Struktur
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11.
›Fähigkeit, Laute zu erzeugen, lautliches Artikulationsvermögen, (prinzipielles oder aktuelles) Vermögen der Erzeugung von Tönen (zum Ausdruck innerer Zustände), Fähigkeit zum Gebrauch des Stimmorgans‹, genetorochrematosem
⦿ zu
1.
—
Bdv.
:
♦
komplementär:
Ohr3 [
7]. ♦
ähnlich:
Sprache16 [
8]. —
Ktx.
:
♦
Zustand:
Verzauberung ›zeitweilige funktionale Beeinträchtigung‹ [
7]. ♦
Eigenschaftsträger:
¬
Fisch [
1],
Mensch1 [
6],
Papagei [
3],
Tier1 [
5]. ♦
Eigenschaft:
Gewalt [
6],
gesund [
9],
klar (mit impliziter Hypallage ⦿) [
9],
natürlich1 [
3],
schwach [
4]. ♦
Widerfahrnis:
bei jm. lebendig werden [
8],
sich brechen [
2]. ♦
durch Gebrauch hervorgebracht:
Geschrei [
3].
[1]
Adelung, Gramm.-krit. Wb. IV (
21801), 381
: Die meisten Fische haben keine Stimme[11], weil die wenigsten eine Lunge haben, welche zur Stimme[11] unentbehrlich ist. [...] In engerer Bedeutung, die menschliche Stimme[1], wo dieses Wort eigentlich den durch die organischen[1] Sprachwerkzeuge hörbar gemachten Athem bezeichnet, der zur Sprache[11] wird, wenn die Stimme[1] und die einzelnen Laute, die sie umfasset, Zeichen der Empfindungen und Gedanken werden.
[2]
M. Forkel, Maria II (1784), 42
: Marie – sprach er, als schon Stimme und Augen sich brachen – ver – gieb – Wild – berg – wird – Und indem verließ ihn die Sprache[16].
[3]
Brockhaus, Conv.-Lex. VIII (1811), 197 f. (198)
: Der Papagoy, [...] den man nicht mit Unrecht für den Affen unter den Vögeln ansieht, [...] hat wol an 150 verschiedene Gattungen, deren allgemeine Kennzeichen ein gekrümmter Schnabel, [...] kurze Beine und zum Klettern eingerichtete Füße sind. 〈198〉 Die Größe ist sehr verschieden von der Statur eines Haushahns bis herab zu der eines Sperlings. Sie haben mit den Affen ziemlich gleiches Vaterland: Asien, Afrika, Amerika; nur nicht Europa. So ähneln sie auch in ihrem Betragen den Affen, indem sie den Menschen[1] vielfach nachahmen, und sogar gewisse Worte[2] nachsprechen; obgleich ihre natürliche[1] Stimme ein eben nicht angenehmes Geschrei von sich giebt..
[4]
Goethe, Elpenor (1806), WA I, 11, 59
: Ich hoffte, mein Herr, in Spanien solche Herzen zu finden, wie das Ihre ist; das hat mich angespornt den Schritt zu thun. Nirgend, nirgend in der Welt mangelt es an theilnehmenden beistimmenden Seelen; wenn nur einer auftritt, dessen Umstände ihm völlige Freiheit[5] lassen all seiner Entschlossenheit zu folgen. Und o, meine Freunde, ich habe das hoffnungsvolle Gefühl! überall gibt's treffliche Menschen unter den Mächtigen und Großen, und das Ohr[4] der Majestät ist selten taub; nur ist unsere Stimme meist zu schwach bis dahinauf zu reichen..
[5]
Hegel, Fichte u. Schelling (1801), 144
: Wenn es in der anorganischen Natur[2] den Kontraktionspunkt nach aussen in die Kristallisation als eine äussere Idealität setzt; so bildet das Licht in der organischen[3] Natur[2] sich als Innres zur Kontraktion des Gehirns, schon in der Pflanze[1] als Blume, in welcher das innere Licht-Prinzip in Farben sich zerstreut, und in ihnen schnell hinwelkt; aber in ihr, so wie fester im Thier[1] setzt es sich durch die Polarität der Geschlechter[1], subjektiv und objektiv zugleich; das Individuum sucht und findet sich selbst in einem anderen. Intensiver im Inneren bleibt das Licht im Tier[1], in welchem es als mehr oder weniger veränderliche Stimme – seine Individualität als ein subjektives in allgemeiner Mitteilung, sich erkennend und anzuerkennend setzt..
[6]
A. Müller, Beredsamk. (
!1812; 1816), 3 f. (4)
: Wenn die gesammten Staatsge〈4〉schäfte einer Nation[1] mit der Feder abgemacht werden; wenn alle größeren Geister[33] [...] statt der Rednerbühne einen Schreibtisch bereitet finden; wenn die heiligsten und erhabensten[6] Ideen niemals mit der Gewalt, welche die Natur[2] in die Brust des Menschen[1] und in seine Stimme legte, unmittelbar an das Herz der Nation[1] schlagen können; endlich, wenn in der höheren Gesellschaft, wenn da, wo sich alle besonderen Sitten der Nation[1] in eine einzige Sitte vereinigen [...], wo [...] Schicklichkeit und Anstand [...] eine wahre Schule der Beredsamkeit eröffnet hätten – wenn da die Sprache[3] des Landes verdrängt ist von einer fremden[1], wo sollen die Redner herkommen?.
[7]
A. Müller, Beredsamk. (
!1812; 1816), 8 f. (9)
: Ein gewisser allgemeiner Drang zum Vorlesen und Deklamiren der Nationaldichter, so ungeschickt er 〈9〉 sich mitunter auch äußern mag, so vielen Antheil auch zu Zeiten[7] noch die Eitelkeit und der Eigennutz daran haben mögen, ist dennoch ein erfreuliches Zeichen, daß sich die Verzauberung unsres Ohrs[3] und unsrer Stimme wieder allmählich lösen will und daß unsre schöne[2] Literatur von dem lebendigen Odem der Rede wieder ergriffen werden soll. Würde in der Erziehung die Hälfte des ungebührlichen Eifers, den man in neueren[3] Zeiten[3] auf den Mechanismus des Lesenlernens gewendet hat, auf den Ausdruck des Tons[1] und die Geberde der Brust und der Seele im Lesen gewandt, so würde der deutschen Redekunst damit vielleicht mehr gedient als mit Vorlesungen über die Beredsamkeit..
[8]
Novalis, Aftdg II (*1799–1800), 167
: Nichts war übriggeblieben, als ein stilles inniges Sehnen und ein Klang wehmüthiger Klang im AllerInnersten. Aber die wilden Quallen der Einsamkeit, die herbe Pein eines unsäglichen Verlustes, die trübe, entsezliche Leere, die irrdische Ohnmacht war gewichen, und der Pigrimm sah sich wieder in einer vollen, bedeutsamen Welt. Stimme und Sprache[16] waren wieder lebendig bey ihm geworden und es dünkte ihm nunmehr alles viel bekannter und weissagender, als ehemals, so daß ihm der Tod, wie eine höhere Offenbarung des Lebens, erschien, und er sein eignes, schnellvorübergehendes Daseyn mit kindlicher, heitrer[5] Rührung betrachtete..
[9]
R. Schumann, Tageb. II (*1838), 68
: [Z]uletzt kam Frau[8] v. Berge, eine robuste stattliche höchst angenehme Frau[1] mit klarer gesunder Stimme [...]..