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Semantik 
4. ›Mensch hinsichtlich der Tatsache, dass er ein Ohr bzw. Ohren i. S. v. 3 hat, d. h. Gehörtes interpretieren und verstehen kann‹; Metonymie (Pars-pro-toto-Verwendung) zu 3. Belegt sind explikative Metonymie [1, 5, 6, 10, 11, 12, 13, 16, 19, 23, 25, 27] und implikative Metonymie [2, 3, 4, 7, 8, 9, 14, 15, 17, 18, 20, 21, 22, 24, 26]. ⦿
Belege 
[1] Bürger, Vorr. Ged. (1789), 26: Wie weit ich meinen eigenen Foderungen Genüge geleistet, das ziemet mir nicht zu entscheiden. Soviel aber darf ich behaupten, daß mein junger vortrefflicher Freund, August Wilhelm Schlegel, dessen großem poetischen[5] Talent, Geschmack und Kritik[2], mit mannigfaltigen Kenntnissen verbunden, schon sehr frühe die gehörige Richtung gaben, nach jenen Foderungen ohne Anstoß Sonnette verfertigt hat, die das eigensinnigste Ohr des Kenners befriedigen müssen.

[2] Goethe, an Ch. v. Stein (10. 10. 1785), WA IV, 7, 107: Es ist Zeit daß du kommst mich durch deine Gegenwart wieder zu erquicken, denn es will mir alle Lebensfreude ganz und gar ausgehn. | Selbst der Anblick der Imhof hat mir weh gethan, da sie dir so ähnlich ist und doch nicht du. Sie ist wie eine Septime die das Ohr nach dem Akkorde verlangen macht.

[3] Goethe, Dicht. u. Wahrh. III (1814), WA I, 28, 53: Vielleicht hätten wir uns auch wohl hierein ergeben, wenn uns nicht ein böser Genius in die Ohren geraunt hätte, alle Bemühungen eines Fremden, Französisch zu reden, würden immer ohne Erfolg bleiben: denn ein geübtes Ohr höre den Deutschen, den Italiäner, den Engländer unter seiner französischen Maske gar wohl heraus; geduldet werde man, aber keineswegs in den Schoos der einzig sprachseligen Kirche aufgenommen.

[4] Hoffmann, Rez. Beethoven [Op. 70] (1813), SW 1, 675: Nur ein geübteres Ohr wird augenblicklich den Einleitungssatz wieder erkennen, so ganz
⟨676⟩
anders, so neu erscheint er [...].


[5] Schiller, Jungfr. v. Orleans (1801), NA 9, 184: Mein königlicher Herr! Ich hab dein
Ohr
[
3
;
4
?]
| Verschont, so lang noch Rat und Hülfe war, | Doch endlich löst die Notdurft mir die Zunge.


[6] Spindler, Jude III (1827), 26: Der Oberstrichter entsetzte sich, ohne jedoch ein Wort[2] des Mitleids vor den Ohren des Kerkermeisters zu wagen.

[7] L. Tieck, Vorr. Minnelied. (1803), XXIV: Seitdem ist die Nachahmung jener künstlichen Formen der Italiäner erst selten und neuerdings ziemlich häufig versucht worden, und wenn es auch Mißverständniß ist, jene Formen zu verwerfen, weil sie künstlich sind, (als wenn die Kunst je könnte unkünstlich sein wollen), so ist es doch möglich, daß das Begehren einer freien Natürlichkeit, eines willkührlichen mannichfaltigen Spiels darüber zu sehr vergessen, und auch eine Menge von Versen gemacht werden könne, die von einem Gedichte nichts als die äussere Form haben, weil es etwas Leichtes ist, mit einiger Fertigkeit der Schule, das Nichtige anscheinend auszufüllen und ein verwöhntes Ohr zu hintergehen.

[8] Wackenroder, an L. Tieck (17. 11. 1792), VL 2, 83: Vorige Woche sind „Die heimlichen Vermählten“ [...] hier aufgeführt, – aber, – wie Du vielleicht schon, zur Ehre u[nd] großem Ruhm aller Ohren des Berl[iner] Publikums ahnden wirst, mit großer Gleichgültigkeit aufgenommen [worden].

[9] Adelung, Gramm.-krit. Wb. I (
2
1793), 842.

[10] Ehrmann, Amalie (1788), 109.

[11] Frölich, Virginia (1819 [1820]), 79.

[12] Frölich, Virginia (1819 [1820]), 194.

[13] Goethe, Elpenor (1806), WA I, 11, 59.

[14] Goethe, Faust I (1808), WA I, 14, 166, 3295.

[15] Goethe, Dicht. u. Wahrh. II (1812), WA I, 27, 58.

[16] Hauff, Märchen I (1826), SW 2, 260.

[17] Heinse, H. v. Hohenth. II (1796), SW 5, 360.

[18] Jean Paul, Vorsch. Ästh. II (1804), 538.

[19] Schiller, Dreyssigj. Krieg. I–II (1791), NA 18, 128.

[20] A. W. Schlegel, Brf. Poes. IV (1796), Hor. V.2, 66 f. (67).

[21] A. W. Schlegel, Vorles. üb. Enz. (
!
1803–04), 303.

[22] A. W. Schlegel, Dt. Mundarten (1808), 74.

[23] F. Schlegel, Gespr. Poes. (1800), 101.

[24] J. Schopenhauer, Tante II (1823), 166.

[25] Wackenroder, an seine Eltern (1793), VL 2, 196.

[26] Wezel, Herm. u. Ulr. (1780), 252 f. (253).

[27] Wieland, Agath. (1766–67), W 1, 411.














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