] Schelling, Syst. transsc. Id. (1800), 446 f. (447).

[43] Schelling, Philos. d. Kunst (!1803–04), SW I, 5, 440.

[44] Schiller, Malthes. (*?1788\1804), NA 12, 76.

[45] Schiller, Anm. u. Würd. (1793), 174 f..

[46] A. W. Schlegel, Beytr. (1798), 174.

[47] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 16.

[48] A. W. Schlegel, Vorles. üb. Enz. (!1803–04), 312.

[49] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. I (1809), 264.

[50] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.1 (1809), 145.

[51] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.2 (1811), 119 f. (120).

[52] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.2 (1811), 315.

[53] F. Schlegel, Less. Ged. u. Mein. I (1804), 63 f. (64).

[54] F. Schlegel, Less. Ged. u. Mein. I (1804), 332 ff. (334).

[55] F. Schlegel, Less. Ged. u. Mein. III (1804), 3 f. (4).

[56] F. Schlegel, Less. Ged. u. Mein. III (1804), 8.

[57] F. Schlegel, Less. Ged. u. Mein. III (1804), 18.

[58] L. Tieck, Vorr. Minnelied. (1803), XI.

[59] L. Tieck, Vorr. Minnelied. (1803), XII.

[60] Wienbarg, Aesth. Feldzg. (1834), 92.














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