Wortliste
Struktur
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Semantik 
3. zu Ironie3: ›humorvoll, heiter-überlegen; mit der Neigung, nichts, auch nicht sich selbst, vollständig ernst zu nehmen; mit Distanz zum Darstellungsgegenstand‹. Ironisch3 lächeln kann jemand, der ein herbes Schicksal mit heiterer5 Gelassenheit erträgt [4]. – Eine ironische3 Rezeptionshaltung schließt jeden unmittelbar emotionalen Zugang zu einem Gegenstand aus [6]. – Hegel zufolge erscheint die ironische3 Gebrochenheit als eine permanente Distanzierung nicht nur von bestimmten Phämomenen oder Positionen, sondern von allem, und damit als Prinzipienlosigkeit [1, 2, 9, 10]. Darin unterscheidet sich das Ironische3 vom Komischen, indem letzteres nur das moralisch Substanz- und Wertlose der Lächerlichkeit preisgibt, ersteres hingegen dies auch bei unbezweifelbaren moralischen Werten wie Pflichten, sittlichen Gesetzen, Handlungen1, Gesinnungen [8] tut, so dass es selbst als moralisch substanz- und wertlos erscheint [10]. Festigkeit, Ernst und Tüchtigkeit des Charakters1 wird ironischen3 Künstlern bzw. Philosophen abgesprochen [2]; die ironische3 Sublimation zur Inhaltslosigkeit und Sehnsucht führt in der Kunst zu Charakterlosigkeit, Inkonsequenz und Zufälligkeit sowie aufgespreizter Nüchternheit [7]. Für Goethe allerdings vermittelt die Lektüre eines ironischen3 Werkes den Besitz einer wahrhaft poetischen1 Welt [5]. Für F. Schlegel gilt Goethes Wilhelm Meister als ironische3 Poesie11, weil es sich dabei um selbstreflexive Literatur (Poesie11 der Poesie11) handelt [15].
Belege 
[1] Hegel, Phil. d. Rechts (1821 [1820]), 150 ff. (152): Die hier ⟨150⟩ noch zu betrachtende Spitze der sich als das Letzte erfassenden Subjectivität kann nur dieß seyn, sich noch ⟨151⟩ als jenes Beschließen und Entscheiden über Wahrheit, Recht und Pflicht zu wissen, welches in den vorhergehenden Formen schon an sich vorhanden ist. Sie besteht also darin, das Sittlich-objective wohl zu wissen, aber nicht sich selbst vergessend und auf sich Verzicht thuend in den Ernst desselben sich zu vertiefen und aus ihm zu handeln, sondern in der Beziehung darauf dasselbe zugleich von sich zu halten und sich als das zu wissen, welches so will und beschließt und auch eben so gut anders wollen und beschließen kann. – Ihr nehmt ein Gesetz in der That und ehrlicherweise als an und für sich seyend, Ich bin auch dabei und darin, aber auch noch weiter als Ihr, ich bin auch darüber hinaus und kann es so oder so machen. Nicht die Sache ist das Vortreffliche, sondern Ich bin der Vortreffliche und bin der Meister über das Gesetz und die Sache, der damit, als mit seinem Belieben, nur spielt und in diesem ironischen Bewußtsein, in welchem Ich das Höchste untergehen lasse, nur mich genieße. – Diese Gestalt ist nicht nur die Eitelkeit alles sittlichen Inhalts der Rechte, Pflichten, Gesetze – das Böse, und zwar das in sich ganz allgemeine Böse –, sondern sie thut auch die Form, ⟨153⟩ die subjective Eitelkeit, hinzu, sich selbst als diese Eitelkeit alles Inhalts zu wissen und in diesem Wissen sich als das Absolute zu wissen.

[2] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 89 f. (90): Solger war nicht [...] mit oberflächlicher philosophischer Bildung[15] zufrieden, sondern sein ächt spekulatives innerstes Bedürfniß drängte ihn in die Tiefe der philosophischen Idee hinabzusteigen. Hier kam er auf das dialektische Moment der Idee, auf den Punkt, den ich „unendliche absolute Negativität“ nenne, auf die Thätigkeit der Idee, sich als das Unendliche und Allgemeine zu negiren zur Endlichkeit ⟨90⟩ und Besonderheit, und diese Negation ebenso sehr wieder aufzuheben, und somit das Allgemeine und Unendliche im Endlichen und Besondern wieder herzustellen. An dieser Negativität hielt Solger fest, und allerdings ist sie ein Moment in der spekulativen Idee, doch als diese bloße dialektische Unruhe und Auflösung des Unendlichen wie des Endlichen gefaßt, auch nur ein Moment, nicht aber, wie Solger es will, die ganze Idee. Solger's Leben ist leider zu frühe abgebrochen, als daß er hätte zur konkreten Ausführung der philosophischen Idee kommen können. So ist er bei dieser Seite der Negativität, die mit dem ironischen Auflösen des Bestimmten wie des in sich Substantiellen Verwandtschaft hat, und in welcher er auch das Princip der Kunstthätigkeit erblickte, stehen geblieben. Doch in der Wirklichkeit seines Lebens war er bei der Festigkeit, dem Ernst und der Tüchtigkeit seines Charakters[1], weder selber in der obengeschilderten Weise ein ironischer Künstler, noch sein tiefer Sinn[5] für wahrhafte Kunstwerke[1], den das dauernde Studium der Kunst[10] groß gezogen hatte, in dieser Beziehung von ironischer Natur[1]. Soviel zur Rechtfertigung Solgers, der es in Rücksicht auf Leben, Philosophie und Kunst[17] verdient von den bisher bezeichneten Aposteln der Ironie[3] unterschieden zu werden. Volltext

[3] Arndt, Erinn. (1840), 311.

[4] B. v. Arnim, Briefw. Kind III (1835), 149.

[5] Goethe, Dicht. u. Wahrh. II (1812), WA I, 27, 346.

[6] Gutzkow, Wally (1835), 20.

[7] Hegel, Solger (1828), W 11, 213 f. (214).

[8] Hegel, Solger (1828), W 11, 259.

[9] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 85 f. (86).

[10] Hegel [Hotho], Aesth. I (1835), 87 f..

[11] Hegel [Hotho], Aesth. III (1838), 502.

[12] Heine, Romant. Schule (1836), 165.

[13] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. IX (1837), 474.

[14] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.2 (1811), 320 f. (321).

[15] F. Schlegel, Philos. Lehrj. II (*1796–97), KFSA 18, 24, Nr. 75.














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