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Semantik 
3. ›Prüfung der Echtheit eines Kunstgegenstandes, vor allem eines literarischen Textes (z. B. hinsichtlich verschiedener Fassungen, auch einzelner Lesarten)‹, Spezialisierung zu 1; dann auch im weiteren Sinne ›historisch-philologische Untersuchung‹ [25, 26]. Als Kritik3 gilt auch die Prüfung, welche Anteile an einem Kunstwerk ein bestimmter Künstler hat [5]. Als ergänzende Kritik3 gilt der fachmännische Vergleich verschiedener Kunstwerke oder Teile eines Kunstwerks, um dadurch zu Konjekturen bezüglich verloren gegangener Werke oder Werkteile zu gelangen [12, 22]. Bei Friedrich Schlegel wird unter Kritik3 eine materiale Altertumslehre verstanden [6], die im Zusammenhang des Konzepts der humanistischen Bildung2 als Voraussetzung einer Erziehung des Menschen zum Klassischen2 erscheint.
Belege 
[1] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (
2
1796), 1792: Die Kritik, plur. die -en, aus dem Griech. und Lat. Critica. 1) Die Kunst oder Wissenschaft, die richtige Leseart und den Sinn der alten Schriftsteller zu bestimmen [...]; ohne Plural. 2) Die Anwendung derselben in einzelnen Fällen [...]; mit dem Plural.

[2] Brockhaus, Conv.-Lex. I (1809), 27: Die Academie Royale des Inscriptions et Medailles [...] rührte von dem großen Colbert her, und beschäftigte sich größten Theils mit Geschichte[1], Alterthümern[7] und Kritik.

[3] Goethe, an Schiller (22. 4. 1797), WA IV, 12, 94: Woltmanns Menschengeschichte ist freylich ein seltsames Werk. Der Vorbericht liegt ganz außer meinem Gesichtskreise, das ägyptische Wesen kann ich nicht beurtheilen, aber wie er bey Behandlung der Israelitischen Geschichte das alte Testament, so wie es liegt, ohne die mindeste Kritik, als eine reine Quelle der Begebenheiten annehmen konnte, ist mir unbegreiflich. Die ganze Arbeit ist auf Sand gebaut [...].

[4] Herder, Gott (
2
1800), SW 16, 464: In der Kritik hat man die Probe, daß was in Prose[1] Unsinn ist, es auch in Versen seyn müsse [...].

[5] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. I (1809), 197: [J]edermann weiß, welche scharf sondernde Kritik dazu gehört, um z. B. bey vielen Bildern Raphaels auszumachen, wie viel davon eigentlich von ihm selbst herrührt.

[6] F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 124, Nr. 404: Zur Philologie muß man gebohren seyn, wie zur Poesie[11] und zur Philosophie. Es giebt keinen Philologen ohne Philologie in der ursprünglichsten Bedeutung des Worts, ohne grammatisches Interesse. Philologie ist ein logischer Affekt, das Seitenstück der Philosophie, Enthusiasmus für chemische Erkenntniß: denn die Grammatik ist doch nur der philosophische Theil der universellen Scheidungs- und Verbindungskunst. Durch die kunstmäßige Ausbildung jenes Sinns[5] entsteht die Kritik, deren Stoff nur das Klassische[2] und schlechthin Ewige seyn kann, was nie ganz verstanden werden mag: sonst würden die Philologen, an deren meisten man die gewöhnlichsten und sichersten Merkmahle der unwissenschaftlichen Virtuosität wahrnimmt, ihre Geschicklichkeit eben so gern an jedem andern Stoff zeigen als an den Werken des Alterthums[4], für das sie in der Regel weder Interesse noch Sinn[5] haben. Doch ist diese nothwendige Beschränktheit um so weniger zu tadeln oder zu beklagen, da auch hier die künstlerische Vollendung allein zur Wissenschaft führen, und die bloße formelle Philologie einer materialen Alterthumslehre und einer humanen Geschichte[3] der Menschheit nähern muß. Volltext

[7] Brockhaus, Conv.-Lex. I (1809), 356.

[8] Brockhaus, Conv.-Lex. II (1809), 334.

[9] Brockhaus, Conv.-Lex. II (1809), 390.

[10] Brockhaus, Conv.-Lex. III (1809), 303.

[11] Goethe, an F. A. Wolf (26. 12. 1796), WA IV, 11, 297.

[12] Goethe, an J. F. Cotta (17. 10. 1797), WA IV, 12, 338 f..

[13] v. d. Hagen, Vorr. Nibel. (1810), VII.

[14] v. d. Hagen, Vorr. Nibel. (1810), VII.

[15] Herder, Gott (
2
1800), SW 16, 417.

[16] Heyne, Antiquar. Aufs. I (1778), III.

[17] Heyne, Antiquar. Aufs. I (1778), VIII.

[18] Heyne, Antiquar. Aufs. I (1778), 195.

[19] W. v. Humboldt, Stud. Alterth. (*1793), GS I, 1, 279.

[20] W. v. Humboldt, Versch. Sprachb. (*1827–29), GS I, 6.1, 131 f..

[21] Kant, Religion (1793), 154.

[22] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. I (1809), 355.

[23] F. Schlegel, Lessing (1797), 91.

[24] Schleiermacher, Hermen. u. Krit. [bearb. v. F.
Lücke
]
(1838), SW I, 7, 4.

[25] J. H. W. Tischbein, Leb. (*nach1814), 174.

[26] K. A. Varnhagen von Ense, Denkw. I (1837–42), 175.

[27] J. H. Voß, F. Stolberg (1819), 8.














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