Struktur
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4.
›romanhaft oder -würdig‹ mit Betonung der semantischen Aspekte ›reich, üppig, prächtig, bunt, lebensfroh, mannigfaltig, abwechslungsreich‹, metaphorosem
⦿ zu
1, aitumenosem
⦿ zu
3. Auch in partizipatorischer Verwendung
⦿: ›auf
Romantisches4 bezogen, daran interessiert‹ [
12].
—
Bdv.
:
♦
sinngleich/-entsprechend:
bunt2 [
14],
gotisch5 [
22],
mannigfaltig1 [
19],
morgenländisch2 [
16],
orientalisch2 [
12,
20],
phantastisch2 [
18],
pittoresk2 [
15],
reich [
14,
15],
schwellend [
11],
südlich3 [
4,
12],
üppig [
6,
9]. ♦
gegensätzlich:
abendländisch2 [
4],
antik4 [
22],
farblos [
11],
prosaisch3 [
20],
sparsam [
4]. ♦
kontrastiert:
plastisch3 [
7]. —
Ktx.
:
♦
Eigenschaftsträger:
⌈Gegend, die sich durch abwechselnde Mannigfaltigkeit der Gegenstände auszeichnet⌉ [
9],
Anordnung und Veränderung in den Gedanken [
10],
Dichtart [
17],
Dichtung [
20],
Drama [
14],
Farbenschmelz [
7],
Frühlingshain [
11],
Geschichte9 [
19],
Komposition [
21],
Kunst4 [
15],
Licht (bewirkt durch buntgemalte Fensterscheiben) [
3],
Poesie11 [
17],
Stil [
9],
Wortfluss [
7],
blühen [
2], ¬
strenger und reiner Kunststil [
13]. ♦
Zustand eines Eigenschaftsträgers:
Knospendrang [
11]. ♦
räumliche, zeitliche und/oder situative Verortung eines Eigenschaftsträgers:
Orient1 [
4]. ♦
von einem Eigenschaftsträger vorausgesetzt/ihn bedingend:
Phantasie3 [
15]. ♦
einem Eigenschaftsträger förderlich:
Morgenland2 [
6]. ♦
(sonstige) Eigenschaft eines Eigenschaftsträgers:
Bilderfülle [
20],
Blumenschmuck ›stilistischer Reichtum‹ [
20],
Farbenglut [
20],
Ironie3 [
18],
Mannigfaltigkeit [
9,
19],
Pracht [
5,
22],
Schönheit1 [
9], ¬
Trockenheit [
20],
Verkettung der Stimmenführung [
22],
das zufällig neben einander Befindliche abbilden (↗ r.es Drama) [
14],
die unbewussten Forderungen der Phantasie4 befriedigen (↗ r.es Drama) [
14], ¬
etw. streng aussondern (↗ r.es Drama) [
14],
kontrapunktische Verflechtung [
22],
orientalisch1 [
5],
schlecht geordnet [
11],
wirrvoll [
11]. ♦
Möglichkeit/Fähigkeit eines Eigenschaftsträgers:
⌈ein Spiegel der ganzen umgebenden Welt, ein Bild des Zeitalters werden⌉ (↗ r. Poesie11) [
17]. ♦
auf das adjektivisch Ausgedrückte durch Gebrauch Bezug nehmend:
Sinn7 [
12]. —
Wbg.
:
♦
Substantiv:
Romantik3 [
11].
[1]
Grosse, Genius II (1792), 174
: Deine flammende Seele durchläuft mit Entzücken die genußlos hingeschwundenen Minuten, die ganze Vergangenheit, nur eine Reihe edler[2] und rühmlicher Thaten, in ihr jeden Zeittheil, durch volles ungeschwächtes Bewußtseyn geadelt, Freude und Unmuth, Schmerz und Erhohlung, alles im Gemälde der Zeit[1] romantisch zusam〈175〉mengeknüpft, und am Ziele Deines Vermögens erblickst Du im Gefilde der Nachwelt Deinen Nahmen aufblühen und einen Kranz der Unsterblichkeit.
[2]
Heine, Intermezz. (1823), 98
: Philister in Sonntagsröcklein | Spatzieren durch Wald und Flur; | Sie jauchzen, sie hüpfen wie Böcklein, | Begrüßen die schöne[4] Natur[2]. || Betrachten mit blinzelnden Augen | Wie Alles romantisch blüht; | Mit langen Ohren[2] saugen | Sie ein der Spatzen Lied.
[3]
Reichardt, Vertr. Brf. I (1804), 418
: Rund um sind kleinere und größere Säle, deren jeder einem Jahrhundert besonders gewidmet ist: vom dreizehnten bis zum achtzehnten Jahrhunderte. In einem solchen Saal sind Statuen, Büsten, Basrelifs, größere und kleinere Monumente aller Art, bis auf die buntgemalten Fensterscheiben, die ein romantisches[4/5] Licht auf die alten[1] Monumente werfen, alle aus demselben Jahrhunderte [...].
[4]
F. Schlegel, Gespr. Poes. (1800), 103
: Wären uns nur die Schätze des Orients[1] so zugänglich wie die des Alterthums[3]! [...] Im Orient[1] müssen wir das höchste Romantische suchen, und wenn wir erst aus der Quelle schöpfen können, so wird uns vielleicht der Anschein von südlicher[3] Gluth, der uns jetzt in der spanischen Poesie[11] so rei〈104〉zend ist, wieder nur abendländisch[2] und sparsam erscheinen. ➢ Volltext
[5]
Chézy, Gem. Boiß. (*1813; 1818), XV
: Eigentlich kenne ich mehr Darstellungen aus dem alten[1] Testament, als aus dem neuen[3] von Hemmelink [sc. Hans Memling]. Wahrscheinlich zog ihn, der seine Gestalten gern in romantisch-orientalischen[1] Styl kleidete, und der überhaupt so ganz Begeistrung[5] war, die geschmückte heitre[5] Pracht, und das Zusagende der patriarchalischen Lebensweise mächtiger in jenes Gebiet, welches ferner ab von seiner Zeit[3], der Poesie[4] befreundeter war [...]..
[6]
Grosse, Genius II (1792), 231 f. (232)
: Wenn er unter uns war, stockte die Unterhaltung nicht einen Augenblick lang, und immer erinnere ich mich noch mit einer Art 〈232〉 von Entzücken seiner Mährchen, die er uns, wenn wir am Kamine traulich zusammensaßen, aus dem Stegereife erfand, und mit der üppigsten Laune zum Besten gab. Seine Phantasie[1] war durch eine Reise nach dem Morgenlande[2], von der er erst vor einigen Jahren zurückgekommen war, dazu recht eigentlich aufgelegt; aber er hatte dadurch auch einen so herrschenden Hang zum Romantischen[4/8] derselben erhalten, daß er gewöhnlich alles ansteckte, was ihn umgab..
[7]
Heine, an F. Steinmann / J. B. Roussau (29. 10. 1820), HSA, 20, 30 f. (31)
: Wer weiß, ob mich nicht das Verlangen nach Euch, liebe Freunde, 〈31〉 nächsten Sommer wieder nach Bonn zurücktreibt. Denn ich zweifle nicht, Ihr werdet Beide einer auf den andern wohlthätig gewirkt haben. – – – [sc. J. B. Rousseau] wird sich an – – – [sc. F. Steinmanns] löbliche plastische[3] Umrisse gewöhnt haben und – – – [sc. F. Steinmann] an – – – [sc. J. B. Rousseaus] romantischen Farbenschmelz und Wortfluß. Aber keiner soll sich an der Eigenthümlichkeit des andern vergreifen..
[8]
W. v. Humboldt, Montserrat (1803), 279
: Stellen Sie Sich zwey lieblich geformte Vorhügel vor, die sich zu beyden Seiten von dem Berge aus in die Ebne erstrecken; bekränzen Sie dieselben, so romantisch Ihre Phantasie[1] es vermag, mit Gebüschen, und denken Sie Sich dazwischen im Thale zu Ihren Füßen den Lauf des Llobregats bis zum Meere hin, das sich majestätisch am Horizonte erhebt..
[9]
Krünitz [Korth], Oecon. Encycl. CXXVI (1819), 714 f.
: Romantisch[3/4], ein mit romanhaft[1] aus einer Quelle entspringendes Wort[1], allein von verschiedener Bedeutung. Man gebraucht es sowohl in der Malerei[3], als auch in der Poesie[18] von Gegenden, die sich durch eine einnehmende, bezaubernde Schönheit[1] und abwechselnde Mannigfaltigkeit der Gegenstände auszeichnen. In der Malerei[3] ist ein romantischer[3/4] Styl die Vorstellung einer Gegend mit Ruinen oder mit andern erhabenen, die Phantasie[1] des Beschauers fesselnden, Gegenständen. Der Landschaftsmaler muß daher sein Augenmerk nur auf die sogenannte wilde Natur[2] richten; denn nur diese hat ihre romantische[3/4] Seite. Die Gegenstände, welche den romantischen[3/4] Charakter[1] im höchsten Grade an sich tragen und die der Land〈715〉schaftsmaler mit dem ihm eigenen Zauber auf der Leinwand etc. dazustellen versuchen muß, sind: graue Felsmassen, die sich in der Ferne aus einer üppigen unbeschornen Vegetation zu des Himmels Azur erheben; ein stürmischer See, der seine Wellen mit Ungestüm empor treibt und über dem gewitterschwangere Wolken sich ihres Feuerstoffs entladen; oder ein See, der sich ruhig zwischen grünen Schilfmassen und prächtigen Wiesen dahin schlänget und über den in der Entfernung Städte und Dörfer aus grüner Umgebung ihre Zinnen und Thürme im vergoldeten Morgen- und Abendglanz emporheben. Hierzu geselle sich nun ein Fischer mit seinem Netze am See, oder ein Schäfer mit seiner Heerde und seinem Hunde auf dem grünen Teppich der Wiese; auch eine alte[11] Ritterburg, einsam auf einer Höhe gelegen, wo durch des Fensters Trümmer, im Gegenscheine der untergehenden Sonne, sich des Vollmondes falbes Licht blicken läßt, und über welcher einige Vögel schwärmen etc. Freilich muß aber der Landschaftsmaler eine glühende Phantasie[1], ein dichterisches Gefühl besitzen, um den Beschauer, durch eine glückliche und harmonische Zusammenstellung des Ganzen, durch eine richtige Perspective, durch ein heiteres[1], frisches, überhaupt dem Gegenstande angemessenes, Kolorit, durch sanfte Verschmelzung der Tinten in einander, zu fesseln und sein Gemüth zu dem Schönen[1] zu erheben. Hierin zeichneten sich vorzüglich aus Claude Lorrain, Poussin, Vernet, Hackert etc. etc. [...] In der Poesie[11] wird das Romantische[3/4] auch nur in einer üppigen und mannigfaltigen[1] Umgebung gefunden..
[10]
Novalis, Fragm. u. Stud. (*1800), NS 3, 654, Nr. 580
: Es fehlt noch an romantischer[1/4/5] Anordnung, und Veränderung in den Gedanken. Aeußerst simpler Styl, aber höchst kühne, Romanzenähnliche Dramatische Anfänge, Übergänge, Folgen – bald Gespräch – dann Rede – dann Erzählung, dann Reflexion, dann Bild und so fort. 〈655〉 Ganz Abdruck des Gemüths, wo Empfindung, Gedanke, Anschauung, Bild, Gespräch, Musik[11/7] etc. unaufhörlich schnell wechselt und sich in hellen, klaren Massen neben einander stellt..
[11]
Rückert, Ged. I (1838), W 1, 264
: Einen klassischen[5] Dichter[5/4] in den Händen, | Den romantischen Frühlingshain durchirrend, | Konnt' ich lesend und wandelnd nicht vereinen | Jene Klassicität und die Romantik[3]. | Wenn ich blickt' in das Buch, erschien mir's farblos | Vor dem schwellenden Knospendrang des Lebens; | Wenn ich schaut' in den grünen Wald, erschien er | Wirrvoll gegen die wohlgebauten Strophen, | Schlecht geordnet die Schatten und die Lichter. | So mißfiel mir das eine durch das andre, | Wechselnd richtete Buch und Welt zu Grund' sich..
[12]
A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (
!1803–04), KAV 2.1, 49
: Ich möchte ihn [sc. Fleming] unter unsern Dichtern vorzugsweise den südlichen[3] nennen, aber er wurde darum seinem Vaterlande nicht fremd[4]: er hatte ein Deutsches Herz und eine Orientalische[2] Fantasie[3]; und wie sich das äußre Leben oft mit dem innern harmonisch gestaltet, so mußte sich auch für ihn durch die holsteinische Gesandtschaft nach Persien die damals unerhört seltne Gelegenheit darbieten, durch Rußland und die tatarischen Steppen bis in die schönsten[1] Gegenden des Orients[1] hinzugelangen, eine Reise, die er mit romantischem Sinne[7] aufgefaßt und herrlich dargestellt hat..
[13]
A. W. Schlegel, Vorles. üb. Enz. (
!1803–04), KAV 3, 346
: Was die übrigen neulateinischen Sprachen[3] betrifft, so würde man ihren Charakter[1] in poetischer[4] Hinsicht weit besser genetisch begreifen können, wenn die Denkmäler des Provenzalischen, als welches in so fern wie ihre gemeinschaftliche Mutter angesehen werden kann, erst mehr bekannt wären. Nächst diesem hat sich das Italiänische am frühesten in der Diction und den Formen ausgebildet, und also wiederum Quelle für die übrigen geworden. Alle haben eine Menge Vorzüge miteinander gemein, und wenn uns die Griechische[2] Sprache[3] das Muster einer vollkommnen Organisation[8] für den strengen und reinen Kunststyl 〈darbietet〉, so finden wir hier die gefälligsten Reize und die größte Lieblichkeit für alle Bezauberungen der romantischen[16/14/3/4] Poesie[1]..
[14]
A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.2 (1811), 15 f.
: Was nun die dichterische Gattung betrifft, womit wir uns hier beschäftigen, so verglichen wir die antike[2] Tragödie mit einer Gruppe in der Sculptur: die Figuren entsprechen dem Charakter[7], ihre Gruppirung der Handlung[3], und hierauf ist, als auf das einzige Dargestellte, die Betrachtung bey beyden Arten von Kunstwerken[2] ausschließlich gerichtet. Das romantische[13/4/5] Drama denke man sich hingegen als ein großes Gemälde, wo außer der Gestalt und Bewegung in reicheren Gruppen auch noch die Umgebung der Personen mit abgebildet ist, nicht blos die nächste, sondern ein bedeutender Ausblick in die Ferne, und dieß alles unter einer magischen Beleuchtung, welche den Eindruck so oder anders bestimmen hilft. | Ein solches Gemählde wird weniger vollkommen begränzt seyn als die Gruppe, denn es ist wie ein ausgeschnittnes Bruchstück aus dem optischen Schauplatze der Welt. [...] 〈16〉 [...] | Gerade dergleichen Schönheiten[1] sind dem romantischen[13/4/5] Drama eigenthümlich. Es sondert nicht strenge wie die alte[10] Tragödie den Ernst und die Handlung[1] unter den Bestandtheilen des Lebens aus; es faßt das ganze bunte[2] Schauspiel desselben mit allen 〈17〉 Umgebungen zusammen, und indem es nur das zufällig neben einander befindliche abzubilden scheint, befriedigt es die unbewußten Foderungen der Fantasie[4], vertieft uns in Betrachtungen über die unaussprechliche Bedeutung des durch Anordnung, Nähe und Ferne, Colorit und Beleuchtung harmonisch gewordnen Scheines, und leiht gleichsam der Aussicht eine Seele. ➢ Volltext.
[15]
A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.2 (1811), 53
: Man verkennt [...] ganz und gar die Rechte der Poesie[11] und des romantischen[13/4] Drama's, welches eben weil es pittoresk[2] ist und sein soll, reichere Umgebungen und Contraposte für seine Hauptgruppen erfodert. In aller Kunst[4] und Poesie[11], vornämlich aber in der romantischen[13/4], macht die Fantasie[3] als eine unabhängige Seelenkraft, die sich nach eignen Gesetzen regiert, ihre Ansprüche geltend. ➢ Volltext.
[16]
A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.2 (1811), 392
: [D]ie Kreuzzüge im Hintergrunde, der Schauplatz zu Jerusalem, das Zusammentreffen verschiedner Nationen[1] und Religions-Verwandten auf diesem morgenlän〈393〉dischen[1/2] Boden, das alles giebt dem Ganzen [sc. Lessing, Nathan] einen romantischen[4/11] Anstrich [...]. ➢ Volltext
.
[17]
F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 28 ff., Nr. 116
: Die romantische[13/15/1/10/4/5/11/12] Poesie[11] ist eine progressive[3/6] Universalpoesie. Ihre Bestimmung ist nicht bloß, alle getrennte Gattungen der Poesie[11] wieder zu vereinigen, und die Poesie[11/18] mit der Philosophie, und Rhetorik in Berührung zu setzen. Sie will, und soll auch Poesie[3] und Prosa[1], Genialität und Kritik[1], Kunstpoesie, und Naturpoesie bald mischen, bald verschmelzen, die Poesie[11] lebendig und gesellig, und das Leben und die Gesellschaft poetisch[1] machen, den Witz[1] poetisiren, und die Formen der Kunst[2] mit gediegnem Bildungsstoff jeder Art anfüllen und sättigen, und durch die Schwingungen des Humors[2] beseelen. Sie umfaßt alles, was nur poetisch[4] ist, vom größten wieder mehre Systeme 〈29〉 in sich enthaltenden Systeme der Kunst[13], bis zu dem Seufzer, dem Kuß, den das dichtende Kind aushaucht in kunstlosen Gesang. [...] Nur sie kann gleich dem Epos ein Spiegel der ganzen umgebenden Welt, ein Bild des Zeitalters werden. Und doch kann auch sie am meisten zwischen dem Dargestellten und dem Darstellenden, frey[1] von allem realen und idealen Interesse auf den Flügeln der poetischen[4] Reflexion in der Mitte schweben[8], diese Reflexion immer wieder potenziren und wie in einer endlosen Reihe von Spiegeln vervielfachen. Sie ist der höchsten und allseitigsten Bildung[2] fähig; [...] indem sie jedem, was ein Ganzes in ihren Produkten seyn soll, alle Theile ähnlich organisirt[6], wodurch ihr die Aussicht auf eine gränzenlos wachsende Klassizität eröffnet wird. Die romantische[13/15/1/10/4/5/11/12] Poesie[11] ist unter den Künsten[2] was der Witz[1] der Philosophie, und die Gesellschaft, Umgang, Freundschaft und Liebe im Leben ist. Andre Dichtarten sind fertig, und können nun vollständig zergliedert werden. Die romantische[13/15/1/10/4/5/11/12] Dichtart ist noch im Werden; ja das ist ihr eigentliches Wesen, daß sie ewig nur werden, nie vollendet seyn kann. Sie kann durch keine Theo〈30〉rie erschöpft werden, und nur eine divinatorische Kritik[2] dürfte es wagen, ihr Ideal charakterisiren zu wollen. Sie allein ist unendlich, wie sie allein frey[5] ist, und das als ihr erstes Gesetz anerkennt, daß die Willkühr des Dichters kein Gesetz über sich leide. Die romantische[13/15/1/10/4/5/11/12] Dichtart ist die einzige, die mehr als Art, und gleichsam die Dichtkunst selbst ist: denn in einem gewissen Sinn[1] ist oder soll alle Poesie[11] romantisch[1/12] seyn. ➢ Volltext.
[18]
F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 129, Nr. 418
: [D]er Sternbald vereinigt den Ernst und den Schwung des Lovell mit der künstlerischen Religiosität des Klosterbruders und mit allem was in den poetischen[4] Arabesken, die er aus alten[1] Mährchen gebildet, im Ganzen genommen das Schönste[1] ist: die fantastische[2] Fülle und Leichtigkeit, der Sinn[7] für Ironie[3], und besonders die absichtliche Verschiedenheit und Einheit des Kolorits. Auch hier ist alles klar und transparent, und der romantische[4/13/1/10] Geist[11/12?] scheint angenehm über sich selbst zu fantasiren. ➢ Volltext.
[19]
F. Schlegel, Beitr. mod. Poesie (1803), 52
: Alle diese verschiednen Formen werden sich als nützlich und ächt, ja als wesentlich bewähren, wenn sich erst der Roman[1] selbst in seiner ganzen Fülle bei uns weiter wird entfaltet haben, und die Mannichfaltigkeit der alten[1] romantischen[13/1/4] Geschichten[9] in eben so mannichfaltigen[1] Formen neu[1] dargestellt und eigen gebildet, uns den ehemaligen Frühling des romantischen[13/1/4] Lebens und Dichtens, in seiner ganzen Schönheit[1] wieder bringen wird. ➢ Volltext.
[20]
F. Schlegel, Spr. u. Weish. d. Ind. (1808), 214
: Daher finden wir diesen sogenannten orientalischen[2] Charakter[4] eben so wohl in vielen Dichtern[3] des Mittelalters (auch in italiänischen und deutschen[2], nicht bloß in spanischen) als in den romantischen[1/4] Dichtungen der Perser und Araber, ohne daß wir desfalls zu dem Einfluß der Kreuzzüge unsre Zuflucht zu nehmen brauchten, da die gleichen Umstände in Europa wie in Asien dieselben Folgen hervorrufen mußten. Wie paßt nun aber diese Farbengluth zu der prosaischen[3] Trockenheit der Chinesischen Bücher, oder zu der schönen[1] Einfalt des indischen Styls? Zwar in der Sokuntola des Kalidas fehlt es auch nicht an Blumenschmuck und Bilderfülle; doch auch hier ohne alle Ueberspannung. ➢ Volltext.
[21]
L. Tieck, Phantasus I (1812), 69 f. (70)
: Daß die abwechselnden Gerichte und Gänge [...] sich mit Akten[3] und Scenen 〈70〉 sehr gut vergleichen lassen, fällt in die Augen; eben so ausgemacht ist es für den denkenden und höheren Esser (ich ignorire jene gemeinere Naturen[17], die [...] etwa in materieller Dumpfheit meinen können, das Essen geschehe nur, um den Hunger zu vertreiben), daß eine gewisse allgemeine Empfindung ausgesprochen werden soll, der in der ganzen Composition der Tafel nichts widersprechen darf, sei es von Seiten der Speisen, der Weine, oder der Gespräche, denn aus allem soll sich eine romantische[4/1] Composition entwickeln, die mich unterhält, befriedigt und ergötzt, ohne meine Neugier und Theilnahme zu heftig zu spannen, ohne mich zu täuschen, oder mir bittre Rückerinnrungen zu lassen..
[22]
Weber, Bach (1821), 227
: Seb. Bachs Eigenthümlichkeit war selbst in ihrer Strenge eigentlich romantisch, von wahrhaft deutscher[8] Grundwesenheit, vielleicht im Gegensatze zu Händels mehr antiker[4] Größe. Sein Styl war von einer Großartigkeit, Erhabenheit und Pracht, die ihre Wirkungen durch die wunderbarsten Verkettungen der Stimmenführungen und dadurch erzeugten fortgesponnenen seltsamen Rhythmen, in den künstlichsten[2] contrapunktischen Verflechtungen suchte, und von seinem erhabenen[4] Geiste[19] zu einem wahrhaft gothischen[5] Dome der Kunstkirche erbaut wurde [...]..