Wortliste
Struktur
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Semantik 
2. ›bunt, pittoresk (und somit romanhaft oder -würdig)‹, Übertragung von 1 in unterschiedlichen Graden der Durchsichtigkeit (offensichtlich: [43, 189]), hexeosem ⦿ zu 1, 9, 10 und 11, mit verschiedenen seman­ti­schen Nuancen:
  • ›mannigfaltig, reich, üppig, abwechslungsreich‹ [11, 16, 22, 36, 40, 45, 101, 162, 173, 202, 206, 210, 215, 217, 226, 229, 233, 266, 271] ⬩ ›vermischt, zusammengesetzt, aus un­terschiedlichen Teilen be­stehend‹ [26, 30, 31, 32, 34, 35, 99, 175, 176, 181, 199, 207, 215, 219, 222, 225, 226, 227, 271]; das Mischen, ebenso auch das Ver­schmel­zen und Synthetisieren (vgl. hierzu 7), wird in F. Schlegels 116. Athenaeum-Fragment programma­tisch gefordert [215] und von Schelling und A. W. Schlegel als r. Prinzip bezeichnet [26, 30]; r. in Bezug auf eine Gegend nennt Seume ein Gemisch von Wildheit und Kultur2 [240]; den Roman definiert F. Schlegel als r. Buch, d. h. gemischt aus Erzählung, Gesang und andern For­men [225]; L. Tieck sieht Kompositionen als r. an, die „zugleich lyrisch, episch und dramatisch sind“ [271]; F. de la Motte Fouqué bewundert eine Mischung der Gattungen (Lebensgesch. [1840], 44); als r. Gelehrsamkeit und r. Geschicklichkeit bezeichnet Novalis Kombinations- und Variationsfertigkeit [21; vgl. auch 162]; die ro­man­tische12/9 Poesie11 kommt A. W. Schlegel zufolge durch Sprachmischung zustande [32, 34]; Schelling sieht einen Hauptcharakter des R. in der Vermischung des Ernstes und des Scherzes [175] und hält Kontraste und Mischungen des Stoffs im r. Gedicht für notwendig [176]; Instru­ment der Her­vor­brin­gung des R. ist Ironie1 [207] ⬩ ›unregelmäßig geformt‹ [79, 131, 169] ⬩ ›ungeordnet, inkonsistent, (ten­den­ziell) chaotisch‹ [38, 39, 44, 49, 222, 226] ⬩ bei besonderer Betonung der Gegensätzlichkeit der Bestandteile ›kontrastreich, wider­sprüch­lich, spannungsvoll‹, sei es in der Literatur [28, 176, 222], sei es in der Gartenkunst, wo sich eine r. Gegend durch Abwechs­lungs- und Kontrastreichtum sowie Un­re­gel­mäßigkeit der Landschaftsformen auszeichnet [13, 14, 15, 42, 49, 107, 112, 114, 121, 122, 136, 166, 263, 265] ⬩ mit negativer Wertung auch ›unharmonisch, innerlich zerrissen‹ [10],
  • ›malerisch, interessant, phantasieanregend, reizend, bezaubernd‹ [1, 2, 6, 7, 8, 12, 15, 16, 17, 18, 19, 23, 25, 27, 29, 48, 49, 50, 51, 57, 58, 59, 62, 64, 65, 66, 67, 70, 72, 73, 74, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 83, 84, 89, 93, 94, 107, 108, 109, 110, 111, 113, 114, 115, 123, 124, 126, 127, 129, 132, 134, 135, 137, 139, 142, 144, 145, 146, 147, 148, 150, 154, 155, 156, 157, 159, 160, 163, 164, 165, 166, 171, 172, 179, 182, 184, 186, 187, 193, 206, 218, 231, 232, 236, 237, 238, 241, 247, 253, 257, 261, 268, 269, 274, 278, 284, 285, 286], wobei der Aspekt des Malerischen hinsichtlich der Darstellung oder Darstellbarkeit durch die visuelle Kunst wörtlich ver­stan­den werden kann [47, 91],
  • ›originell, nicht mittelmäßig, ungewöhnlich, ausgefallen, extravagant, bizarr, abenteuerlich, phan­tas­tisch, nicht wie im wirklichen Leben, erfunden wirkend (in unterschiedlichen Graden der Intensität); unordentlich, ordnungswidrig, Regeln ignorierend, gegen Normerwartungen verstoßend; nicht den Maß­ga­ben eines Regelkanons folgend, (scheinbar) willkürlich, künstlerisch frei, ästhetisch autonom‹ [3, 4, 5, 20, 22, 29, 41, 43, 46, 52, 53, 54, 55, 56, 61, 68, 69, 74, 92, 95, 96, 98, 102, 103, 104, 138, 149, 152, 170, 178, 185, 189, 190, 191, 192, 194, 195, 197, 201, 203, 204, 216, 223, 224, 225, 226, 277, 279, 283]; oft – wer­tend oder wertfrei – im Gegensatz zum Ausgewogenen, Stillen, Vollendeten, Gediegenen des Klas­si­schen3/7 im Sinne einer inhaltlichen Be­stim­mung der modernen1 Literatur und Kunst (vgl. 9/11) ver­wen­det ⬩ ›fiktional, frei erfunden‹ [106], mit negativer Wertung: ›übertrieben, irreal, absurd‹ [20, 60, 105, 133, 188] (offen zu 4), mit aktivischem Aspekt auch ›frei erfindend, übertreibend‹ [75] ⬩ ›krass, frappant, schockierend; ge­schmack­los‹ (in der künstlerischen, insbesondere der literarischen Darstellung) [97] ⬩ ›Schauer erregend‹ (offen zu 5), die solche des Schreckens oder Grauens, aber auch solche der Ehrfurcht sein können [52, 97, 115, 121, 186, 239, 242, 258],
  • ›fabelhaft, märchenartig, wunderbar, zauberisch‹ [100, 128, 153, 158, 165, 205], mit Tendenz zu gat­tungs­terminologischer Verwendung bei bestimmten Opernstoffen [4, 37, 151],
  • ›chevaleresk, ritterhaft, rittermäßig, ritterromanartig‹ [9, 82, 86, 100, 140, 41, 174, 177, 208, 209, 228],
  • ›galant, amourös, erotisch, zu einem Liebesabenteuer reizend; in Liebesdingen; wie im Liebesroman oder -drama‹ [24, 55, 85, 130, 41, 161, 183, 184, 255, 256, 257, 270, 284],
  • ›lebhaft, emotional, leidenschaftlich‹ [55, 212],
auch als partizipatorisches Adjektiv ⦿: ›auf Romantisches2 bezogen, zu ihm gehörig, mit ihm verknüpft, es darstellend, daran interessiert‹ [127 (2), 163]. Offen zu 3 und 4. – Eichner (1972, 5) nennt Syntagmen wie „‚romantic (i. e., absurdly unrealistic, lying) fiction‘ or ‚romantic (i. e., extravagantly devoted, chivalrous or naïve) love‘“. R. Literatur sei gleichwohl mit Vergnügen rezipiert worden, was sich auf die Verwendung des Wortes ausgewirkt habe. Im Laufe der Zeit habe sich der positiv wertende Wortgebrauch allmählich durch­ge­setzt, „particularly as applied to landscapes“ (ebd.). Der auf häufigen und unreflektierten (modischen) Gebrauch des Ausdrucks r. zurückzuführende Verlust der ursprünglich mit ihm verbundenen semantischen Aspekte des Romanhaften und Märchenhaft-Wunderbaren wird bereits im Untersuchungszeitraum re­flek­tiert [1]. – Als r. können bezeichnet werden:
  • reale oder fiktionale Situationen, Lebenslagen, Ereignisse, Handlungen [24, 41, 55, 74], auch Szenen, d. h. Gruppierungen von Personen [2, 38, 94, 229], die abenteuerlich anmuten und als (potentieller) Gegenstand einer künstlerischen Darstellung erscheinen,
  • punktuelle oder länger anhaltende Stimmungen, Gemüts- oder Geistesverfassungen [55], Gesin­nun­gen, Meinungen, Vorstellungen, Lebensansichten, Lebenspläne [20, 60, 140, 188], speziell Pro­duk­tions- oder Rezeptionshaltungen [101, 103, 152, 192, 202, 203, 279],
  • eine bestimmte Ausprägung der oder einer Kunst, insbe­son­dere der Literatur: z. B. bestimmte lite­ra­ri­sche Formen oder Stoffe [3, 4, 10, 16, 22, 26, 28, 29, 30, 31, 32, 34, 35, 36, 40, 45, 97, 99, 104, 175, 176, 199, 201, 204, 206, 207, 210, 215, 222, 226, 227, 271], auch der bildenden Kunst [5, 16, 35, 210],
  • der Charakter literarischer Werke [95, 102, 149, 162, 181, 221, 225, 233], auch einzelne Bestandteile eines unter ästhetischen Aspekten rezipierbaren Ganzen, vor allem Elemente eines literarischen Wer­kes, bestimmte in ihm behandelte oder dargestellte Themen und Gegenstände, die es seinerseits r. machen [52]. ⦿ R. Prinzipien, Phänomene oder Elemente sind Bukolik, Rittertum, Abenteuer, Poesie, Liebe, Ehre, das Christentum (der Katholizismus), der Orient, das Phantastische, Wunderbare, auch das Metaphysische, Übersinnliche (vgl. 4). Eine Gesamtheit solcher Gegenstände als Fundus li­te­ra­ri­scher Gestaltung nennt Schelling [174] eine r. Welt.
  • aufgrund Lage oder Anlage eine Stadt [277],
  • Landschaften – „be they idyllic country scenes that would appear ,romance-like‘ only to city dwellers, scenes of alpine grandeur, or the painted landscapes of a Nicolas Poussin (1594–1665), Claude Lorrain (1600–82), or Salvator Rosa (1615–73)“ (Eichner 1972, 5); unterscheiden lassen sich sanft-r. [48] und wild-r. [49, 146, 237, 239] Landschaften, wobei es auch Gegenden gibt, die Charakteristika von beidem aufweisen [157, 166]. Bei einem Park der ersteren Art kann u. a das Altertum3 assoziiert werden [269], wodurch eine semantische Nähe zum Klassischen(7) entsteht. In besonderer Weise r. sind die Rheingegenden [139, 232, 285, 286], die Aussicht von der Rosstrappe im Harz [150], das Frankenland [48, 262], die Saalelandschaft [253], die sächsische Schweiz [186, 231, 237], die Oberlausitz [59], das Salzkammergut [84], die Lage von Castle Menzies in den Highlands von Perthshire (Schottland) [15], der Golf von Neapel [129]. Als r. apostrophierte Sze­ne­rien zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Betrachter zur „dunkelsten, angenehmsten Schwär­me­rei“ verführen [146], durch kontrastreiche, unregelmäßige Züge die Einbildungskraft anregen [12, 16, 107, 114], sie „aus ihrer alltäglichen Sphäre heraus in eine Reihe neuer Bilder“ versetzen und „in die Feenwelt, in die Zeiten der seltsamsten Bezauberung hinüberschweifen“ lassen [12]. Unter diesem Aspekt offen zu 4/5: Ein r. Eindruck entsteht durch vereinzelte Sonnenstrahlen, die eine ansonsten nebelverhangene Landschaft erhellen [247] oder auch durch ein Gewitter [232]. Die Affektion der Einbildungskraft kann auch in künstlerische Betätigung münden; insbesondere regen r. Gegenden dazu an, sie zu zeichnen [91], aber auch, literarische Werke in ihnen zu rezipieren [155, 254]. Als r. Topoi gelten „Gegend[en] mit Ruinen oder mit andern erhabenen, die Phantasie des Beschauers fesselnden, Gegenständen“ [16, vgl. auch 1]; typische Versatzstücke solcher Gegenden sind – neben den Ruinen [119, 146, 242, 246] (vorzugsweise: „ein verfallnes Ritterschloß [...] unter lauter Felsen“ [253] oder „eine alte Ritterburg, einsam auf einer Höhe gelegen, wo durch des Fensters Trümmer, im Gegenscheine der untergehenden Sonne, sich des Vollmondes falbes Licht blicken läßt, und über welcher einige Vögel schwärmen“ [16], konkret z. B. das Heidelberger Schloss [265], aber auch vollständig erhaltene alte Schlösser [135, 274] oder schlossähnliche Anlagen [238] sowie Burgen [166], z. B. die Wartburg [64, 232]), die auch „in der Ferne“ sichtbar sein können [253] – Berge [17, 58, 62, 65, 107, 114, 134, 157, 166, 186, 232, 237, 278, 286] (vgl. auch die Anm. zu [23]) oder Hügel [67, 157, 232, 254, 274], Felsen [12, 15, 19, 49, 50, 77, 93, 107, 113, 114, 115, 118, 119, 124, 134, 136, 137, 154, 157, 166, 232, 239, 242] („gebrochene Felsmassen“ [81], „graue Felsmassen, die sich in der Ferne aus einer üppigen unbeschornen Vegetation zu des Himmels Azur erheben“ [16], auch „Felsen die kühn auf einander gepackt sind und über die Stadt drohend hängen“ [253] oder „grosse Felsen, wo man dicht neben tiefe Abgründe hinfährt“ [253]), hohe Nadelbäume (z. B. Fichten [114], Pinien [18], Zedern [154], Zypressen [76] oder Kiefern [123] bzw. ein Kiefernwald [157] oder Schwarzwald [239]), Grotten oder Höhlen [18, 109, 114, 239, 284], Quellen [18 (vgl. auch die Anm. zu 23), 154], „ein Klump waldigter Inseln, die in gespitzten Höhen vom Rande des Wassers sich erheben, wo die Zweige der Bäume in den See tauchen“ [114], „ein stürmischer See, der seine Wellen mit Ungestüm empor treibt und über dem gewitterschwangere Wolken sich ihres Feuerstoffs entladen“ [16], „ein See, der sich ruhig zwischen grünen Schilfmassen und prächtigen Wiesen dahin schlänget und über den in der Entfernung Städte und Dörfer aus grüner Umgebung ihre Zinnen und Thürme im vergoldeten Morgen- und Abendglanz emporheben“ [16], „der weite Spiegel des Sees, der hinten mit einem großen Wald umzäunt ist; in diesem erblickt man einsame Jagdhäuschen, u[nd] durch ein Paar Oeffnungen im Holze reicht der Blick bis an die Thürme der Stadt“ [278], Weinberge oder Laubengänge mit Weinranken [18, 76, 155, 253, 261], Mühlen [253] (vgl. auch die Anm. zu 23), Wasserläufe (Flüsse, Bäche) [15, 65, 81, 134, 157, 186, 237, 245, 253, 254] und Wasserfälle [8, 15, 49, 77, 88, 107, 114, 132, 134, 142, 253, 254, 261; ironisierend: