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Semantik 
1. ›kritische Betrachtung, Beurteilung eines Gegenstandes‹, teils in Form sorgfältiger Prüfung [3, 25, 82, 83]; ›(wissenschaftlich-)analytische Betrachtung, Beurteilung eines Gegenstandes nach verstandesmäßigen Regeln‹ [1, 9, 15, 68]. Hypostasierende Verwendung ist möglich [34, 35]: dann offen zu 7. Insbesondere erscheint als Kritik1 die philosophische Reflexion über Beschaffenheit und Grenzen der menschlichen Erkenntnisvermögen bzw. davon ausgehend [4, 6, 7, 8, 12, 14, 16, 17, 20, 21, 22, 23, 31, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 72]. Bei Kant dient Kritik1 der Vorbereitung einer systematischen Philosophie [16, 32, 44, 45, 47, 55, 60], sie hat die Aufgabe, den „Vorriß zu einem System der Metaphysik [zu] verzeichnen“ [6] und sie dadurch in „den sicheren Gang einer Wissenschaft“ [6, 36] zu bringen. Das dabei verfolgte Ziel ist eine Kultur3 der Vernunft [36]: Es geht darum, „den Wahn, zusamt seinem Gefolge, der Vielwisserey, [...] ab[zu]führen“ [47]. Speziell die Kritik1 der Urteilskraft hat diesen vorbereitenden Charakter aber nicht, da die Urteilskraft nicht auf allgemein gültige Prinzipien gegründet werden und also auch ihrerseits keine Theorie oder Wissenschaft begründen kann [56, 60]. Kant verwendet zudem Kritik1 auch im nicht transzendentalphilosophischen Sinn [5, 63].
Belege 
[1] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (
2
1796), 1792: Die Kritik, plur. die -en, aus dem Griech. und Lat. Critica. 1) [...] in weiterer Bedeutung, die Fertigkeit etwas nach den Regeln der Kunst zu beurtheilen, und die Wissen­schaft derselben; ohne Plural. 2) Die Anwendung derselben in einzelnen Fällen, die Beurtheilung nach den Regeln der Kunst; mit dem Plural.

[2] B. v. Arnim, Günder. I (1840), 63: Wie ich nach Haus kam waren alle bei Leonhardi versammelt und tranken Chocolade; sie fragten wo ich geblieben war nach der Kirche, ich erzählte daß ich im Küstergärtchen gewesen und hätte den lieben Prediger gesehen. Da war aber schon die Kritik drüber her gewesen und hatte die Unmöglichkeiten von unchristlicher Gesinnung drin gefunden [...].

[3] Ehrmann, Amalie (1788), 24: Wenn Du deine Avanturen alle so komisch behandeln könntest, dann würde ich weniger Sorge haben; aber nicht allemal wird deine Kritik über deine Neigung siegen; so lang dein Herz noch gesund bleibt, und deine Einbildung nicht verstimmt wird, so hast Du nichts zu fürchten; wenn Dich aber einmal wizzige, galante schöne Herrchens, statt solchen halbreifen Jungen, verfolgen werden, wie wird es dann aussehen?

[4] Kant, Prlgm. (1783), 190: So viel ist gewiß; wer einmal Critik gekostet hat, den ekelt auf immer alles dogmatische Gewäsche, womit er vorher aus Noth vorlieb nahm, weil seine Vernunft etwas bedurfte, und nichts besseres zu ihrer Unterhaltung finden konnte. Die Critik verhält sich zur gewöhnlichen Schulmetaphysik gerade wie Chemie zur Alchimie, oder wie Astronomie zur wahrsagenden Astrologie. Ich bin davor gut, daß Niemand, der die Grundsätze der Critik auch nur in diesen Prolegomenen durchgedacht und gefaßt hat, jemals wieder zu jener alten und sophistischen Scheinwissenschaft zurückkehren werde; vielmehr wird er mit einem gewissen Ergötzen auf eine Metaphysik hinaussehen, die nunmehr allerdings in seiner Gewalt ist, auch keiner vorbereitenden Entdeckungen mehr bedarf, und die zuerst der Vernunft daurende Befriedigung verschaffen kan.

[5] Kant, Aufkl. (1784), 492 f. (493): Aber die Denkungsart eines Staatsoberhaupts [...] sieht ein: daß selbst in Ansehung seiner Ge⟨493⟩setzgebung es ohne Gefahr sei, seinen Unterthanen zu erlauben, von ihrer eigenen Vernunft öffentlichen Gebrauch zu machen, und ihre Gedanken über eine bessere Abfassung derselben, sogar mit einer freimüthigen Kritik der schon gegebenen, der Welt öffentlich vorzulegen [...].

[6] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), XXIII f.: Denn das hat die reine speculative Vernunft Eigenthümliches an sich, daß sie ihr eigen Vermögen [...] ausmessen [...] und so den ganzen Vorriß zu einem System der Metaphysik verzeichnen kann und soll [...]. Dafür aber hat auch die Metaphysik das seltene Glück, welches keiner andern Vernunftwissenschaft [...] zu Theil werden kann, daß, wenn sie durch diese Critik in den sicheren Gang einer Wissenschaft gebracht worden, sie das ganze Feld der für sie gehörigen Erkenntnisse völlig befassen ⟨XXIV⟩ und also ihr Werk vollenden und für die Nachwelt, als einen nie zu vermehrenden Hauptstuhl, zum Gebrauche niederlegen kann [...].

[7] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), XXX: Ich mußte also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen, und der Dogmatism der Metaphysik, d. i. das Vorurtheil, in ihr ohne Critik der reinen Vernunft fortzukommen, ist die wahre Quelle alles der Moralität widerstreitenden Unglaubens, der jederzeit gar sehr dogmatisch ist.

[8] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (
!
1798–99), KAV 1, 176 (2): Die philosophische Kritik (Kritik des reinen Verstandes) zeigt, was notwendig sein muß [...]; Kritik zeigt, was à priori notwendig ist.

[9] A. W. Schlegel, Vorles. üb. Enz. (
!
1803–04), 51 f.: Philosophische Kritik[1], im wahren Sinne, findet nur da Statt, wo das Allgemeine auf etwas individuelles bezogen werden muß, zB. bey der Beurtheilung der Darstellungsweise, deren sich Philosophen aus verschiednen Zeitaltern und Nationen[1] für ihre Systeme bedient haben, wobey denn auch die zweyte philologische Fertigkeit, Auslegungskunst, unentbehrlich ist. Häufig fehlte es den Philosophen in Beurtheilung ihrer Vorgänger eben an philologischem Geist[20], und sie glaubten gegen die Sache zu argumentiren, wenn sie bloß mit einem aus den Mängeln der Darstellung entsprungnen Misverstande kämpften. Das Geschäft zB. die Kritik[4] der reinen Vernunft zu kritisiren würde demnach nicht darin bestehen, die Wahrheit und den Zusammenhang der darin vorgetragnen allgemeinen Sätze zu prüfen, sondern die darin eingefloßnen Subjectivitäten aus dem Charakter[2] des Urhebers, aus dem Gange seiner Forschung und der Stellung gegen das Zeitalter zu zeigen und auszuscheiden, wodurch es allein möglich wird jene von den Buchstaben[10] zu entfesseln, und ihren wahren Gehalt an⟨52⟩ders als durch Nachbetung der Worte[2] Kants zusammenzufassen, wogegen dieser leider zum neuen Beweise der persönlichen Einflüsse protestirt hat.

[10] A. v. Arnim, Wintergart. (1809), RuE 2, 250.

[11] B. v. Arnim, Frühlingskr. (*1800–04; 1844), 132.

[12] Brockhaus, Conv.-Lex. I (1809), 61.

[13] Brockhaus, Conv.-Lex. II (1809), 334.

[14] Brockhaus, Conv.-Lex. II (1809), 334.

[15] Brockhaus, Conv.-Lex. III (1809), 113.

[16] Brockhaus, Conv.-Lex. III (1809), 425.

[17] Brockhaus, Conv.-Lex. III (1809), 426 f. (427).

[18] Ehrmann, Amalie (1788), 187.

[19] Ehrmann, Nina (1788), 58.

[20] Fichte, Krit. all. Offenb. (1792), SW 5, 81.

[21] Fichte, Krit. all. Offenb. (1792), SW 5, 157.

[22] Fichte, Krit. all. Offenb. (1792), SW 5, 161.

[23] Fichte, Krit. all. Offenb. (21793), SW 5, 13.

[24] Fichte, Begr. d. WL (
2
1798), SW 1, 32 f..

[25] Goethe, an Chr. G. Voigt (3. 12. 1797), WA IV, 12, 371.

[26] Goethe, an Schiller (21. 8. 1799), WA IV, 14, 162.

[27] W. v. Humboldt, Stud. Alterth. (*1793), GS I, 1, 266.

[28] W. v. Humboldt, Versch. Sprachb. (*1827–29), GS I, 6.1, 135 f..

[29] W. v. Humboldt, Schiller (1830), GS I, 6.2, 511.

[30] Kant, Geisterseher (1766), 356.

[31] Kant, Prlgm. (1783), 30.

[32] Kant, Prlgm. (1783), 189.

[33] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), XXIV.

[34] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), XXVII f..

[35] Kant, Crit. rein. Vern. (21787), XXIX.

[36] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), XXX f..

[37] Kant, Crit. rein. Vern. (21787), XXXIII f. (XXXIV).

[38] Kant, Crit. rein. Vern. (21787), XXXIV f. (XXXV).

[39] Kant, Crit. rein. Vern. (21787), XXXV.

[40] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), XXXVI f..

[41] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), XXXVII.

[42] Kant, Crit. rein. Vern. (21787), XLII f. (XLIII).

[43] Kant, Crit. rein. Vern. (21787), 22 f..

[44] Kant, Crit. rein. Vern. (21787), 24.

[45] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), 25 f. (26).

[46] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), 27.

[47] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), 28.

[48] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), 35.

[49] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), 513 f. (514).

[50] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), 637.

[51] Kant, Crit. rein. Vern. (21787), 766.

[52] Kant, Crit. rein. Vern. (
2
1787), 869.

[53] Kant, Crit. pract. Vern. (1788), 11.

[54] Kant, Crit. pract. Vern. (1788), 30 f..

[55] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (1790), VI.

[56] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (1790), X.

[57] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (1790), XLV.

[58] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (1790), 27.

[59] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (1790), 146 f. (147).

[60] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (1790), 257 f..

[61] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (1790), 308 f..

[62] Kant, Crit. d. Urtheilskr. (21793), 261.

[63] Kant, Religion (1793), XI ff. (XIII).

[64] Krünitz, Oecon. Encycl. LIII (1791), 547 f. (548).

[65] Riepel, Sylbenmaß II (1776), 93.

[66] Scheffner, Leben (1816), 335.

[67] Scheibe, Musik. Compos. (1773), 558.

[68] Schelling, Notizenbl. I (1802), 118.

[69] Schelling, Notizenbl. II (1802), 119 f. (120).

[70] Schelling, Notizenbl. III (1802), 70.

[71] Schelling, Notizenbl. III (1802), 72 f. (73).

[72] Schelling, Notizenbl. III (1802), 73.

[73] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 131 (1).

[74] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (
!
1798–99), KAV 1, 176 (1).

[75] A. W. Schlegel, Entw. Krit. Inst. (*1800), SW 8, 51 ff. (52).

[76] A. W. Schlegel, Vorr. krit. Schr. (1828), XII f..

[77] A. W. Schlegel, Vorr. krit. Schr. (1828), XIII.

[78] F. Schlegel, Lessing (1797), 84.

[79] F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 28, Nr. 116 wieder zu vereinigen, und die Poesie[11/18] mit der Philosophie, und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will, und soll auch Poesie[3] und Prosa[1], Genialität und Kritik, Kunstpoesie, und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie[11] lebendig und gesellig, und das Leben und die Gesellschaft poetisch[1] machen, den Witz[1] poetisiren, und die Formen der Kunst[2] mit gediegnem Bildungsstoff jeder Art anfüllen und sättigen, und durch die Schwingungen des Humors[2] beseelen. Volltext.

[80] Schulze-Kummerfeld, Leb. I (*1782–?94), 196 f..

[81] Sulzer, Allg. Theor. I (1771), 252.

[82] K. A. Varnhagen von Ense, Denkw. I (1837–42), 407.

[83] K. A. Varnhagen von Ense, Denkw. II (1837–42), 271.














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