Wortliste
Struktur
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Semantik 
12. ›romanisch‹, v. a. bei den Brüdern Schlegel in bewusster Anknüpfung [1, 8, 11] an die Etymologie (vgl. 1: Roman ›fiktionaler Text in einer auf das Lateinische zurückgehenden Volkssprache‹) zur Bezeichnung für eine Grup­pe von Sprachen – Französisch, Provenzalisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch (in dieser Reihen­folge bei A. W. Schlegel [9]) –, die zumeist als Produkte einer Mischung lateinischer und germa­ni­scher Sprachelemente verstanden werden [8, 11]; zur Sache vgl. A. W. Schlegels Berliner Vorlesungen ⦿ sowie seine Enzyklopädie-Vorlesungen ⦿; offen zu 1, 2 und 9. Als älteste literarisch kultivierte romantische12 Sprache3 erscheint das Fran­zösische, gefolgt vom Provenzalischen [9], das als Vorbild für den Ausbau der übrigen zur gleichen Sprach­familie gehörenden Sprachen gedient hat und unter diesem Aspekt als die gemeinschaftliche Mut­ter dieser anderen bezeichnet wird [10]; sie können daher auch pro­ven­za­li­sche (›pro­ven­za­lisch beein­fluss­te‹) Sprachen genannt werden [3, 16]. F. Schlegel [17] nennt als weiteren Hauptdialekt, d. h. als literarisch relevante romantische12 Sprache das Katalanische.
Belege 
[1] A. W. Schlegel, Vorles. philos. Kunstlehr. (!1798–99), KAV 1, 117: Romanze ist die passendste Benennung [für Gattungen der romantischen[12/10] Volkspoesie], weil sie in romantischer[12] Sprache[3], das ist Volkssprache, abgefaßt sind.

[2] F. Schlegel, Fragm. Poes. u. Litt. (*1801), KFSA 16, 318, Nr. 765: Das alte[1] Französisch ist erst das wahre Kau­derwelsch, das böse Prinzip d[er] romant[ischen] Sprache[5]. [⦿] Provenzalisch dagegen die Quelle d[es] Portug.[iesi­schen] Span.[ischen] Italiän[ischen].

[3] F. Schlegel, Beitr. mod. Poesie (1803), 58: [Die portugiesische Sprache[3] ist] an sich schön[1] [...] und [gehört] zur Vollständigkeit des ganzen Systems der aus dem verdorbenen Lateinischen mit allerlei Modificationen entstandenen provenzalischen oder romantischen Sprachen[3] wesentlich mit [...]. Volltext

[4] F. Schlegel, Beitr. mod. Poesie (1803), 60: Durch die nasalen Töne[1] könnte man im Portugiesischen [...] eine Aehnlichkeit mit dem Französischen, wenigstens dem südlichen finden. Doch bekommt das freilich in jener Sprache[3], die von allen romantischen unstreitig die weicheste und süßeste ist, einen ganz anderen Charakter[4]. Volltext

[5] F. Schlegel, an A. W. Schlegel (8. 9. 1805), KJ 1, 229: Ich bin ganz und gar nicht so antiantik als Tieck; doch glaube ich wohl, daß die romantischen[12/9] und alt⟨230⟩deutschen Metra unsrer Sprache[3] näher liegen und eine grössere Stelle darin einnehmen müssen als die Griechischen[2], die ich nur für nothwendige Ergänzungen ansehn kann.

[6] Novalis, Versch. Fragm. (*1798), NS 2, 545, Nr. 105.

[7] Schiller, an Chr. G. Körner (3. 7. 1800), NA 30, 168.

[8] A. W. Schlegel, Berl. Vorles. III (!1803–04), KAV 2.1, 12.

[9] A. W. Schlegel, Vorles. üb. Enz. (!1803–04), 341.

[10] A. W. Schlegel, Vorles. üb. Enz. (!1803–04), 346.

[11] A. W. Schlegel, Dramat. Lit. I (1809), 13.

[12] F. Schlegel, Fragm. Poes. u. Litt. (*1801), KFSA 16, 333, Nr. 930.

[13] F. Schlegel, Zur Poesie II (*1802), KFSA 16, 421, Nr. 48.

[14] F. Schlegel, Beitr. mod. Poesie (1803), 50.

[15] F. Schlegel, Beitr. mod. Poesie (1803), 51.

[16] F. Schlegel, Beitr. mod. Poesie (1803), 61.

[17] F. Schlegel, Beitr. mod. Poesie (1803), 71.














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