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Semantik 
2. ›als widersinnig erscheinendes, unfreiwillig (und gegebenenfalls gegen den Willen des Betrachters) komisch wirkendes Begegnis, Geschehen, überhaupt Phänomen, das wie die Auswirkung oder das Ergebnis des Spiels, der Laune einer höheren Macht erscheint‹; Spezialisierung zu 1.
Belege 
[1] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. IX (1837), 473 f. (474): Nicht das Talent, nicht seine, keineswegs ⟨474⟩ so gewichtige eigene Bedeutung ist es, was uns so lange bei Eugen S[ue] verweilen läßt; allein er bezeichnet sehr treffend und eigendst die wüste und sinnauflösende Richtung einer romantischen[3] Schule, welche vor einigen Jahren zuerst in Frankreich ihr skeptisches Haupt erhob, einer neuen Göttin, der Gräßlichkeit, glänzende Altäre baute und der mit Blut geschminkten Muse einen neuen Kranz seltener Art wand aus Rosen und Eingeweiden, aus Lilien und zerstückten Gliedern. Die sogenannte Ironie des Schicksals wurde das wiederkäuende Thema eines sich selbst genießenden Ekels; und wenn die untergehende Sonne wie eine geweihte Rose alle die heiligen Ahnungen der Unendlichkeit liebend entduftete, wenn die Sterne in der schweigenden Mitternacht vorübereilten auf ihren tausendjährigen Bahnen und sich stumm, aber verständnißinnig mit den silbernen Augen zuwinkten gleich ewigen Glaubenshelden der Weltenharmonie: – da sah die neue Romantik in allen diesen Wundern der Schöpfung nur ein Fläschchen voll Opiums, dessen Genuß wollüstig die Adern durchrauscht und uns in den lieblichtäuschenden Traum wiegt von Glauben und Liebe, von Hoffnung und Gerechtigkeit.

[2] Pückler-Muskau, Brf. Verstorb. IV (1830), 71: Also gräme sich Niemand unnütz darüber, wenn er auch weder verdient noch begreift, warum es ihm besser oder schlechter als Andern geht. Das Schicksal liebt einmal diese bittere Ironie – drum pflückt, o Menschen, die Blumen kindlich so lange sie blühn, theilt ihren Duft wo ihr könnt, auch Andern mit, und bietet männlich dem eignen Schmerz eine eherne Brust.

[3] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 58: Das einzige Verdienst, welches ihn [sc. J. Chr. Gottsched] wirklich überlebt und mehr Realität gehabt hat, als bloß in der Meynung seiner Zeitgenossen, ist das grammatische um die Deutsche Sprache[3]. Damals hielt man ihn aber in jeder Hinsicht für einen vollendeten Geist[31] als Gelehrten, Philosophen, Kritiker und Dichter, und er gelangte in Sachen des Geschmacks zu einem so unumschränkten Ansehen, zu einer wahren Dictatur in ganz Deutschland. Auch mit dem Theater befaßte er sich sehr, in Verbindung mit einer gewissen Madame Neuber, welche damals ein Theater in Leipzig dirigirte, schaffte er den Hanswurst ab, und sie beerdigten ihn feyerlich mit großem Triumph. Gern will ich glauben, daß das Improvisiren des Lustigmachers in den Comödien, durch schlechte Ausführung sehr heruntergekommen war, allein ohne Zweifel hatte Hanswurst auch so noch in seinem kleinen Finger mehr Verstand als Gottsched in seinem ganzen Leibe, und durch eine grausame Ironie des Schicksals mußte nun Gottsched selbst der Hanswurst der Deutschen Literatur werden, der sprüchwörtlich für einen lächerlichen geistlosen Pedanten angeführt wurde.

[4] Hegel, Phän. d. Geist. (1807), 418.

[5] Hegel, Phän. d. Geist. (1807), 693.

[6] Hoffmann, Elix. d. Teuf. II (1816), PW 2, 366.

[7] Immermann, Epigon. (1836), W 2, 559.

[8] Pückler-Muskau, Brf. Verstorb. II (1830), 325.

[9] D. Schlegel, an A. W. Schlegel (24. 2. 1810), KJ 2, 117.














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