Wortliste
Struktur
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Semantik 
11. ›postantikisch: die postantike Literatur und Kunst und/oder das nach ihrem tatsächlichen oder ver­meint­lichen Vorbild Gearbeitete in besonderer Weise wertschätzend (und für ihre bzw. seine Rezeption eintretend)‹, speziell ›in mittelalterlich-frühneuzeitlicher Tradition stehend, an mittelalterlich-früh­neu­zeitlicher oder mittelalterlich-frühneuzeitlich geprägter Kunst/Literatur (als Vorbild) orientiert, mittel­al­ter­lich-frühneuzeitliche Stoffe/Formen aufgreifend‹, timontosem ⦿ zu 9 und 10. Eine Opposition gegen die klassische7 Li­te­ratur und Kunst ist erkennbar, allerdings nicht notwendig eine solche gegen die klassische6: r. ist nicht gleich­be­deu­tend mit antiantik (F. Schlegel, an A. W. Schlegel [8. 9. 1805], KJ 1, 229). – Der unter 9 angegebene zeitkritische Aspekt mündet in den Anspruch, die romantische9 Periode bis in die eigene Gegenwart aus­zu­deh­nen und letztere in einer (wenngleich nicht ungebrochenen) Kontinuität mit der r.9 Zeit zu sehen: Die Kunst der Gegenwart um 1800 wird zunächst noch als neuer Stil der r.9 Kunst gesehen. Als Fahnen­wort ⦿ des romantischen Diskurses [1, 2, 3, 4, 5, 9, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 20, 21, 23, 24, 27, 28, 29, 30, 33, 34, 49] wird das Adjektiv – ebenso wie die Substantive Romantik und Romantiker – erst ab etwa 1804 verwendet, und zunächst auch eher kritisch (als Fremdbezeichnung). Die affirmative Verwendung (als Selbstbezeichnung) [11] erfolgt in Adaption der abschätzigen Fremdbezeichnung.
Belege 
[1] Börne, Brf. Paris I (1832), SS 3, 51: Victor Hugos Hernani habe ich mit großem Vergnügen gelesen. Es ist wahr, daß ich Werke solcher Art bei einem französischen Dichter nach ganz andern Grundsätzen beurteile, als ich es bei einem deutschen Dichter tue. Das Ding an sich kümmert mich da gar nicht; sondern ich betrachte es bloß in seiner Verbindung, das heißt bei romantischen poetischen[4] Werken, in seinem Gegensatze mit der französischen Nationalität. Also je toller, je besser; denn die romantische Poesie[1] ist den Franzosen nicht wegen ihres schaffenden, sondern wegen ihres zerstörenden Prinzips heilsam. Es ist eine Freude, zu sehen, wie die emsigen Romantiker alles anzünden und niederreißen und große Karren voll Regeln und klassischem[7] Schutte vom Brandplatze wegführen.

[2] Börne, Brf. Paris II (1832), SS 3, 205 f. (206): Im Collège Henri IV (nach deutschem Ausdrucke ein Gymnasium) werden ⟨206⟩ von den Schülern zwei handschriftliche Journale redigiert, die in den Schulzimmern täglich zirkulieren. Das eine Journal, Le Lycéen genannt, kämpft unter Racines Fahne, also für die klassische[7] Literatur; das andere, mit dem Titel Le Cauchemar, streitet unter der Fahne Victor Hugos. Die romantische Literatur mit dem Worte[1] Cauchemar (das Alpdrücken) zu bezeichnen, ist eine geistreiche Naivität, und die Feinde der Romantik[3] hätten nichts Besseres erfinden können.

[3] Börne, Brf. Paris V (1834), SS 3, 670: Es war ein Rechtsstreit zwischen der romantischen und der klassischen[7] Schule [...] – und diesen Streit sollte ein Handelsgericht entscheiden! Ist das nicht merkwürdig? Die Anhänger der romantischen Schule hatten sich in großer Menge frühzeitig im Saale eingefunden und sollen sich sehr unanständig und ungebührlich betragen haben. Als ihr König und Feldherr Victor Hugo eintrat, wurde er von seinem treuen Heere mit rauschendem Beifallklatschen empfangen; aber es schien, daß ihn diese kleine Huldigung mehr in Verlegenheit gesetzt als geschmeichelt habe.

[4] Goethe, Class. u. Rom. (1820), WA I, 41.1, 137: Monti, Verfasser von Aristodem und Cajus Gracchus, Übersetzung der Ilias, kämpft eifrig auf der classischen[7] Seite. Seine Freunde und Verehrer stehen dagegen für die romantische[11] Partei und versichern, seine eigenen besten Werke seien romantisch[2], und bezeichnen solche namentlich, worüber der kostbare Mann, höchst verdrießlich und aufgebracht, das ihm zugedachte falsche Lob gar nicht anerkennen will.

[5] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. VI (1836), 152: K[leist] war vielleicht der begabteste Jünger der romantischen Schule – sein frühes Ende kam der völligen Reife seines Talentes zuvor.

[6] Schiller, an Chr. G. Körner (3. 7. 1800), NA 30, 168: Die spanische Litteratur wird Dir gewiß eine sehr anziehende Beschäftigung geben, wenn Du Dich mit der romantischen[9/12] Poesie[11] vertragen kannst. Sie ist freilich das Produkt eines andern Himmels und einer ganz andern Welt. Für unsre deutsche Poesie[[1] glaube ich nicht soviel Ausbeute darinn finden zu können als Du hoffst, weil wir einmal mehr philosophische Tiefe und mehr Wahrheit des Gefühls als Phantasiespiele lieben. Neuerdings hat Tiek in seinen romantischen[11] Dichtungen diese Gattung wieder angeregt und mit vielem Glück. Seine Genoveva ist wohl schon in Deinen Händen. Auch die Schlegels geben sich jezt viel mit der spanischen Litteratur ab, nach ihrer Art, aber durch ihre Einseitigkeit und Anmaßung verderben sie einem gleich die Lust.

[7] A. W. Schlegel, an L. Tieck (11. 12. 1797), L, 23: Ein romantisch-komisches Schauspiel [...] müßte Ihnen herrlich gelingen.

[8] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 59: Von dieser Zeit[6] an, gegen die Mitte des 18ten Jahrhunderts, wird nun von vielen das goldne Zeitalter der Deutschen Literatur gerechnet. Es traten damals ungefähr zugleich auf [...] Uz, Gleim, Kleist, Ramler, Geßner, dann Lessing, und Wieland der eben so früh, zum Theil unter Bodmers Leitung aufgetreten war, gelangte erst eine Anzahl Jahre später zu seiner eigenthümlichen und noch fortdauernden Celebrität. [...] Die ganze Periode gründlich zu charakterisiren und zu würdigen, das würde sich nicht so in der Kürze thun lassen, und unserm Zwecke fremd[5] seyn, indem die meisten dieser Dichter anerkanntermaßen gar nicht darauf ausgegangen sind, romantisch[11/2] zu seyn.

[9] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.2 (1811), 427: Man hat sich neuerdings bemüht, die Reste unsrer alten[1] National-Poesie und Ueberlieferung auf mancherley Weise wieder zu beleben. Diese können dem Dichter eine Grundlage für das wundervolle Festspiel geben; die würdigste Gattung des romantischen Schauspiels ist aber die historische. Volltext

[10] F. Schlegel, an A. W. Schlegel (10. 9. 1804), KJ 1, 150: Die neuesten[3] deutschen Gedichte sind mir ordentlich schwer zu verstehn; ich weiß nicht ob ich schon alt[3] geworden bin, oder ob man dort wirklich so rasend romantisch ist, wie es mir vorkommt.

[11] F. Schlegel, an A. W. Schlegel (15. 7. 1805), KJ 1, 216: Voß ist nach Heidelberg berufen [...]. Man rühmt ihn überall in Deutschland und wohl zum Theil absichtlich; es ist eine förmliche Konspiration gegen das Romantische.

[12] F. Schlegel, an A. W. Schlegel (26. 10. 1805), KJ 1, 239: Fouqué's Romanzen haben mir gefallen und sind sehr romantisch, doch finde ich sie wie alle neudeutsche Poesie[11] viel zu leicht und seicht.

[13] Börne, Schild. Paris IX (1823), SS 2, 42.

[14] Börne, Schild. Paris IX (1823), SS 2, 44.

[15] Börne, Brf. Paris I (1832), SS 3, 95.

[16] Brockhaus, Bild.-Conv.-Lex. II (1838), 97.

[17] F. de la Motte Fouqué, an A. W. Schlegel (15. 2. 1807), KJ 1, 382 f..

[18] F. de la Motte Fouqué, Lebensgesch. (1840), 265.

[19] Goethe, Dicht. u. Wahrh. I (1811), WA I, 26, 317.

[20] Goethe, Tageb. (*1818), WA III, 6, 250.

[21] Goethe, Tageb. (*1818), WA III, 6, 251.

[22] Goethe, Tageb. (*1818), WA III, 6, 252.

[23] Goethe, Tageb. (*1818), WA III, 6, 254.

[24] Goethe, Tageb. (*1819), WA III, 7, 40.

[25] Goethe, Tageb. (*1826), WA III, 10, 152.

[26] Goethe, an C. J. L. Iken (27. 9. 1827), WA IV, 43, 81 f..

[27] Goethe, Tag- u. Jahres-Hefte II (*1817..26; 1830), WA I, 36, 136.

[28] Goethe, Max. u. Refl. (*?1829; 1836), WA I, 41.2, 246 f..

[29] Grabbe, Shaksp. (1827), WuB 4, 34 f..

[30] Heine, Florent. Nächte (1836), DHA 5, 231.

[31] Heine, Romant. Schule (1836), 72.

[32] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. IV (1835), 207.

[33] Herloßsohn, Dam. Conv. Lex. IX (1837), 473 f. (474).

[34] Herwegh, Lit. Industr. (1840), W 2, 139.

[35] Schiller, an W. v. Humboldt (5. 10. 1795), NA 28, 72.

[36] Schiller, an Chr. G. Körner (29. 2. 1796), NA 28, 196.

[37] Schiller, an Chr. G. Körner (26. 9. 1799), NA 30, 98.

[38] Schiller, Jungfr. v. Orleans (1801), NA 9, 165.

[39] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. I (!1801–02), KAV 1, 196.

[40] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. II (
!
1802–03), KAV 1, 486.

[41] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.1 (1809), 137 f. (138).

[42] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. II.1 (1809), 180 f. (181).

[43] F. Schlegel, Ath.-Fragm. (1798), 28 ff., Nr. 116.

[44] F. Schlegel, Fragm. Poes. u. Litt. (*1801), KFSA 16, 317, Nr. 754.

[45] F. Schlegel, an A. W. Schlegel (15. 7. 1805), KJ 1, 214.

[46] F. Schlegel, an A. W. Schlegel (27. 2. 1806), KJ 1, 295.

[47] Uhland, Romant. [Entw.] (*?1807), FS 2, 402.

[48] Wienbarg, Aesth. Feldzg. (1834), 19 f..

[49] Wienbarg, Aesth. Feldzg. (1834), 184 f. (185).














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