Wortliste
Struktur
(Wenn Sie im oberen Fenster »Wortliste« ein Stichwort auswählen, erscheint hier ein Überblick über die Gliederung des betreffenden Wortartikels.)
Semantik 
10. ›mittelalterlich, das Mittelalter (von der Völkerwanderung bis ins 16. Jahrhundert, prototypisch: das hohe Mittelalter) betreffend, in diesem Zeitraum verortet, aus ihm stammend, bis in ihn zurückreichend‹, hyposem (Spezialisierung) zu 9. Prototypisch erscheint im romantischen Diskurs das christliche Mittelalter als r. [3]; bei Autoren, die der Romantik kritisch gegenüberstehen (z. B. Heine, Wienbarg) begegnet – in polemischer Absicht – eine Gleichsetzung von r. mit der christlichen (katholischen) Literatur und Kunst [1, 8, 21].
Belege 
[1] Heine, Romant. Schule (1836), 21 f.: Wenn Homer die Rüstung eines Helden schildert, so ist es eben nichts anders als eine gute Rüstung, die so und so viel Ochsen werth ist; wenn aber ein Mönch des Mittelalters in seinem Gedichte die Röcke der Muttergottes beschreibt, so kann man sich darauf verlassen, daß er sich unter diesen Röcken eben so viele verschiedene Tugenden denkt, daß ein besonderer Sinn[2] verborgen ist unter diesen heiligen Bedeckungen der unbefleckten Jungfrauschaft Mariä, welche auch, da ihr Sohn der Mandelkern ist, ganz vernünftigerweise als Mandelblüthe besungen wird. Das ist nun der Charakter[1] der mittelalterlichen Poesie[11], die wir die romantische[10/5] nennen. | ⟨22⟩ Die klassische[6/5] Kunst[3] hatte nur das Endliche darzustellen, und ihre Gestalten konnten identisch seyn mit der Idee des Künstlers. Die romantische[10/5] Kunst[3] hatte das Unendliche und lauter spiritualistische Beziehungen darzustellen oder vielmehr anzudeuten, und sie nahm ihre Zuflucht zu einem System tradizioneller Symbole, oder vielmehr zum Parabolischen, wie schon Christus selbst seine spiritualistischen Ideen durch allerley schöne Parabeln deutlich zu machen suchte. Daher das Mystische, Räthselhafte, Wunderbare und Ueberschwengliche in den Kunstwerken[2] des Mittelalters; die Phantasie[2] macht ihre entsetzlichsten Anstrengungen das Reingeistige durch sinnliche Bilder darzustellen, und sie erfindet die kolossalsten Tollheiten, sie stülpt den Pelion auf den Ossa, den Parcival auf den Titurel, um den Himmel zu erreichen. Volltext

[2] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 8: Übrigens liegt unserm Geist[15] und Gemüth unstreitig die romantische Poesie[11] näher als die classische[6] [...].

[3] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 73: [W]enn wir die romantischen Dichter gehörig fühlen wollen, müssen wir uns in ihre christliche Ansichten wenigstens versetzen können, und in diesem Sinne reden über Religionskriege die größten ja auch die tugendhaftesten Dichter der Vorzeit, ein Dante, Petrarca, Camoens, Tasso, Calderon und andere.

[4] F. Schlegel, Gesch. d. europ. Lit. (!1803–04), KFSA 11, 85: Für die neueren[3] dramatischen Dichter verdienen wohl die Gegenstände aus der romantischen Zeit[3] den Vorzug. Sie liegt gerade in der ⟨86⟩ Mitte [...].

[5] F. Schlegel, Dt. Gramm. (*1805), KFSA 17, 26, Nr. 132: Unsre Lettern sind die romantisch[en] (gleichen ganz und gar der gothischen Baukunst)[.]

[6] Goethe, Dicht. u. Wahrh. I (1811), WA I, 26, 317.

[7] v. d. Hagen, Vorr. Lit. Grdriß (1812), VI.

[8] Heine, Romant. Schule (1836), 58.

[9] Novalis, Fragm. u. Stud. (*1800), NS 3, 646, Nr. 534.

[10] Novalis, Aftdg I (*1799–1800; 1802), 15.

[11] Schelling, Philos. d. Kunst (!1803–04), SW I, 5, 683.

[12] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 117 (2).

[13] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 65.

[14] A. W. Schlegel, Vorles. üb. Enz. (!1803–04), 346.

[15] F. Schlegel, an L. Tieck (25. 9. 1802), L, 115.

[16] F. Schlegel, an A. W. Schlegel (27. 2. 1806), KJ 1, 295.

[17] L. Tieck, W. Lovell I (1795), 85.

[18] Wackenroder, an seine Eltern (24. 6. 1793), VL 2, 188.

[19] Wienbarg, Aesth. Feldzg. (1834), 19.

[20] Wienbarg, Aesth. Feldzg. (1834), 110.

[21] Wienbarg, Aesth. Feldzg. (1834), 193.














110072 Besucher bislang. :: Admin Login