Wortliste
Struktur
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Semantik 
14. ›mittelalterlich, das Mittelalter (von der Völkerwanderung bis ins 16. Jahrhundert, prototypisch: das hohe Mittelalter) betreffend, in diesem Zeitraum verortet, aus ihm stammend, bis in ihn zurückreichend‹, hyposem ⦿ zu 13. Prototypisch erscheint im romantischen Diskurs das christliche Mittelalter als r. [6]; bei Autoren, die der Romantik kritisch gegenüberstehen (z. B. Heine, Wienbarg) begegnet – in polemischer Absicht – eine Gleichsetzung von r. mit der christlichen (katholischen) Literatur und Kunst [2, 15, 40]. Durch die Abgrenzung von der Gegenwart des Untersuchungs­zeit­raums lässt r. einen zeitkritischen Aspekt (kritisch hinsichtlich der eigenen Gegenwart) erkennen [36]; F. Schlegel vertritt die Ansicht, in einem unromantischen Zeitalter zu leben (vgl. 1 [19]), A. W. Schlegel setzt gelegent­lich die modernen7 und unromantischen Romane einander gleich (vgl. modern7 [31]), Novalis behauptet von Goethes [[[LiteraturVerweis ID='957' Anzeige='Wilhelm Meister' Formatierung='2']]], dass darin das Romantische zu Grunde gehe (vgl. modern5 [3]). An der r.en Poesie11 schätzt die Romantik den heiligen Sinn[1/12], die zauberische Gluth der Phantasie[20/21] und Liebe, die Kraft und die kindliche Einfalt – Qualitäten, die als Gegenmodell zu dem für sich allein gebietenden Verstand1, zum Utilitarismus der eigenen Gegenwart gelten [26]. – Extensional kann mit r. ein postantiker Baustil, am ehesten eine Ausprägung der Gotik gemeint sein [3, 4]. Das Adjektiv r. weist hier allerdings offenbar keine Tendenz zur Terminologisierung auf. Anders als bei r.16, das synonym zu romanisch1 erscheint, gibt es zumindest keine Synonymie zwischen r. und romanisch4, da diese architekturbezogene Verwendung von romanisch erst im letzten Drittel des Untersuchungszeitraums als französische Lehnbe­deutung im Deutschen auftaucht: zu einem Zeitpunkt, als die Polysemierungstendenzen der frühroman­tischen Theoriebildung kaum noch wirksam sind und eine Überlagerung mit romantisch – das nun bereits in seiner terminologienahen literaturhistorischen Bedeutung (15) gebräuchlich ist und daher für die mittelalter­bezogene architekturhistorische Terminologiebildung kaum mehr geeignet erscheinen kann – nicht erfolgt.
Belege 
[1] Brockhaus, Bild.-Conv.-Lex. III (1839), 161: [D]ie der christlichen Zeit[3] eigenthümliche Richtung von Poesie[1] und Kunst[4] [wird] im Gegensatze des Antiken[2] [...] eine moderne[1] genannt und als Haupteigenschaft derselben die im Mittelalter und vorzüglich mit dem 12. Jahrh. sich geltend machende Romantik[8] angenommen, für die aber am Ende des Mittelalters durch das erneuerte Studium der Literatur und Kunst[4] der Alten[10] [...] eine neue[1] Periode anhob, welche auch vorzugsweise als die moderne[8] und dann die vorhergehende als die romantische bezeichnet wird.

[2] Heine, Romant. Schule (1836), 21 f.: Wenn Homer die Rüstung eines Helden schildert, so ist es eben nichts anders als eine gute Rüstung, die so und so viel Ochsen werth ist; wenn aber ein Mönch des Mittelalters in seinem Gedichte die Röcke der Muttergottes beschreibt, so kann man sich darauf verlassen, daß er sich unter diesen Röcken eben so viele verschiedene Tugenden denkt, daß ein besonderer Sinn[3] verborgen ist unter diesen heiligen Bedeckungen der unbefleckten Jungfrauschaft Mariä, welche auch, da ihr Sohn der Mandelkern ist, ganz vernünftigerweise als Mandelblüthe besungen wird. Das ist nun der Charakter[1] der mittelalterlichen Poesie[11], die wir die romantische[14/9] nennen. | ⟨22⟩ Die klassische[7/6] Kunst[3] hatte nur das Endliche darzustellen, und ihre Gestalten konnten identisch seyn mit der Idee des Künstlers. Die romantische[14/9] Kunst[3] hatte das Unendliche und lauter spiritualistische Beziehungen darzustellen oder vielmehr anzudeuten, und sie nahm ihre Zuflucht zu einem System tradizioneller Symbole, oder vielmehr zum Parabolischen, wie schon Christus selbst seine spiritualistischen Ideen durch allerley schöne Parabeln deutlich zu machen suchte. Daher das Mystische, Räthselhafte, Wunderbare und Ueberschwengliche in den Kunstwerken[3] des Mittelalters; die Phantasie[3] macht ihre entsetzlichsten Anstrengungen das Reingeistige durch sinnliche Bilder darzustellen, und sie erfindet die kolossalsten Tollheiten, sie stülpt den Pelion auf den Ossa, den Parcival auf den Titurel, um den Himmel zu erreichen. Volltext

[3] Klein, Rheinreise (1828), 201: Gegen den Laacher See hin und die Lavabrüche von Niedermendig, da, wo die Bergfläche zur romantischen[3/14] Genovefakirche sich senkt, liegt schon der Silberschleier des Abenddufts über der Gegend. Aus demselben ragen, zu den Wolken anstrebend, die stolzen Felskuppen der Hochsimmer bei Mayen, des Etringerkopfes ⟨202⟩ und des Gänsehalses hervor, uralte Vulkankrater, vom Abendgolde beglänzt. Hinter ihnen, in einer Entfernung von fünfzehn bis sechszehn Stunden, scheinen der Basaltgipfel der Hohenacht, mehr als zweitausend Fuß über der Meeresfläche erhaben[1], die Nürburgfirste und der Hochkellberg, wahre Olympswächter, das Aethergewölb zu tragen.

[4] Klenze, Tosk. Tempel (1821), 22 f.: Ohne der [...] Aehnlichkeit toskanischer und teutscher[1] Kunst[12] im Allgemeinen [...] hier zu erwähnen, führen wir [...] an, daß nur in Toskana, wo teutscher[1] Ernst und sinniges Wesen heimisch sind, der in Teutschland zur größten Vollendung gebrachte Styl der romantischen Architektur, unter dem Namen des modo tedesco ausgeübt, seine erste und reinste Anwendung finden konnte [...], während sich doch hier mehr auf der Wurzel römischer und griechischer[2] ⟨23⟩ Kunst[12], ein romantischer Styl gebildet hatte, welcher jenem weder an Reitz noch an Ausbildung nachsteht.

[5] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 8: Übrigens liegt unserm Geist[13] und Gemüth unstreitig die romantische Poesie[11] näher als die classische[7] [...].

[6] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 73: [W]enn wir die romantischen Dichter gehörig fühlen wollen, müssen wir uns in ihre christliche Ansichten wenigstens versetzen können, und in diesem Sinne reden über Religionskriege die größten ja auch die tugendhaftesten Dichter der Vorzeit, ein Dante, Petrarca, Camoens, Tasso, Calderon und andere.

[7] F. Schlegel, Gesch. d. europ. Lit. (!1803–04), KFSA 11, 85: Für die neueren[3] dramatischen Dichter verdienen wohl die Gegenstände aus der romantischen Zeit[3] den Vorzug. Sie liegt gerade in der ⟨86⟩ Mitte [...].

[8] F. Schlegel, Dt. Gramm. (*1805), KFSA 17, 26, Nr. 132: Unsre Lettern sind die romantisch[en] (gleichen ganz und gar der gothischen Baukunst)[.]

[9] Brockhaus, Conv.-Lex. VI (1809), 378.

[10] Brockhaus, Bild.-Conv.-Lex. III (1839), 734.

[11] Chézy, Gem. Boiß. (*1813; 1818), XI.

[12] Goethe, Dicht. u. Wahrh. I (1811), 476.

[13] v. d. Hagen, Vorr. Lit. Grdriß (1812), VI.

[14] Heine, Romant. Schule (1836), 19.

[15] Heine, Romant. Schule (1836), 58.

[16] Herder, Engl. u. dt. Dichtk. (1777), 423 f. (424).

[17] Klein, Rheinreise (1828), 56.

[18] Novalis, Fragm. u. Stud. (*1799), NS 3, 573, Nr. 132.

[19] Novalis, Fragm. u. Stud. (*1800), NS 3, 646, Nr. 534.

[20] Novalis, Aftdg I (*1799–1800; 1802), 15.

[21] Pückler-Muskau, Brf. Verstorb. II (1830), 306 f. (307).

[22] Pückler-Muskau, Andeut. Landsch. (1834), 46.

[23] Rottmanner, Krit. Jacobi (1808), 21.

[24] Rottmanner, Krit. Jacobi (1808), 22.

[25] Rottmanner, Krit. Jacobi (1808), 29 f. (30).

[26] Rottmanner, Krit. Jacobi (1808), 35 f. (36).

[27] Rottmanner, Krit. Jacobi (1808), 42.

[28] Schelling, Philos. d. Kunst (!1803–04), SW I, 5, 683.

[29] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 117 (2).

[30] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 65.

[31] A. W. Schlegel, Vorles. üb. Enz. (!1803–04), KAV 3, 346.

[32] F. Schlegel, an A. W. Schlegel (27. 2. 1806), KJ 1, 295.

[33] F. Schlegel, Brf. Niederld. (1806), 351.

[34] Solger, Erwin I (1815), 213.

[35] L. Tieck, an Wackenroder (12. 6. 1792), VL 2, 51.

[36] L. Tieck, W. Lovell I (1795), 85.

[37] Wackenroder, an seine Eltern (24. 6. 1793), VL 2, 188.

[38] Wienbarg, Aesth. Feldzg. (1834), 19.

[39] Wienbarg, Aesth. Feldzg. (1834), 110.

[40] Wienbarg, Aesth. Feldzg. (1834), 193.














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