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Semantik 
3. ›Prestige, Relevanz, herausgehobene Position, soziale Anerkennung, Ansehen, Ruhm, Ehre‹ einer Person (in diesem Fall teilweise Voraussetzung für Adel1) oder Sache; ütr. von 1. Eine Person erwirbt Adel3 durch bedeutende Taten oder Leistungen z. B. in Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, auch durch unerschütterliches Handeln nach moralischen Grundsätzen [1, 2, 4], nach F. Schlegel auch in erotischen Abenteuern [10]. Der bedeutende lyrische Dichter kann seinen literarischen Gegenständen Adel3 verleihen, indem er sie aus subjektiver Perspektive behandelt, d. h. sie mit seiner Persönlichkeit prägt [7].
Belege 
[1] Fichte, Urth. d. Publ. (1793), SW 6, 190 f. (191): Der Meinungsadel entsteht nothwendig, wo Menschenstämme in fortdauernder Verbindung und Bekanntschaft leben. Es ist fast kein Gegenstand, worauf er nicht haften könne. Es giebt einen Gelehrten-Adel. Zwar hinterlassen grosse Gelehrte selten Kinder; [...] aber wer kann einen ihm unbekannten Luther sehen, ohne in ihm einen Nachkommen jenes grossen deutschen Mannes zu vermuthen, und seine nähere Aufmerksamkeit auf ihn zu richten. Es giebt einen Kaufmanns-Adel – und wir würden bei Nennung gewisser Namen, die in der Geschichte[2] der Handlung[4] verewigt sind, öfter die Nachkommen der Männer zu erblicken glauben, welche sie verewigten, wenn nicht das vorgesetzte „Graf,“ oder „Freiherr,“ oder „von“ ⟨191⟩ uns diesen Gedanken verböte *); oder wenn nicht etwa gar der würdige Name sich höchst unähnlich erschiene – wenn nicht etwa der Mann sich in einen Berg oder in ein Thal, oder in eine Ecke umgewandelt hätte. – Es giebt einen Adel tugendhafter Grossthaten – Jeder, der seinem Namen eine gewisse Berühmtheit giebt, pflanzt mit diesem Namen zugleich die Berühmtheit desselben auf sein Geschlecht fort.

 

*) Dass doch noch immer der berühmte Kaufmann nach der Ehre geizt, ein unberühmter Edelmann zu seyn! Fern sey und bleibe doch von würdigen deutschen Gelehrten diese Entadelung ihrer erlauchten Namen!


[2] Hegel [Hotho], Aesth. III (1838), 443: Pindar [...] ehrt [...] in seinen Gedichten nicht sowohl den Helden durch den Ruhm, den er über ihn verbreitet, sondern er läßt sich, den Dichter, hören. Nicht er hat die Ehre gehabt, jene Sieger zu besingen, sondern die Ehre, die sie erhalten, ist, daß Pindar sie besungen hat. Diese hervorragende innere Größe macht den Adel des lyrischen Dichters aus. Homer ist in seinem Epos als Individuum so sehr aufgeopfert, daß man ihm jetzt nicht einmal eine Existenz überhaupt mehr zugestehn will, doch ⟨444⟩ seine Heroen leben unsterblich fort; Pindar's Helden dagegen sind uns leere Namen geblieben, Er selbst aber, der sich gesungen und seine Ehre gegeben hat, steht unvergeßlich als Dichter da; der Ruhm, den die Helden in Anspruch nehmen dürfen, ist nur ein Anhängsel an dem Ruhme des lyrischen Sängers. – Auch bei den Römern erhält sich der lyrische Dichter zum Theil noch in dieser selbstständigen Stellung. Volltext

[3] Hirschfeld, Gartenkunst I (1779), 140: Die Wichtigkeit oder der Adel eines Gebäudes muß sich durch alle Theile seiner Nachbarschaft ankündigen. Volltext

[4] Fichte, Urth. d. Publ. (1793), SW 6, 189.

[5] Goethe, Dicht. u. Wahrh. IV (*1821\31; 1833), WA I, 29, 76.

[6] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 240.

[7] Hegel [Hotho], Aesth. III (1838), 459 f. (460).

[8] Schiller, Tell (1804), NA 10, 170, V. 920.

[9] F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 28, Nr. 115.

[10] F. Schlegel, Lucinde (1799), 263.














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