Wortliste
Struktur
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Semantik 
3. übertragen von 1: ›am Konkreten, Realen, an äußeren Gegebenheiten orientiert; auf das anschauliche Einzelphänomen be­zogen, es darstellend oder verkörpernd; individuell‹ [1, 3, 6, 7] bzw. (mit aktivischem Aspekt) ›individua­li­sie­rend, kon­kretisierend, Individualität und Konkretion erzeugend‹ [5]; offen zu 2, hexeo­sem ⦿ zu 1 und 9, antisem ⦿ zu 4, 5 und 6 und apisosem ⦿ zu 7. Bemer­kens­wert ist, dass sich in der vorliegenden Bedeutung das Bedeutungs­spektrum von r. an das des sonst oft antonym verwen­deten klassisch annähert (vgl. klassisch5); r.3 und klassisch5 erscheinen als zumindest partiell synonym. – Das Individuelle, das kon­krete Einzelne gilt als besonders interessant1, so dass – ins­besondere bei F. Schlegel – eine extensionale Über­einstimmung zwischen dem R.3 und dem Interessanten1 festgestellt werden kann; dies ist die Grundlage für die Äquivalenz von r.9/11 und interessant2.
Belege 
[1] Novalis, Tepl. Fragm. [Erg.] (*1798), NS 2, 616, Nr. 425: Alles Nationale, Temporelle, Locale, Individuelle läßt sich universalisiren und so canonisiren und allgemein machen. [...] Dieses individuelle Colorit des Universellen ist sein romantisirendes Element. So ist jeder National, und selbst der persönliche Gott ein romantisirtes Universum. Die Persönlichkeit ist das romantische Element des Ichs.

[2] Schiller, Abfall Niederl. (1788), NA 17, 41 f. (42): Noch ein andrer Umstand mußte das Wachsthum der neuen[1] Religion[1] in diesen Ländern [sc. Niederlande] begünstigen. Italien, ⟨42⟩ damals der Sitz der größten Geistesverfeinerung, ein Land, wo sonst immer die heftigsten politischen Faktionen gewüthet haben, wo ein brennendes Klima das Blut zu den wildesten Affekten erhitzt, Italien, könnte man einwenden, blieb unter allen europäischen Ländern beinahe am meisten von dieser Neuerung [sc. Reformation] frei. Aber einem romantischen Volk[1], das durch einen warmen und lieblichen Himmel, durch eine üppige, immer junge und immer lachende Natur[2] und die mannichfaltigsten Zaubereien der Kunst[2] in einem ewigen Sinnengenusse erhalten wird, war eine Religion[1] angemessener, deren prächtiger Pomp die Sinne[4] gefangen nimmt, deren geheimnißvolle Räthsel der Phantasie[1] einen unendlichen Raum eröfnen, deren vornehmste Lehren sich durch mahlerische[4] Formen in die Seele einschmeicheln. Einem Volke[1] im Gegentheil, das, durch die Geschäfte des gemeinen bürgerlichen Lebens zu einer undichterischen Wirklichkeit herabgezogen, in deutlichen Begriffen[1] mehr als in Bildern lebt, und auf Unkosten der Einbildungskraft seine Menschenvernunft ausbildet; einem solchen Volk[1] wird sich ein Glaube empfehlen, der die Prüfung weniger fürchtet, der weniger auf Mystik als auf Sittenlehre dringt, weniger angeschaut als begriffen werden kann. Mit kürzeren Worten[2]: Die katholische Religion[1] wird im Ganzen mehr für ein Künstlervolk, die protestantische mehr für ein Kaufmannsvolk taugen.

[3] F. Schlegel, Fragm. Litt. u. Poes. (*1797), KFSA 16, 167, Nr. 978: Die class[ische][6] Naturπ[poesie] ist R[omantisch], die progr[essive][5] ist Transc[endental][4].

[4] Novalis, Allg. Brouill. (*1798), NS 3, 256, Nr. 87.

[5] Novalis, Aftdg II (*1799–1800), 183 f. (184).

[6] F. Schlegel, Fragm. Litt. u. Poes. (*1797), KFSA 16, 146, Nr. 717.

[7] F. Schlegel, Gespr. Poes. (1800), 179.














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