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Semantik 
1. meist im Plural: ›links und rechts am Kopf sitzender, äußerlich sichtbarer, sämtliche Teile der Ohrmuschel sowie das Ohrläppchen umfassender Teil des Gehörorgans‹, insbesondere beim Menschen, aber auch bei Tieren (explizit beispielsweise bei Katzen [8], Hunden [9], Pferden [17, 18], Eisbären [32], Fledermäusen [33]; explizit nicht: bei Fischen [15, 16]). In Nachschlagewerken wird mehrfach darauf hingewiesen, dass bestimmte Körperteile bestimmter Tierarten, die aufgrund ihrer Form und/oder Position (zu beiden Seiten des Kopfes) gemeinhin als Ohren1 bezeichnet werden, faktisch keine Ohren1 (da nicht funktional für das Hören) sind [15, 16, 33]. – Bei Menschen sind die Ohren1 in ernsthafter oder scherzhafter Rede öfters Gegenstand (meist angemaßter) körperlicher Gewalt [14, 24, 25, 26, 27, 29, 30, 31, 36, 37].
Belege 
[1] Ahlefeld, Marie Müller (21814), 194: Nun erst frug ich: Liese, willst Du mich haben? – Sie wurde roth bis über die
Ohren
, hielt die Schürze vor die Augen, gab mir die Hand, und sagte: Ja!


[2] Birch-Pfeiffer, Pfeffer-Rösel (1833), 82: Kaum lag ich wieder auf dem Ohr, so klopfte es noch heftiger als vorher außerhalb der Stadt. Ich sprang zur Lucke, und frug, was es gäbe?

[3] Goethe, Ital. Reise III (1829), WA I, 32, 98: Nun war eines Abends der Apoll von Belvedere als eine unversiegbare Quelle künstlerischer Unterhaltung wieder zum Gespräch gelangt, und bei der Bemerkung, daß die
Ohren
an diesem trefflichen Kopfe doch nicht sonderlich gearbeitet seien, kam die Rede ganz natürlich auf die Würde und Schönheit dieses Organs
[
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]
, die Schwierigkeit ein schönes in der Natur zu finden und es künstlerisch ebenmäßig nachzubilden. Da nun Schütz wegen seiner hübschen
Ohren
bekannt war, ersuchte ich ihn, mir bei der Lampe zu sitzen, bis ich das vorzüglich gut gebildete, es war ohne Frage das rechte, sorgfältig abgezeichnet hätte.


[4] J. Grimm / W. Grimm, Kinder- u. Hausm. I.1 (1812), 115: Ei Großmutter, was hast du für große
Ohren
!


[5] Heinzelmann, Grds. d. Wortf. (1798), 132: Harren drückt durchs erhebende h, welches aufs starke r hinfällt, die Stärke des Fortdaurens aus. Hiervon kommt hören, ein Hinhalten des Ohrs auf den weichen Luftraum; daher ist auch der Selbstlaut lang und weich geworden.

[6] Hoffmann, Nachtst. (1817), PW 2, 376: Coppelius erschien immer in einem altmodisch zugeschnittenen aschgrauen Rocke, ebensolcher Weste und gleichen Beinkleidern, aber dazu schwarze Strümpfe und Schuhe mit kleinen Steinschnallen. Die kleine Perücke reichte kaum bis über den Kopfwirbel heraus, die Kleblocken standen hoch über den großen roten
Ohren
, und ein breiter verschlossener Haarbeutel starrte von dem Nacken weg, so daß man die silberne Schnalle sah, die die gefältelte Halsbinde schloß.


[7] Hoffmann, Kl. Zaches (1819), PW 5, 31: Daß du bis über die
Ohren
verliebt bist in des Professors niedliches Töchterlein, das wissen wir alle längst, und darum halten
⟨32⟩
wir dir deine Phantasterei, dein närrisches Wesen zugute.


[8] Hoffmann, Murr I (1820), PW 5, 195: Denn nicht allein daß er jedesmal, nachdem er den Meister begrüßt, zu mir sprach: „Guten Morgen, Kater!“ so kraulte er mir auch jedesmal
⟨196⟩
mit leichter Hand hinter den
Ohren
und streichelte mir sanft den Rücken [...].


[9] Kleist, Bettelw. v. Loc. (1810), 41: Drauf, in dem Augenblick der Mitternacht, läßt sich das entsetzliche Geräusch wieder hören; jemand, den kein Mensch mit Augen sehen kann, hebt sich, auf Krücken, im Zimmerwinkel empor; man hört das Stroh, das unter ihm rauscht; und mit dem ersten Schritt: tapp! tapp! erwacht der Hund, hebt sich plötzlich, die Ohren spitzend, vom Boden empor, und knurrend und bellend, grad’ als ob ein Mensch auf ihn eingeschritten käme, rückwärts gegen den Ofen, weicht er aus.

[10] Klopstock, Gelehrtenrep. (1774), 319: Da sind sie zulezt so erbittert auf einander worden, daß sie [...] sich theils in die Haare, und theils an die Ohren, oder auch zugleich einerwärts, und anderwärts hingerathen sind.

[11] J. G. Müller, S. v. Lindenb. (1779), 163: Es blieb dem Herrn Minister nichts übrig als sich in Geduld zu fassen, und einstweilen die Sache hinters Ohr zu schreiben.

[12] Musäus, Volksmärchen (1782–86), 84: [A]n der Königin Kleopatra wurde der kleine Mund gelobt, aber die wulstig aufgeworfenen Lippen und die hochstehenden ägyptischen
Ohren
, die Professor Blumbach noch vor kurzem an den Mumien bemerkt haben will, getadelt [...].


[13] Weißenthurn, Manuscr. (1834), S 13, 44: Was? Sie, der Sie bis über die
Ohren
in Büchern stecken, scheinen nicht, wie es in der Welt hergeht, zu wissen?


[14] Wezel, Herm. u. Ulr. (1780), 417 f. (418): Der Magister Wilibald [...] gieng, um sich ⟨418⟩ vor seinen europäischen Gläubigern zu sichern, als Missionar nach Asien, wo er seine Bekehrungssucht an den armen Heiden so heftig ausließ, daß sie unwillig wurden, ihn griffen, mit dem Ohre an einen Baum nagelten und in dieser Stellung drei Tage fasten ließen [...].

[15] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 172.

[16] Adelung, Gramm.-krit. Wb. II (21796), 1569.

[17] Adelung, Gramm.-krit. Wb. III (21798), 724.

[18] Ahlefeld, Erna (1820), 44.

[19] Arndt, Erinn. (1840), 28.

[20] A. v. Arnim, Halle u. Jerus. (*1809; 1811), SW 16, 155.

[21] A. v. Arnim, Wintergart. (1809), RuE 2, 236.

[22] A. v. Arnim, Dolores (1810), RuE 1, 81 f. (82).

[23] Aurbacher, Volksbüchl. I (1827), 166.

[24] Beethoven, an N. Zmeskall (23. 4. 1813), B 2, 344.

[25] Beethoven, an S. A. Steiner (ca. 9. 1. 1817), B 4, 8.

[26] Beethoven, zu einem Brief v. F. Wolanek (23.\26. 3. 1825), B 6, 48.

[27] Beethoven, an T. Haslinger (ca. 12. 9. 1826), B 6, 277.

[28] Bräker, Tockenb. (1788–89), 265.

[29] Brentano, Godwi (1801), SWB 16, 328.

[30] Brentano, Ital. Märchen (1805\11), W3, 392.

[31] Brockhaus, Conv.-Lex. III (1809), 131.

[32] Brockhaus, Conv.-Lex. VII (1809), 308.

[33] Brockhaus, Bild.-Conv.-Lex. II (1838), 54.

[34] Fichte, Sel. Leb. (1806), SW 5, 494.

[35] Goethe, Werther (1774), WA I, 19, 77.

[36] Grabbe, Heinr. VI (1830), HKA 2, 120.

[37] Grabbe, Hermannsschl. (1838), HKA 3, 375.

[38] Hoffmann, Brautwahl (1819), PW 4, 28.

[39] Klinger, Faust (21794), W 2, 123.

[40] Klopstock, Gramm. Gespr. (1794), 51.

[41] Pfeffel, Ged. II (*1782), 187.

[42] Schiller, an C. G. Körner (28.–31. 7. 1787), NA 24, 117.

[43] Schiller, an C. G. Körner (*15. 10. 1792), NA 26, 161.

[44] A. W. Schlegel, Zeichn. (1799), 242.

[45] L. Tieck, Phantasus II (1812), 450.

[46] Wienbarg, Holland I (1833), 1.














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