Wortliste
Struktur
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Semantik 
4. ›der Art nach so, wie prototypisch die griechisch-römische Antike erscheint: kategorial klar begrenzt, hinsichtlich der Gattungsspezifika rein, unvermischt, regelhaft, einheitlich, einfach, klar strukturiert, harmonisch proportioniert, in sich ruhend, für sich ein Ganzes ausmachend, in sich geschlossen, statisch‹, auch ›einseitig‹; aufgrund der häufigen extensionalen Beschränkung auf Werke der klassischen2 griechisch-römischen Antike offen zu 6; gleichfalls jedoch bezogen auf Werke neuerer, auch zeitgenössischer Autoren oder Künstler (vgl. hierzu 7), z. B. Manzoni [15]. Aufgrund der Qualität ihrer Werke auch (metonymisch) auf die Autoren bezogen. Auch als partizipatorisches ⦿ Adjektiv: ›zu etwas Klassischem4 gehörend, mit ihm verbunden, darauf bezogen‹ [2, 65 (3)].
Belege 
[1] Goethe, Einl. Prop. (1798), WA I, 47, 6: Welche neuere Nation verdankt nicht den Griechen ihre Kunstbildung? und, in gewissen Fächern, welche mehr als die deutsche? | So viel zur Entschuldigung des symbolischen Titels, wenn sie ja nöthig sein sollte. Er stehe uns zur Erinnerung, daß wir uns so wenig als möglich vom
classischen
[
6
/
4
/
2
]
Boden entfernen, er erleichtere durch seine Kürze und Bedeutsamkeit die Nachfrage der Kunstfreunde, die wir durch gegenwärtiges Werk zu interessieren gedenken, das Bemerkungen und Betrachtungen harmonisch verbundner Freunde über Natur und Kunst enthalten soll.


[2] Goethe, Frz. Haupttheat. (1828), WA I, 40, 132: Es war löblich und der Sache angemessen, daß man in Paris, wo so viele Theater neben einander bestanden, auch eins der ganz reinen, regelmäßigen, sogenannten
classischen
Art zu erhalten trachtete.


[3] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. I (!1801–02), KAV 1, 367: Nach unsrer allgemeinen Ansicht vom Verhältniß der alten[2] und neueren[3] Kunst[10] werden wir auch in der Musik[4] keine gegen die andre herabzusetzen, sondern die Bedeutung ihres Gegensatzes zu verstehen suchen; und da würde sich vielleicht bey näherer Erörterung finden, daß das vorwaltende in der alten[2] Musik[4] eben das war, was in den übrigen Künsten[10]: das plastische[3], rein classische, streng begränzende; in der neueren[3] hingegen das pittoreske[2], romantische[2/5] oder wie man es nennen will.

[4] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. II (!1802–03), KAV 1, 545 f. (546): Die Neueren[3] haben sich die Kunstausdrücke der Alten[2] von den Gattungen angeeignet, oft aber etwas ganz anderes damit gemeynt. Zuweilen haben sie aber auch die Poesie[1] auf gelehrte Weise getrieben, und sind von der Nachahmung der Alten[2] ausgegangen. Die so entstandnen Werke werde ich, da man sie wegen ihres oft großen Ansehens bey geringem eigenthümlichen Werth und Geist[13], nicht ganz übergehen kann, bey Abhandlung der Griechischen[2] Vorbilder ebenfalls anfügen, um ⟨546⟩ bey der neueren[3] Poesie[11] die Entwicklung des Romantischen[2] so wenig als möglich zu unterbrechen. Ich nehme den Fall aus, wo ein Werk zwar mit der Intention entworfen worden, classisch zu seyn, wo aber doch romantische[2] Elemente sich ihm eingemischt haben, und vielleicht das beste darin sind, wie es z. B. mit Tasso's befreytem Jerusalem der Fall ist. Tasso hatte nächst dem Virgil wohl den sehr romantischen[2] Camoens vor Augen, und wirkte wieder auf den gar nicht romantischen[2] Milton.

[5] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (
!
1803–04), KAV 2.1, 9:
[Das strenge Regelpostulat der Kritiker]
hat bey Vielen die Meynung erzeugt, die Cultur[3] des Geschmacks sey eine gar nicht angenehme, nicht selten mit vieler Langenweile abzubüßende Pflicht, und sie rechnen es mit zu den Kennzeichen des
Classisch
-Correcten daß es kalt läßt. Hingegen eine herzliche Freude, ein nicht bestelltes, sondern sich gleichsam wider Willen einstellendes Ergötzen ohne Rückhalt, ist schon der Unregelmäßigkeit verdächtig und wird als eine ästhetische Debauche nicht eingestanden.


[6] F. Schlegel, Lyc.-Fragm. (1797), 149, Nr. 60: Alle klassischen Dichtarten in ihrer strengen Reinheit sind jetzt lächerlich. Volltext

[7] F. Schlegel, Philos. Lehrj. II (*1797), KFSA 18, 87, Nr. 693: Die Frau ist ein
klassisches
und
klassicisirendes
Wesen; der Mann ein progr[essives]
[
3
]
. Beide zusammen ein Hist[orisches] συς [System].


[8] F. Schlegel, Philos. Lehrj. II (*1797), KFSA 18, 92, Nr. 751: Im Vergleich mit d[em] Ganzen ist d[as] Einzelne immer nur
classisch
, das Ganze aber progreßiv
[
3
]
.


[9] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (
2
1793), 1338.

[10] Brockhaus, Bild.-Conv.-Lex. IV (1841), 431.

[11] Gerstenberg, Merkw. Litt. I (1766), 40 f..

[12] Gerstenberg, Merkw. Litt. I (1766), 45.

[13] Goethe, Lit. Sanscul. (1795), WA I, 40, 198.

[14] Goethe, Ital. Reise II (1817), WA I, 31, 95,
8
.

[15] Goethe, Rez. Manzoni [Carmagn.] I (1820), WA I, 41.1, 211.

[16] Goethe, an H. K. A. Eichstädt (4. 12. 1822), WA IV, 36, 221.

[17] Goethe, an A. F. C. Streckfuß (14. 8. 1827), WA IV, 43, 19 f..

[18] Goethe, an J. H. Meyer (30. 9. 1827), WA IV, 43, 94.

[19] Goethe, Max. u. Refl. (*?1829; 1836), WA I, 41.2, 246.

[20] Görres, Tt. Volksb. (1807), GS 3, 290 f..

[21] Gutzkow, Wally (1835), 5.

[22] Hamann, Krzzg. d. Phlg. (1762), N 2, 215, Anm..

[23] Heine, Relig. u. Philos. in Dtld. (1835), DHA 8.1, 45.

[24] Heine, Romant. Schule (1836), 19.

[25] Herder, Engl. u. dt. Dichtk. (1777), 426 f. (427).

[26] Herder, Bef. d. Hum. V (1795), SW 17, 298.

[27] Herder, Bef. d. Hum. VII (1796), SW 18, 11, Anm..

[28] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. V (1835), 173.

[29] A. Müller, Beredsamk. (!1812; 1816), 164.

[30] Pückler-Muskau, Brf. Verstorb. III (1830), 2.

[31] Rückert, Ged. I (1838), W 1, 264.

[32] Schelling, Bild. Künste (
!
1807; 1809), SW I, 7, 298.

[33] Schelling, Philolog.-hist. Klass. (*1818), SW I, 8, 468.

[34] A. W. Schlegel, Zeichn. (1799), 208.

[35] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. I (!1801–02), KAV 1, 195.

[36] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. I (!1801–02), KAV 1, 461 f. (462).

[37] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. II (
!
1802–03), KAV 1, 686.

[38] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. II (
!
1802–03), KAV 1, 763.

[39] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (
!
1803–04), KAV 2.1, 5.

[40] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (
!
1803–04), KAV 2.1, 68.

[41] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 184.

[42] A. W. Schlegel, Vorles. üb. Enz. (
!
1803–04), 330.

[43] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. I (1809), 13.

[44] F. Schlegel, Fragm. Litt. u. Poes. (*1797), KFSA 16, 91, Nr. 65.

[45] F. Schlegel, Fragm. Litt. u. Poes. (*1797), KFSA 16, 94, Nr. 106.

[46] F. Schlegel, Fragm. Litt. u. Poes. (*1797), KFSA 16, 97, Nr. 150.

[47] F. Schlegel, Fragm. Litt. u. Poes. (*1797), KFSA 16, 102, Nr. 208.

[48] F. Schlegel, Fragm. Litt. u. Poes. (*1797), KFSA 16, 104, Nr. 230.

[49] F. Schlegel, Fragm. Litt. u. Poes. (*1797), KFSA 16, 122, Nr. 446.

[50] F. Schlegel, Fragm. Litt. u. Poes. (*1797), KFSA 16, 161, Nr. 900 progressiv2]; durch das Transc[endentale][1] aber die Allheit, die Ganzheit, das Absolute und Systematische..

[51] F. Schlegel, Philolog. II (*1797), KFSA 16, 71, Nr. 112.

[52] F. Schlegel, Philolog. II (*1797), KFSA 16, 73, Nr. 131.

[53] F. Schlegel, Stud. Grch. Poes. (*1795; 1797), 179 f. (180).

[54] F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 14, Nr. 51.

[55] F. Schlegel, Philos. Lehrj. III (*1798), KFSA 18, 124, Nr. 21.

[56] F. Schlegel, Philos. Lehrj. V (*1798), KFSA 18, 330, Nr. 70.

[57] F. Schlegel, Gespr. Poes. (1800), 79.

[58] F. Schlegel, Gespr. Poes. (1800), 179.

[59] F. Schlegel, Fragm. Poes. u. Litt. (*1801), KFSA 16, 322, Nr. 810.

[60] R. Schumann, Hummel (1834), 73.

[61] Seume, Ged. (1804), 8.

[62] L. Tieck, Zerbino (1799), W 1, 458.

[63] L. Tieck, Zerbino (1799), W 1, 314.

[64] Waiblinger, Od. u. Eleg. (1829), 64.

[65] Waiblinger, Od. u. Eleg. (1829), 76.

[66] Wienbarg, Holland I (1833), 45.

[67] Wienbarg, Aesth. Feldzg. (1834), 153.














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