Wortliste
Struktur
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Semantik 
3. ›vorgeblich in Briefform verfasster Text‹: literarische, kritische oder philosophische Textsorte, zu deren Spezifika ein fiktionaler Verfasser (bei kritischen und philosophischen Briefen3 in der Regel gleichgesetzt mit dem realen Verfasser) sowie eine ebenfalls fiktionale – teils anonym bleibende – Einzelperson oder auch Personengruppe als Adressat bzw. Adressatengruppe gehört. Als Adressaten können auch reale Personen fungieren (was an der prinzipiellen Fiktionalität des Briefs3, der in Wirklichkeit ohnehin auf ein größeres Lesepublikum zielt, nichts ändert). Spezialisierung zu 1. Dem Brief3 kann ein Brief1 (vgl. dort) zugrunde liegen; in der Regel ist nicht zu überprüfen, ob die Behauptung, dass dies so sei, einen realen Hintergrund hat [1 ⦿]. Als Textsorte wird der Brief3 verschiedentlich reflektiert. Sulzer [4] schreibt seine Erfindung als literarische Gattung dem Ovid zu. Für F. Schlegel ist der Brief3 eine der wichtigsten Buchformen und äußerst romantisch1 [15]; Schelling hält Romane in Brief3-Form für dem Charakter1 des Romans nicht angemessen [9]; die Vielzahl solcher Romane lässt spätestens in den 1830er Jahren diese Gattung als unbeliebt erscheinen [7]. Für Bernhardi ist der Dialog als Darstellungsform philosophischer Inhalte dem Brief3 vorzuziehen [5].
Belege 
[1] Reichardt, Com. Op. (1774), 98: Um auch den Dichtern unsrer comischen Opern wenigstens in Ansehung der Versification etwas zu sagen, hänge ich dieser kleinen Schrift einen freundschaftlichen Brief über die musikalische[1] Poesie[3] an, den ich kürzlich an meinen Freund geschrieben. Die Herren werden ihn sich so gefallen lassen, wie er ist; ich habe weder Zeit noch Lust, ihn in irgend einem Stück abzuändern.

[2] D. Schlegel, Gespr. Rom. Frz. (1803), 102: Was Du von der Briefform sagst [...], ist [...] in der Amalia von Mansfield weit besser getroffen; die meisten Briefe darin haben, wie die Richardsonischen, das Verdienst der Wahrheit [...].

[3] Sulzer, Allg. Theor. I (1771), 327: Hierüber findet man verschiedene richtige Betrachtungen in den Briefen über die neueste Litteratur.

[4] Sulzer, Allg. Theor. I (1771), 534: Es ist kein geringes Verdienst an dem Ovidius, (sagt ein sehr scharfsinniger englischer Kunstrichter [...]) daß er die schöne Methode erfunden hat, unter erdichteten Charaktern[7] Briefe zu schreiben. Es ist eine große Verbesserung der griechischen Elegie, über welche die dramatische Natur[1] jener Schreibart einen ungemeinen Vorzug erhielt.

[5] A. F. Bernhardi, Sprachlehre II (1803), 219 f. (220).

[6] Brockhaus, Conv.-Lex. III (1809), 357.

[7] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. II (1834), 188.

[8] Scheibe, Musik. Compos. (1773), 15.

[9] Schelling, Philos. d. Kunst (!1803–04), SW I, 5, 675.

[10] Schiller, an Körner (22. 4. 1787), NA 24, 93.

[11] Schiller, Ästh. Erzieh. (1795), NA 20, 309.

[12] Schiller, an Sophie Mereau (4 (?). 7. 1797), NA 29, 96.

[13] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (
!
1798–99), KAV 1, 132.

[14] F. Schlegel, Lucinde (1799), 13 f. (14).

[15] F. Schlegel, Philos. Lehrj. VII (*1803), KFSA 18, 494, Nr. 222.

[16] A. W. Schlegel/F. Schlegel, Vorerinn. (1798), III.

[17] Sulzer, Allg. Theor. I (1771), 347.

[18] Sulzer, Allg. Theor. I (1771), 492.

[19] Sulzer, Allg. Theor. II (1774), 691.














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